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Baumwolle

 |  Bild: Cotton ball on the plant ready to harvest © Tashka [Royalty Free]  - Dreamstime.com

| Bild: Cotton ball on the plant ready to harvest © Tashka [Royalty Free] - Dreamstime.com

Betroffene Länder

Wo wird mit Kinderarbeit produziert?

Ein Großteil der Baumwolle auf dem Weltmarkt stammt aus Indien, Pakistan, Usbekistan, Australien, China, Brasilien, Turkmenistan, Burkina Faso und den Vereinigten Staaten. 1)  2) In Argentinien, Aserbaidschan, Benin, Brasilien, Burkina Faso, China, Ägypten, Indien, Kasachstan, Kirgistan, Mali, Tadschikistan, Turkmenistan und Sambia arbeiten Kinder bei der Ernte mit. 3)

Fallbeispiel
Schicksal von Abdul aus Ägypten
Neben seiner Mutter steht der 7-jährige Abdul Rachman. Er sieht erschöpft aus. Beschmutzt mit Schweiß und Dreck, mit Löchern in Schuhen und Hose, sein Gesicht eine Maske aus Leid und Elend. „Es ist meine Aufgabe die Würmer von den Baumwollblättern zu sammeln.“ erzählt er, „Aber es ist schwierig. Die Würmer, die die Baumwolle essen, sind schwer zu erkennen und die Erde ist trocken und staubig. Ich fühle mich krank in der Hitze, aber ich muss arbeiten. Meine Familie braucht Brot.“ 4)

Tätigkeiten

Welche Arbeiten werden von den Kindern ausgeführt?

Baumwolle wird in riesigen Monokulturen angepflanzt. Keine andere Feldfrucht benötigt mehr Insektizide. Insgesamt wird bei der Pflanze eine Vielzahl von Chemikalien verwendet, die das ungestörte Wachstum begünstigen sollen. Kinderarbeit kommt in nahezu allen Stufen der Baumwollgewinnung vor. Zu den Tätigkeiten gehören 5):

  • Bewässern der Felder
  • Pflücken per Hand
  • Tragen von schweren Lasten
  • Besprühen der Felder mit Pestiziden
  • Manuelles Entfernen von Ungeziefer und Unkraut
  • Säubern der Pflanzen in Entkernungsfabriken

Konsequenzen

Welche Gefahren und Folgen ergeben sich für die Kinder?

Die Arbeit auf Baumwollplantagen ist für Minderjährige äußerst belastend. Oftmals stehen die Kinder täglich bis zu 12 Stunden auf den Feldern. Ihre noch nicht voll entwickelten Körper tragen dabei häufig bleibende physische Schäden davon. Was den Einsatz von Chemikalien anbelangt, sind Kinder zudem gefährdeter als Erwachsene, weil ihre Organe für den Abbau von Schadstoffen noch nicht vollständig ausgebildet sind. Die Gifte gelangen schneller durch die wesentlich dünnere Kinderhaut. Viele leiden an chronischen Augenentzündungen, Nieren- und Leberproblemen, Atemwegserkrankungen, Übelkeit und Erbrechen sowie Orientierungslosigkeit. Manchmal werden Kinder sogar geschlagen, wenn sie ihre tägliche Erntequote nicht erfüllen. Die Androhung von Gewalt, gehört in diesem Zusammenhang zum Alltag. Aus Indien, Pakistan und China gibt es Berichte, dass junge Mädchen sexuell belästigt und in den schlimmsten Fällen sogar missbraucht wurden. 6)

In manchen Anbauländern befinden sich ganze Familien in sogenannter Schuldknechtschaft gegenüber Großgrundbesitzern. Sie sind somit gezwungen – teilweise über Generationen hinweg – unbezahlt auf deren Baumwollfeldern zu arbeiten. Kinder werden in diese, mit Sklaverei vergleichbare Situation, hineingeboren und haben folglich schlechte Chancen, jemals eine Schule zu besuchen, Bildung zu erfahren und diesen unmenschlichen Bedingungen zu entfliehen.

In entfernten Anbauregionen müssen Kinder manchmal über Wochen nahe der Felder in unwürdigen Lebensbedingungen hausen. Sie schlafen in Barracken ohne Fenster, Türen oder Elektrizität. Wieviel sie zu essen bekommen, hängt davon ab, wieviel Baumwolle sie am jeweiligen Tag abernten konnten. 5)

Verbraucher-Tipps

Wie können wir gegen Kinderarbeit aktiv werden?

