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Mondelēz (vormals Kraft)

Zu Mondelēz (vormals Kraft) gehören die Marken / Firmen:
belVita - Bubblicious - Côte D’Or - Grand-Mère - Hag - Hollywood - Jacobs Kaffee - Jacques Vabre - Malabar - Mikado - Milka - Miracle Whip - Oreo - Philadelphia - Prince - Suchard - Tassimo - Toblerone

Unternehmenspolitik gegen Kinderarbeit
Kontrollen der Produktionsstätten
Vorwürfe bzgl. Kinderarbeit
Unsere Branchenzuordnung:
Kaffee, Tee - Süßwaren - Lebensmittel
Auf unsere Anfragen seit 26.05.2014 haben wir Antwort erhalten.


Produkte und Produktionsorte

Welche Produkte, Vorprodukte oder Rohstoffe sind in Bezug auf ausbeuterische Kinderarbeit besonders zu betrachten?

  • Mondelēz produziert nach eigenen Angaben in über 165 Ländern. 1)
  • Kakao bezieht das Unternehmen unter anderem aus Ghana, der Elfenbeinküste, der Dominikanischen Republik, Indien, Indonesien und Brasilien. 1)
  • Kaffee wird unter anderem in Vietnam, Brasilien, Indonesien, Peru, Kenia und Äthiopien für das Unternehmen angebaut. 1)
  • Haselnüsse kommen überwiegend aus der Türkei. 1)

Woher kommen die Produkte, Vorprodukte oder Rohstoffe bzw. wo wird produziert?

Unternehmenspolitik

Wie ist die allgemeine Unternehmenspolitik bezüglich Kinderarbeit?

Die Firma ist Mitglied bei bzw. unterstützt (auch nach eigenen Angaben):
  • In seinem Supplier Code of Conduct legt Mondelēz das Verbot von Kinderarbeit gemäß ILO-Standards fest. 2)

Kontrollen

Wie wird die Einhaltung der Unternehmenspolitik oder Richtlinien kontrolliert?

  • Mondelēz ist Mitglied von „Aim-Progress“, einer Organisation, die sich um die Rückverfolgung und Kontrolle der Produktionswege kümmert und dabei soziale Standards kontrolliert. In diesem Rahmen werden bei Mondelēz selber, aber auch bei den Zulieferern und Subunternehmen unangekündigte Kontrollen durchgeführt. 3)
  • Nach eigenen Angaben war Mondelēz 2014 noch nicht in der Lage, die Haselnussproduktion in der Türkei vollständig zu kontrollieren. Kinderarbeit kann hier nicht ausgeschlossen werden. 1)

Welche Siegel bzw. Zertifikate nutzt die Firma (auch nach eigenen Angaben) um aubeuterischer Kinderarbeit vorzubeugen?

Vorwürfe

Gibt es Vorwürfe zu Kinderarbeit?

  • Das Unternehmen bezieht womöglich Kaffee aus Kenia. Dort sind rund 60% aller Kaffeearbeiter Kinder. Aber auch von anderen Ländern, wie Guatemala oder Tansania sind ernsthafte Vorwürfe über ausbeuterische Kinderarbeit im Kaffeeanbau und Kaffeeernte bekannt geworden.

  • Das Unternehmen bezieht wahrscheinlich Kakao aus der Elfenbeinküste (woher 40% des auf dem Weltmarkt gehandelten Kakaos stammt) oder anderen westafrikanischen Ländern. Von hier sind ernsthafte Vorwürfe über ausbeuterische Kinderarbeit bekannt und in einer Studie des International Institute for Tropical Agriculture (IITA) belegt worden.

  • Bei den Dreharbeiten für die Dokumentation „Dispatches“ von Channel 4 stellte wurden Kinder, die nicht älter als 10 Jahre alt waren bei der Arbeit auf Kakaoplantagen, die Mondelez beliefern, entdeckt. 4)
  • Die „Fair Labor Association“ untersuchte 2011 im Auftrag von Nestlé die Arbeitssituation auf Haselnussfeldern in der Türkei. In nahezu allen untersuchten Betrieben wurde Kinderarbeit gefunden und über die Hälfte der Kinder ist unter 15 Jahre alt. Die Kinder müssen die gleichen schweren Arbeiten verrichten wie die Erwachsenen und sind teilweise über 11 Stunden pro Tag auf den Feldern. 5) Die Organisation “Stop Child Labour” geht davon aus, dass diese Arbeitssituation auch auf andere Unternehmen der Branche zutrifft, wie zum Beispiel Mondelēz. Sie bemängelt außerdem die Reaktionen der Unternehmen als unzureichend und intransparent. 6)
  • Im ÖKO-TEST-Ratgeber „Essen und Trinken 2013“ werden verschiedene Schokoladen darauf getestet, wie fair sie produziert werden. ÖKO-TEST bewertet eine Schokolade von Côte D’Or mit „überwiegend unfair“, obwohl diese durch Rainforest Alliance zertifiziert worden ist. 7)
  • Das „Schwarzbuch Markenfirmen –  Die Machenschaften der Weltkonzerne“ aus dem Jahr 2010 wirft Mondelēz (damals noch Kraft) vor, Menschenrechtsverletzungen wie Ausbeutungen und Kinderarbeit auf den Kakaoplantagen zu dulden. 8)
  • Auch die Reportage „Schmutzige Schokolade“ aus dem Jahre 2010 kommt zu dem Schluss, dass sich große Süßwarenhersteller (unter anderem auch Mondelēz, damals noch Kraft) der Kinderarbeit auf ihren Plantage in Westafrika zwar bewusst sind, aber zuwenig dagegen unternehmen. 9) Für den zweiten Teil der Dokumentation, welcher Ende 2012 veröffentlich worden ist, wurde überprüft, ob sich die Situation im den betroffenen Ländern mittlerweile verbessert hatte; dies war nicht der Fall. Die Journalisten kritisierten, „dass die weltweit agierenden Konzerne zwar viel Werbung mit Umdenken und Hilfen für afrikanische Kinder betreiben, dass in Wirklichkeit aber wenig vor Ort geschieht.“ 10)

