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Glas

Kinder bei der Glasproduktion |  Bild: Kinder bei der Glasproduktion © Vikas Santhan [All rights reserved]  - XertifiX e.V.Kinder bei der Glasproduktion

| Bild: Kinder bei der Glasproduktion © Vikas Santhan [All rights reserved] - XertifiX e.V.

Betroffene Länder

Fallbeispiel
Glasproduktion in Firozabad, Indien
Es ist die Hölle, finster und heiß. Licht und Luft sickern nur durch ein kleines Loch in die Hütte, in der Vinod und Ajay, Kanti und Shivani um eine Flamme kauern, die aus einer Gasleitung schießt. Die Kinder, zwischen acht und zwölf Jahren, löten Glaskringel zu Armreifen zusammen – eine einfache, aber gefährliche Arbeit, die ihnen die immer gleichen Handgriffe abverlangt, 4500 mal am Tag. Ein Windstoß wäre verheerend bei der zwölfstündigen Akkordarbeit, mit der sie umgerechnet je 60 Cent am Tag verdienen. Das Quartett ist nur ein Glied in einer Kette, die mehr als 40 Produktionsstufen und kaum weniger Zwischenhändler umfasst, bevor die gläsernen Armreifen reich verziert in alle Ecken Indiens verschickt werden – für eine Rupie das Stück. Das sind zwei Cent. 1)

Wo wird mit Kinderarbeit produziert?

Kinderarbeit bei der Herstellung und Verarbeitung von Glas gibt es vor allem in Indien. Zudem gibt es auch Fälle in Bangladesch und Pakistan. 2) 1)

Tätigkeiten

Welche Arbeiten werden von den Kindern ausgeführt?

Kinder verrichten verschiedene Arbeiten in der Glasindustrie. Viele verarbeiten Glas zu Schmuck. Beispielsweise werden einzelne Glasteile zu Armreifen verlötet. Außerdem helfen Kinder beim Verzieren der fertigen Produkte mit Farben, Gravuren und anderen Details. 3) 4)

Konsequenzen

Welche Gefahren und Folgen ergeben sich für die Kinder?

Die Kinder arbeiten oft unter harten Bedingungen. Beim Löten der Glasteile hantieren sie mit Gasbrennern. Dabei kann es leicht zu Verbrennungen und anderen Verletzungen kommen. Die zum Verzieren verwendeten Farben sind zudem oft giftig. Wenn Kinder solche Dämpfe einatmen, kann das zu Lungenerkrankungen, Atembeschwerden, Augenproblemen und Spätfolgen wie Krebs führen. Die Arbeit findet zudem meistens in dunklen, heißen und schlecht belüfteten Fabrikhallen oder Werkstätten statt. Diese Arbeitsbedingungen können ebenfalls Krankheiten verursachen.

Die meisten Kinder arbeiten in der Glasindustrie, um ihre Familien finanziell zu unterstützen. Sie verdienen trotz der harten Arbeitsbedingungen weniger als den indischen Mindestlohn. Nur rund vierzig Prozent von ihnen können zur Schule gehen. Ohne ausreichende Bildung haben viele keine Chance auf eine bessere Zukunft, sondern arbeiten auch im Erwachsenenalter weiter in Fabriken und Werkstätten. 5) 6) 4)

Verbraucher-Tipps

Wie können wir gegen Kinderarbeit aktiv werden?

Die meisten der in Glasfabriken hergestellten Produkte werden direkt im Herstellungsland auf den Markt gebracht. Die in Indien gefertigten Glasarmreifen werden beispielsweise fast ausschließlich dort verkauft. Es müsste also vor allem vor Ort ein Umdenken stattfinden, um Kinderarbeit wirksam zu bekämpfen. Dennoch bietet es sich auch für europäische Verbraucher an, sich über die Herkunft des Glases zu informieren, um Kinderarbeit ausschließen zu können.

Quellen + Links

  1. Süddeutsche Zeitung: Das Gesetz ist nur ein toter Buchstabe; 11.05.2010
  2. U.S. Department of Labor: List of Goods Produced by Child Labor or Forced Labor; 23.06.2021
  3. ChildFund: Breaking the Cycle of Child Labor in Firozabad; 23.05.2016
  4. Indian Law Portal: Bangle Industry of Firozabad: State of Workers and Child Labours; 11.08.2022
  5. Aljazeera: Indian town where glass-making is a household craft; 13.02.2015
  6. Vikas Trust: The State of Child Labour in Glass and Bangle Industry; Stand 31.08.2022

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