Seit 2007 gibt es auch in Deutschland Produkte mit dem Fairtrade-Siegel. Es garantiert, dass Textilien aus Baumwolle nicht mit ausbeuterischer Kinderarbeit hergestellt wurden. 7)

 

Quellen + Links

  1. Baumwolle – Wikipedia
  2. WorldAtlas: Top Cotton Producing Countries In The World; 2020
  3. U.S. Department of Labour: List of Goods Produced by Child Labor or Forced Labor; Juni 2021
  4. Working flat out – the child labour behind your Egyptian cotton sheets – The Guardian; Artikel vom 08.06.2008
  5. Environmental Justice Foundation: The children behind our cotton; 2007
  6. Huffpost: Protecting Our Planet and Ourselves: The Importance of Organic Cotton; Artikel vom 10.9.2013
  7. Fair Trade Deutschland: Fairtrade-Baumwolle -So funktioniert der faire Handel; Stand 2022

8 Gedanken zu „Baumwolle“

  1. Ich denke, dass die allgemeine Globalisierung viele Vor und Nachteile besitzt, wobei der größte Vorteil sicherlich die weltweite Vernetzung ist. Der große Nachteil wiederum ist die Kinderarbeit in Ländern, wie Usbekistan, Indien, Bangladesch und noch vielen anderen Entwicklungsländern auf der Welt. Gegen diese sollte sich gerade auch große Firmen (wie z.B. aus der Modebranche bezüglich der Baumwolle) kümmern, durch Engagment gegen Kinderarbeit und ständige Kontrollen der Lieferanten/Transportwege. Aber auch wir als Konsumenten können dabei helfen, indem wir bei uns bekannten Herstellern, die diese Regel nicht einhalten nicht einkaufen, um deren Konzept nicht weiterhin zu unterstützen und Kinder unter 15 Jahren bis zu 60 Stunden die Woche und unter sehr harten Bedingungen für unsere Produkte arbeiten lassen.

  2. Pingback: H&M – Made by Childs? | mittel:punkt online

  3. Pingback: H&M – Made in Germany? | mittelpunkt online

  4. Hallo! Erst gestern gab es in unserer WG wieder eine große Diskussion zum Thema „Weltverbessern“ oder eben nicht. Ein Punkt, der dabei immer wieder zur Diskussion steht, ist Einkaufen bei H&M weil man sich etwas anderes auch gar nicht leisten kann oder will etc. Was ich mich nun aber frage ist folgendes: Abdul (s.o.) muss arbeiten, weil er Brot für seine Familie braucht. Das arbeiten tut ihm zwar nicht gut, aber wenn er nun einfach nicht mehr arbeiten kann, weil Kinderarbeit verboten wird, sein Einkommen im Familienhaushalt also wegfällt, was passiert dann mit seiner Familie? Kann man die Folgen solcher Kampagnien auch abschätzen?

    1. Mathias / EarthLink

      Hallo Abado,

      das Thema Kinderarbeit ist mit Sicherheit vielschichtig. Es ist klar, dass ihre Ächtung nur ein Aspekt im Bemühen ist, die allgemeinen Lebensbedingungen in den betroffenen Ländern zu ändern. Vielerorts sind deswegen Verbote ausbeuterischer Kinderarbeit mit dem Versuch verknüpft, den Familien und ihren Kindern ein wirkliche Alternative zu bieten. Als Beispiele wären Investitionen in Bildung oder eine Steigerung des Einkommens der Eltern zu nennen. Die Kinderarbeit bleibt aber bei diesem Bemühen, die Lebensumstände zu verbessern die denkbar schlechterste Alternative.

      Mathias

  5. Ich finde, das ist nun unakzptabel, dass unsere Behörder in ihren klimatisierten Büros diese Lage ihrer Kinder ignorieren, die Vereinigten Nationen soll mehr aktiv daruber sein, sonst ist es zu furchten, morgen werden wir nur kranke Erwachsene an den verschiedenen Arbeitsstellen, wie schade!!!
    Ich bin wirklich enttauscht und etwas muss getan werden, von wem?

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