 

Reaktionen

Wie reagierte oder reagiert das Unternehmen auf Vorwürfe?

  • Mondelēz sind die Probleme auf den Kakaoplantagen bewusst, weshalb sie im Rahmen ihres Programms „Cocoa Life“ innerhalb von 10 Jahren 400 Millionen Dollar in die nachhaltige Entwicklung von Kakaobauern weltweit investieren wollen. Durch einen ganzheitlichen Ansatz soll die Lebenssituation der Bauern verbessert werden und Kinderarbeit somit von vornherein verhindert werden. 11) Da Mondelēz jedoch nur ca. 8% des eingekauften Kakaos wirklich bis zur Plantage zurückverfolgen kann, kritisiert die schweizerische Organisation „Erklärung von Bern“ (EvB), dass das Programm trotz relativ hoher Investitionen nicht ausreichend umgesetzt werden kann. Außerdem fehlen viele wichtige Punkte, so EvB. 12) Die Wochenzeitung WOZ, ebenfalls aus der Schweiz, bemängelt den Ansatz von Cocoa Life, Einkommenssteigerungen bei den Bauern nur durch Ertragssteigerung erreichen zu wollen. Dies sei weit entfernt von der ursprünglichen Fairtrade-Bewegung und würde nicht ausreichen, um das Gehalt der Bauern auf ein ausreichendes Niveau zu heben. 13)
  • Die Situation auf den Haselnussfeldern ist Mondelēz ebenfalls bekannt. Nach eigenen Angaben arbeitet das Unternehmen mit der ILO und dem europäischen Süßwarenverband CAOBISCO zusammen, um die Situation zu verbessern. Dabei geht es in erster Linie um Aufklärungs- und Sensibilisierungsmaßnahmen sowie einer Umstrukturierung der Produktionskette, um eine Rückverfolgung der Haselnüsse zu erleichtern. 1)

 

Soziales Engagement

Engagiert sich das Unternehmen herausragend um ausbeuterischer Kinderarbeit entgegen zu wirken?

  • Mondelēz unterstützte die Regierung der Elfenbeinküste mit 1,54 Millionen Dollar bei einem Aktionsplan gegen Kinderarbeit. 14)

Bemerkenswertes

Gibt es Erwähnenswertes (positiv oder negativ) in Bezug auf die Arbeits- und Produktionsbedingungen über das Thema „ausbeuterische Kinderarbeit“ hinaus?

  • Es liegen uns hierzu keine aussagekräftigen Informationen vor.


Fußnoten, Links und Quellen:

  1. E-Mail des Unternehmens an earthlink vom 17.06.2014
  2. MDLZ Supplier Code of Conduct, LAST REVIEWED 09/26/2022
  3. mondelezinternational.com, Responsible Sourcing, aufgerufen am 12.10.2022
  4. TeleSur: Mondelez International accused of Child Labour, 04.04.2022
  5. Fair Labor Association, 10.04.2014: Independent External Monitoring of Nestlé’s Hazelnut Supply Chain in Turkey – aufgerufen am 20.06.2014
  6. Stop Child Labour, 28.04.2014: Child labour, long hours and low wages still rife in Turkish hazelnut production; nicht mehr verfügbar
  7. ÖKO-TEST-Zeitschrift „Ratgeber Essen und Trinken 2013“ – Genuss und Verdruss, S. 104/105
  8. Klaus Werner Lobo, Hans Weiss: Das neue Schwarzbuch Markenfirmen – Die Machenschaften der Weltkonzerne. Ullenstein, Berlin 2010, ISBN 978-3-548-37314-0, S. 160-162, 312 f.
  9. Mediathek des ARD: Schmutzige Schokolade; nicht mehr verfügbar
  10. dokumentarfilm.info – Doku-Kritik: Immer noch schmutzige Schokolade; nicht mehr verfügbar
  11. Cocoa Life – aufgerufen am 12.10.2022
  12. Erklärung von Bern: Firmenengagent für Menschenrechte im Kakaoanbau – aufgerufen am 20.06.2014
  13. WOZ, 14.03.2013: 51 Säcke Bohnen und ein bisschen Fairtrade – aufgerufen am 20.06.2014
  14. 2012 Findings on the Worst Forms of Child Labor – US. Department of Labor – aufgerufen am 20.06.2014

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