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Textilien

Ein Kinderarbeiter an der NähmaschineEin Kinderarbeiter an der Nähmaschine |  Bild: Indiańska fabryka © Paul Prescott [Royalty Free]  - DreamstimeEin Kinderarbeiter an der Nähmaschine

Ein Kinderarbeiter an der Nähmaschine | Bild: Indiańska fabryka © Paul Prescott [Royalty Free] - Dreamstime

Betroffene Länder

Wo wird mit Kinderarbeit produziert?

Kinderarbeit in der Textilindustrie ist weit verbreitet. Besonders betroffen sind die Länder Asiens und Afrikas, unter anderem Indien, Bangladesch, China, Myanmar, Kambodscha, Nepal, Vietnam, die Türkei, Swasiland und Äthiopien. 1) 2)

Tätigkeiten

Fallbeispiel
Nähen für Otto und Heine
Raju, der wie ein Zehnjähriger aussieht, hockt in einem stinkenden Kellerloch in Neu-Delhi. Er stickt und stickt und stickt – 14 Stunden am Tag verziert er Blusen mit Pailletten. Genauso wie die anderen Kinder, die hier zwischen Stapeln mit halb fertigen Textilien schuften. Ein Junge, Anil, sagt, er sei zwölf. An der Rückseite seiner Beine hat er frische Wunden. Der Aufseher steht daneben, als der Kleine heftig bestreitet, geschlagen worden zu sein. 3)

Welche Arbeiten werden von Kindern ausgeführt?

Kinder sind vor allem an der Fertigung von Textilien beteiligt. Sie spinnen Wolle und Seide, schneiden Stoffe zurecht und nähen Kleidungsstücke. Zum Teil geschieht das von Hand, zum Teil werden Nähmaschinen und andere Hilfsmittel genutzt. Außerdem werden die fertigen Kleidungsstücke von Kindern gefärbt und verziert. So nähen die Beschäftigten beispielsweise Pailletten auf oder besticken die Textilien. Die Räume in Fabriken sind oft eng und dunkel. Dort arbeiten Kinder bis zu zwölf Stunden am Tag, die Jüngsten von ihnen sind gerade einmal fünf Jahre alt. 4) 5) 6) 7)

Konsequenzen

Welche Gefahren und Folgen ergeben sich für die Kinder?

Die Fabriken und Werkstätten sind oft sehr unsicher, baufällig und nur schlecht ausgestattet. Sicherheitsvorkehrungen gibt es meistens nicht. Unglücke wie Bränden oder Einstürze kommen immer wieder vor. Auch die eigentliche Arbeit ist gefährlich. Beim Hantieren mit Nadeln, Messern und Nähmaschinen können sich Kinder leicht Verletzungen zuziehen. Das passiert vor allem, wenn sie den richtigen Umgang mit den Werkzeugen nicht lernen. Die Arbeit mit Chemikalien in schlecht belüfteten Fabriken kann zudem Haut- und Atemwegserkrankungen zur Folge haben. Auch Rücken- und Haltungsprobleme sind eine Folge der Arbeit in den Textilfabriken. Außerdem sind die Kinder der Willkür ihrer Arbeitgeber ausgesetzt. Vor allem Mädchen leiden unter Missbrauch und sexueller Belästigung.

Die meisten Betroffenen können keine Schule besuchen. Viele sind entweder Alleinverdiener oder müssen zum Familieneinkommen beitragen. Ein weiteres Problem ist das Schulsystem in vielen Ländern. In Bangladesch besteht nur bis zum zehnten Lebensjahr eine Schulpflicht, sodass viele Kinder danach arbeiten gehen. Außerdem sind Schulgeld, Materialien und Transport in vielen Ländern für arme Familien zu teuer. Daher ist es für sie attraktiver, ihre Kinder zur Arbeit anstatt zur Schule zu schicken. 6) 2) 8) 5) 9)

Verbraucher-Tipps

Wie können wir gegen Kinderarbeit aktiv werden?

