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Esprit

Unternehmenspolitik gegen Kinderarbeit
Kontrollen der Produktionsstätten
Vorwürfe bzgl. Kinderarbeit
Unsere Branchenzuordnung:
Mode, Bekleidung, Textilien
Auf unsere Anfragen seit 12.08.2005 haben wir Antwort erhalten.


Produkte und Produktionsorte

Welche Produkte, Vorprodukte oder Rohstoffe sind in Bezug auf ausbeuterische Kinderarbeit besonders zu betrachten?

Woher kommen die Produkte, Vorprodukte oder Rohstoffe bzw. wo wird produziert?

  • Das Zulieferernetzwerk von Esprit erstreckt sich über 38 Länder und schließt die Produzenten der Produkte, Vorprodukte sowie Rohstoffe ein. (43% China, 32,4% Bangladesch, außerdem Vietnam, Indonesien, Indien, Türkei, Europa und Afrika) 1) 2)
  • Das Unternehmen veröffentlicht regelmäßig seine aktuelle Lieferantenliste, inkl. Tier 2, unter Transparenz | ESPRIT.
  • In den letzten Jahren hat Esprit die Anzahl der Partner in seiner Lieferkette drastisch reduziert, damit es über Geschäftsbeziehungen hinausgehen und sich auf eine gemeinschaftliche Zusammenarbeit konzentrieren kann. Eine geringere Anzahl an Zulieferern ermöglicht es Esprit, laut eigener Aussage, diese wirklich kennenzulernen, ihre Bedürfnisse und Herausforderungen zu verstehen und sie bei der Umsetzung seiner Standards zu unterstützen. Diese Standards wurden in der Sourcing Policy definiert.

Unternehmenspolitik

Wie ist die allgemeine Unternehmenspolitik bezüglich Kinderarbeit?

Die Firma ist nach eigenen Angaben Mitglied bei bzw. unterstützt:
  • Esprit spricht sich in seinem Supplier Code of Conduct klar gegen Kinderarbeit gemäß der ILO-Konventionen C138 und C182 aus. 3)
  • Das Unternehmen hat detaillierte Richtlinien entwickelt, um seinen Lieferanten dabei zu helfen, den Verhaltenskodex zu implementieren. Diese Richtlinien beschreiben die internen Prozesse, welche die Zulieferer etablieren müssen, um die sozialen Standards zu erfüllen. Die Richtlinien enthalten auch Verbesserungs- und Abhilfemaßnahmen, welche die Zulieferer unverzüglich einleiten müssen, wenn sie die Standards einmal nicht erfüllen.
  • Das Unternehmen hat auch einen Verhaltenskodex für die ArbeiterInnen in der Lieferkette. Dieser ist in leicht verständlicher Sprache geschrieben und spiegelt die wesentlichen Punkte des Verhaltenskodex für Zulieferer wider. Diesen Verhaltenskodex für ArbeiterInnen in der Lieferkette haben wir in verschiedene Sprachen übersetzt, z. B. in Englisch, Traditionelles Chinesisch, Vereinfachtes Chinesisch, Hindi, Bengali. 1)
  • Um Risiken zu identifizieren, verfolgt Esprit systematisch den Ansatz der Sorgfaltsprüfung. Seit 2021 führt es eine Risikobewertung durch, die sich an der Green-Button-Zertifizierung und den OECD-Due-Diligence-Richtlinien orientiert. Bei der Bewertung werden die Bereiche Soziales, Umwelt und Governance berücksichtigt. Für jedes Beschaffungsland, die verschiedenen Produkttypen und Rohstoffe identifiziert Esprit Probleme innerhalb seiner Lieferkette, wobei es sich auf die wichtigsten Risiken für Arbeiter, Landwirte und andere betroffene Interessengruppen konzentriert. So werden alle in den OECD-Leitlinien zur Sorgfaltspflicht aufgeführten Aspekte abgedeckt, darunter auch die Risiken der Kinderarbeit. 1)

Kontrollen

Wie wird die Einhaltung der Unternehmenspolitik oder Richtlinien kontrolliert?

