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Tommy Hilfiger

Unternehmenspolitik gegen Kinderarbeit
Kontrollen der Produktionsstätten
Vorwürfe bzgl. Kinderarbeit
Unsere Branchenzuordnung:
Mode, Bekleidung, Textilien

Produkte und Produktionsorte

Welche Produkte, Vorprodukte oder Rohstoffe sind in Bezug auf ausbeuterische Kinderarbeit besonders zu betrachten?

Woher kommen die Produkte, Vorprodukte oder Rohstoffe bzw. wo wird produziert?

  • Tommy Hilfiger gehört, ebenso wie Calvin Klein, zum US-amerikanischen Modekonzern Phillips-Van Heusen (PVH).1)

Unternehmenspolitik

Wie ist die allgemeine Unternehmenspolitik bezüglich Kinderarbeit?

Die Firma ist nach eigenen Angaben Mitglied bei bzw. unterstützt:
  • Der Code of Conduct von Tommy Hilfiger verbietet Kinderarbeit bei Zulieferern, Vertragspartnern und Geschäftspartnern. Neben der Einhaltung von gesetzlichem Mindestalter und Schulpflicht müssen Angestellte mindestens 15 Jahre alt sein.2)

Kontrollen

Wie wird die Einhaltung der Unternehmenspolitik oder Richtlinien kontrolliert?

Die Firma nutzt nach eigenen Angaben folgende Siegel bzw. Zertifikate:
  • Das Unternehmen kontrolliert (nach unserer Einschätzung) nicht alle relevanten Produktionsschritte. Um ausbeuterische Kinderarbeit für ein Endprodukt möglichst ausschließen zu können, müssen alle relevanten Produktionsschritte kontrolliert werden. Relevant sind Produktionsschritte in Ländern oder Regionen, für die bekannt ist, dass ausbeuterische Kinderarbeit in diesem Bereich regelmäßig vorkommt. Dies betrifft auch Vorprodukte über die gesamte Produktions- und Lieferkette hinweg, die das Unternehmen von Zulieferern bezieht.

  • Tommy Hilfiger gründete ein Kontrollprogramm, das regelmäßige Inspektionen von unabhängigen Instanzen sowie interne Prüfungen vorschreibt. Das Unternehmen arbeitet mit der unabhängigen Non-Profit-Organisation „Verité“ zusammen. Die international anerkannte Auditfirma hat während der Zusammenarbeit mit Tommy Hilfiger mehr als 475 Fabriken in 46 Ländern überprüft. Verité wurde ins Leben gerufen um dabei zu helfen, das Ziel, dass die Menschen weltweit unter sicheren, fairen und legalen Bedingungen arbeiten, zu verwirklichen.3)

Vorwürfe

Gibt es Vorwürfe zu Kinderarbeit?

  • Im April 2012 veröffentlichten die SOMO (Centre for Research on Multinational Corporations) und das ICN (India Committee of the Netherlands)  die Studie “Maid in India”. Philips-Van Heusen bzw. Tommy Hilfiger wird im Bericht als Abnehmer der indischen Textilfabrik Eastman Exports genannt. Offiziell stellt Eastman keine Arbeiterinnen mehr nach dem Sumangali-Schema ein, d.h. Arbeiterinnen werden über einen mehrjährigen Zeitraum an eine Fabrik gebunden und erst nach Ablauf des Vertrages bekommen sie ihr angespartes Geld ausbezahlt. Bereits seit 2010 sollte das Schema bei Eastman auslaufen, trotzdem wurden noch Arbeiterinnen angetroffen, die nach dem Prinzip eingestellt sind. Die exzessiven und erzwungenen Überstunden geben den Forschern den größten Anlass zur Sorge. Bei der Untersuchung wurden Arbeiterinnen angetroffen, die 14 Jahre alt waren und das trotz der Richtlinie, die Eastman sich auferlegt hatte, nur noch Arbeiter über 18 Jahren einzustellen4) .
  • Nach Informationen des „Schwarzbuch Markenfirmen“ reichte im Januar 1999 ein amerikanischer Rechtsanwalt eine Sammelklage gegen das Unternehmen ein. In dieser Klage wurden Missstände in Zulieferbetrieben bekannt. Tommy Hilfiger war daran beteiligt 25.000 Näherinnen aus China, Thailand und den Philippinen auf die Insel Saipan im Pazifik unter falschen Versprechungen gebracht zu haben. Aus den Angaben des Autors geht hervor, dass menschenunwürdige Arbeitsbedingungen auf der Insel geherrscht haben sollen. Zum Beispiel wurde bei Frauen ein Hormontest durchgeführt, da Schwangere nicht willkommen waren. Wenn ein Mitarbeiter mehr als drei mal täglich auf die Toilette ging, wurde er gefeuert.5) In den Kommentaren auf der Firmenhomepage liest man, dass im Jahre 2003 und 2004 Vorwürfe gegen den Konzern erhoben worden sind. Der norwegische Rundfunk sendete einen Beitrag in dem öffentlich gemacht wurde, dass Tommy Hilfiger in einer thailändischen Fabrik in Mae Sot produzieren ließ. In dieser Fabrik herrschten keine angemessenen Arbeitsbedingungen. Aus dem Statement geht nicht genauer hervor, inwiefern die Rechte der Arbeiter verletzt worden sind.6)

Reaktionen

Wie reagierte oder reagiert das Unternehmen auf Vorwürfe?