Verbraucher können bevorzugt auf fair produzierte Kleidung setzen. Verschiedene Zertifikate wie das GOTS-Siegel weisen auf faire Textilien hin. Auch sollte man sich informieren, ob Unternehmen einen Verhaltenskodex gegen Kinderarbeit haben und ihre Produktionsstätten unabhängig kontrollieren lassen. Außerdem sollten Kleidungsstücke nicht schon nach kurzer Zeit aussortiert werden, sondern möglichst lange getragen werden. 10) 9) 11)

Quellen + Links

  1. U.S. Department of Labor: List of Goods Produced by Child Labor or Forced Labor; 23.06.2021
  2. Spiegel: Studie wirft H&M Kinderarbeit vor; 06.02.2017
  3. Stern: Kinderarbeit für den Heine-Versand; 11.02.2007
  4. Spiegel: Studie wirft H&M Kinderarbeit vor; 06.02.2017
  5. Lost Children: Kinderarbeit in der Textilindustrie; 09.03.2022
  6. Stern: Wenn Kinder für unseren billigen Wohlstand schuften müssen; 07.12.2017
  7. Fashion United: Textilindustrie: Kinderarbeit noch verbreitet; 08.10.2013
  8. Das Erste: Bangladesch: 111 Tote bei Brand in Textilfabrik; 25.11.2012
  9. Kinderhilfswerk Eine Welt e.V.: Kinderarbeit in der Textilindustrie: Vermeidbar? Ja.; Stand 12.09.2022
  10. utopia: GOTS-Siegel (Global Organic Textile Standard); 22.07.2020
  11. Bundeszentrale für politische Bildung: „Sie arbeiten bis zu zwölf Stunden am Tag und bekommen weit weniger Lohn als Erwachsene“; 12.10.2009

5 Gedanken zu „Textilien“

  1. Ich hab da mal eine Frage, im Internet habe ich gefunden, dass meistens in den Billiglohnländern für wenig Lohn produziert wird, nun habe ich mich aber gefragt welche Länder genau Billiglohnländer sind? Es wäre nett wenn ich vlt eine Liste dazu finden würdet, denn ich bin im Internet leider nicht fündig geworden!
    Sira

  2. Eure Seite ist super !
    Jedoch würde ich dies als riesiger Teufelskreis bezeichnen, denn man nichts mehr kauft, was von Kindern produziert wird, geht die Firma pleite und die Kinder bekommen dann diesen winzigen Lohn, den sie bekommen, nicht mehr. So werden die Kinder ihre Arbeit los und können ihre Familie nicht mehr unterstützen und nicht ernähren und es herrscht eine noch größere Armut. Wenn man aber Sachen kauft, die aus Kinderhand kommen, weiß man, dass die Kinder dafür sehr lange und hart arbeiten mussten und sie womöglich unter Krankheiten leiden oder bedroht sind. Sie bekommen einen winzigen Lohn für so eine Drecksarbeit. Jeder kann spenden und soziale und ökologische Kleidung kaufen, jedoch gibt es so viele Marken und Firmen, wo Kinderarbeit auftritt, das es unmöglich scheint Kinderarbeit ganz abzuschaffen und außerdem wird ja durch die Kleidung auch Bedürfnisse ausgesetzt. Tausende kaufen täglich Kleidung die von Kindern produziert wurden. Denn die Kleidung ist ja trendy und womöglich neu im Markt und zu wenig Menschen sind der Kinderarbeit wirklich so bewusst. Wenn man einmal an sich herunterguckt und die Marken in der Liste auf dieser Homepage nachguckt erschreckt man sich, ganz schön. Doch kann ich als einzelne Person so viel dagegen tun ? Ich glaube nicht, obwohl diese Kinder mir sehr leid tun.

    1. nikoletta / EarthLink

      Hallo Hannalene,

      Deine Einwände sind richtig: Es ist nicht sinnvoll, lediglich die Unternehmen zu boykottieren, in deren Produktionskette Kinderarbeit vorkommt. Wichtig ist zusätzlich, die Firmen dazu aufzufordern, menschenwürdige Produktionsbedingungen zu schaffen und ihre Mitarbeiter – auch die der Zulieferer – gerecht zu entlohnen. Durch unsere Firmenliste schaffen wir eine Transparenz, die auch die gelisteten Unternehmen zum Umdenken und Handeln anregt. Und nicht nur, weil sie um ihren guten Ruf fürchten. Es gibt genügend Positivbeispiele von Unternehmen, die ihre Philosophie und Leitlinien im Hinblick auf kinderarbeitsfreie Produktion kritisch hinterfragen und entsprechende Schritte bereits umgesetzt oder eingeleitet haben.

      LG

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