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Zwangsbettelei

Zwangsbettelei |  Bild: Allein im Senegal werden schätzungsweise 100 000 Kinder zur Zwangsbettelei eingesetzt. © Stockimage123 [Royalty Free]  - Dreamstime.comZwangsbettelei

| Bild: Allein im Senegal werden schätzungsweise 100 000 Kinder zur Zwangsbettelei eingesetzt. © Stockimage123 [Royalty Free] - Dreamstime.com

Betroffene Länder

Welche Länder sind betroffen?

Zwangsbettelei kommt vor allem Afrika und Asien vor. Besonders betroffen ist der Senegal. Die dort bettelnden Kinder kommen aber auch häufig aus Nachbarländern, zum Beispiel aus Guinea, Gambia, Mali, Nigeria, Mauretanien oder Guinea-Bissau. Allein in der senegalesischen Hauptstadt Dakar betteln rund 30 000 Kinder auf der Straße, im ganzen Land sind es schätzungsweise über 100 000. In Asien ist Zwangsbettelei besonders in Indien weit verbreitet. Die hohe Armut treibt viele Kinder in die Fänge von kriminellen Gruppen oder Organisationen. Im Auftrag solcher Systeme müssen tausende Kinder auf den Straßen betteln. Grundsätzlich lässt sich die genaue Verbreitung von Zwangsbettelei aber schwer angeben, da von einer hohen Dunkelziffer auszugehen ist. 1) 2) 3) 4)

Tätigkeiten

Fallbeispiel
Zwangsbettelei im Senegal
„Jeden Tag versuche ich, nicht zu weinen. Jeden Tag versuche ich, nicht zu schreien. Ich kann nicht schlafen. Ich mache nur die Augen zu und versuche mir vorzustellen, ich sei woanders. Ich kenne meine Familie nicht, ich weiß nur, dass ich nicht hierher gehöre“, erzählt ein Junge aus Dakar. Er und die anderen Kinder leben ihrer Koranschule wie Sklaven. Täglich müssen sie betteln gehen, zudem werden sie geschlagen und erniedrigt. 5)

Welche Arbeiten werden von den Kindern ausgeführt?

Die betroffenen Kinder müssen täglich auf den Straßen um Geld, Reis, Zucker und andere Güter betteln. Dabei müssen sie eine bestimmte Summe bzw. Menge aufbringen, die sie abends ihren Auftraggebern überbringen. Wenn sie das vorgegebene Ziel nicht erreichen, drohen ihnen strenge Strafen. In vielen Fällen müssen die Kinder auch ihre Nahrungsmittel erbetteln, da sie oft keine Verpflegung erhalten.

Auch die Lebensbedingungen der Bettelkinder sind unmenschlich. Sie schlafen häufig auf dem blanken Fußboden. Außerdem haben sie kaum Zugang zu sauberem Trinkwasser und sanitären Anlagen. Vernachlässigung und Misshandlungen sind an der Tagesordnung. 6) 3) 7) 8)

Konsequenzen

Welche Gefahren und Folgen ergeben sich aus diesen Tätigkeiten für die Kinder?

Die Kinder sind der Willkür ihrer Auftraggeber und krimineller Organisationen schutzlos ausgeliefert. Sie werden häufig geschlagen, wenn sie die geforderten Summen nicht erbettelt haben. Außerdem wird ihr Wille systematisch gebrochen, etwa durch Anketten oder Prügel. Außerdem kommt es oft zu sexuellem Missbrauch. Die Misshandlungen haben in vielen Fällen dauerhafte körperliche Beschwerden zur Folge. Viele kriminelle Organisationen schrecken auch nicht davor zurück, zur Gewinnmaximierung grausame Mittel zu ergreifen. So werden Kinder geblendet oder verstümmelt, damit sie Mitleid erregen und mehr Geld einbringen. Auch das Betteln auf der Straße ist gefährlich. Die Kinder sind dort dem Risiko von Überfällen, Autounfällen und Entführungen ausgesetzt.

Durch die prekären Lebensbedingungen leiden zudem viele Betroffene an Krankheiten wie Malaria, Parasiten, Atemproblemen oder Infektionen. Oft erhalten sie keinen Zugang zu medizinischer Versorgung, sodass es bedingt durch die grassierenden Krankheiten immer wieder zu Todesfällen kommt. Viele sind zudem unterernährt.

Da die Kinder den ganzen Tag mit Betteln verbringen, haben sie keine Gelegenheit, eine Schule zu besuchen. Dadurch haben sie im Erwachsenenalter kaum Chancen, eine geregelte Arbeit aufzunehmen. Viele müssen sich weiterhin mit Betteln oder Gelegenheitsarbeiten durchschlagen. 5) 8) 6) 9) 4)

Quellen + Links

  1. Taliberté: Wer sind die Talibés-Kinder?; Stand 27.09.2022
  2. Radio France Internationale: La lutte difficile du Sénégal pour retirer les enfants talibés des rues; 03.01.2017
  3. Deutschlandfunk: Das Leid der Talibés; 09.07.2016
  4. Deutschlandfunk: Die Bettel-Mafia; 15.01.2019
  5. Neue Züricher Zeitung: Betteln und Beten: Talibé in Senegal; 20.06.2016
  6. Harvard Human Rights Journal: The Plight of Talibé Children in Senegal; 2022
  7. Humanium: Die Talibé-Kinder; 03.09.2014
  8. Human Rights Watch: “These Children Don’t Belong in the Streets”; 16.12.2019
  9. Human Rights Watch: “There Is Enormous Suffering”; 11.06.2019

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