  • Philips-Van Heusen ist Mitglied in der Fair Labor Association (FLA). Diese organisierte zusammen mit der Ethical trading Initiative (ETI) ein gut besuchtes Treffen ihrer Mitglieder (internationale Marken,  NGOs und Gewerkschaften) im März 2011 in Tirupur. In Zukunft möchte man mit einem Drei-Punkte-Programm die Arbeitsbedingungen in den indischen Textilzulieferbetrieben verbesseren. Noch fehlt die Zustimmung der ETI-Mitglieder7) . Konrete Reaktionen auf die Vorwürfe der Kinderarbeit bei Eastman Exports sind uns zu diesem Zeitpunkt nicht bekannt.
  • Nach Veröffentlichung der Sammelklage bezahlten einige Warenhausketten nachträglich Löhne in Millionenhöhe an die Arbeiter. Bei Tommy Hilfiger zögerte sich dies, den Angaben zu Folge, etwas länger hinaus. Im März 2000 gab das Unternehmen eine Presseerklärung zu den Vorfällen ab. Der Konzern würde demnach die Einführung unabhängiger Kontrollen in den Zulieferbetrieben unterstützen und verpflichtete sich gleichzeitig dazu, die Mindestanforderungen an Sozialstandards radikal einzuhalten. Einen internen „Code of Conduct“ gab es wohl schon bevor die Vorfälle in Saipan bekannt wurden.5) In Reaktion auf die Vorwürfe der norwegischen Presse äußerte Tommy Hilfiger, dass Verbindungen zu Mae Sot nur auf 6 Monate des Jahres 1999 begrenzt waren und diese nur zu einer Fabrik. Während dieser Zeit war dem Unternehmen nichts über die Missstände bekannt. Als drei Jahre später der Konzern über die Zustände informiert wurde, bestanden längst keine Lieferbeziehungen mehr. Tommy Hilfiger erfuhr erst zu diesem Zeitpunkt, dass dort ohne deren Autorisierung Textilien mit dem gefälschten Firmenlabel produziert wurden. So verweist der Konzern auf seinen Verhaltenskodex und darauf, dass die autorisierte Produktion zum Zeitpunkt des Auftretens der Missstände schon längst beendet war. Tommy Hilfiger schrieb an den thailändischen Arbeitsminister und drängte ihn aktiv zu werden: die Arbeitsbedingungen in den Fabriken zu verbessern und die Aktivitäten der Fälscher zu bekämpfen. Im Artikel der Firmenhomepage steht weiter, dass man sich nicht in die Spielchen der Medien verwickeln ließe, wenn Themen mit einer solchen Bedeutung auf dem Spiel stehen. Nun bleibt für uns nur noch die Frage, wem hier zu glauben ist.8)

Soziales Engagement

Engagiert sich das Unternehmen herausragend um ausbeuterischer Kinderarbeit entgegen zu wirken?

  • Die „Tommy Hilfiger Corporate Foundation“ hat zum Ziel, Programme und Partnerschaften zu entwickeln und zu unterstützen, die sich für Bildung einsetzen. 9)

Bemerkenswertes

Gibt es Erwähnenswertes (positiv oder negativ) in Bezug auf die Arbeits- und Produktionsbedingungen über das Thema „ausbeuterische Kinderarbeit“ hinaus?

  • Im März 2012 wurde durch die ABC News bekannt, dass ein Brand in einer bangladeschischen Zuliefer-Firma von Tommy Hilfiger 29 Menschen das Leben kostete. Ursache waren die mangelhaften Sicherheitsvorkehrungen.10)

Fußnoten, Links und Quellen:

  1. Website von PVH []
  2. Code of Conduct von Tommy Hilfiger []
  3. Seite von Verité []
  4. SOMO – Centre for Research on Multinational Corporations/ICN – India Committee of the Netherlands: Maid in India (April 2012, Englisch); nicht mehr verfügbar []
  5. Klaus WERNER/Hans WEISS (2001): Schwarzbuch Markenfirmen. Franz Deuticke Verlagsgesellschaft, S. 349 [] []
  6. NRK (Norwegische Rundfunk- und Fernsehanstalten) []
  7. SOMO – Centre for Research on Multinational Corporations/ICN – India Committee of the Netherlands: Bonded (child) labour in the Indian garment industry (Juli 2012, Englisch) []
  8. Statement von Tommy Hilfiger gegenüber dem Norwegischen Rundunk []
  9. PVH: Tommy Hilfiger Corporate Foundation- Link nicht mehr verfügbar []
  10. Link zum Original-Artikel der ABC News []

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