  • Als integralen Bestandteil des Due-Dilligence-Verfahrens führt Esprit einen Prozess zur Risikominderung durch. Dieser beginnt mit der Auswahl der Lieferanten und Fabriken. Mit einem gründlichen Onboarding-Prozess versuchen Esprit, bestimmte Risiken von vornherein zu vermeiden, indem es seine Partner sorgfältig auswählt und ihre soziale und ökologische Leistung überprüft. 1)
  • Es finden regelmäßigen Audits, mit unangekündigten Besuchen eigener Mitarbeiter vor Ort, Lieferantenschulungen zu neuen Themen und einem Beschwerdemechanismus für Arbeiter statt (bisher in Bangladesch, China, Indien und der Türkei). 1) 3)
  • Esprit ermutigt seine Mitarbeiter, Geschäftspartner und Lieferanten zur Meldung von Problemen/der Nichteinhaltung von Verhaltensregeln im Rahmen eines vertraulichen Beschwerdevorgangs. Das Unternehmen verpflichtet sich, alle Meldungen auszuwerten und Gegenmaßnahmen zu ergreifen, wenn eine Nichteinhaltung vorliegt. Die Richtlinien zur Umsetzung des Verhaltenskodex erfordern von den Lieferanten die Einrichtung effektiver Beschwerdemechanismen mit mehreren Kanälen, die Arbeiter vertraulich nutzen können, um eine Nichteinhaltung von Regeln des Verhaltenskodex zu melden.
  • Die Risikobewertung wird halbjährlich aktualisiert und den Unternehmenseigenen Einkaufs-, Produkt- und Sourcing-Teams vorgestellt, um das Bewusstsein zu schärfen. Dabei konzentriert sich das Unternehmen besonders auf seine Null-Toleranz-Themen, die es als seine vorrangigen Risiken identifiziert hat: Transparenz, Kinder- und Zwangsarbeit und drohende Risiken für Leben, Gesundheit und Sicherheit der Arbeiter. 1)
  • 100 % von Esprits Lieferanten erster Stufe (Direktzulieferer) werden vor der Abgabe von Bestellungen überprüft. Die Lieferanten haften vollständig für die Einhaltung des Verhaltenskodex durch ihre untergeordneten Lieferanten. Als zusätzliche Kontrollmaßnahme müssen alle Sub-Unternehmer und Materiallieferanten im Vorfeld schriftlich von Esprit genehmigt werden.
  • Der Verhaltenskodex für Zulieferer bildet die Grundlage für diesen Prozess, der von  internen Teams und über Partnerschaften mit externen Kontrollinstanzen durchgeführt wird. Der größte Anteil der Audits, etwa 59% ist für einen bestimmten Zeitrahmen angekündigt (semi-announced). Das bedeutet, dass dem Lieferanten ein Zeitraum von beispielsweise zwei Wochen vorgegeben wird, in dem er jederzeit ein Audit erwarten kann. Etwa 25 Prozent der Audits sind unangekündigt und die verbleibenden 16% werden dem Lieferanten angekündigt. Ob ein Audit angekündigt wird oder nicht, liegt am jeweiligen Audit-Standard.
  • Die Audits unter der Fair Labor Association (FLA) werden von Drittunternehmen durchgeführt. Esprits Social Compliance Team arbeitet eng mit ernannten Auditoren zusammen, um das Verständnis der Esprit- und FLA-Verhaltenskodizes zu gewährleisten sowie die Sammlung von Informationen zu standardisieren und zu maximieren. Die Auditmethodik umfasst die Prüfung interner Managementsysteme (einschließlich einer Befragung des Managements sowie Dokumentenprüfung) und die Befragung von Mitarbeitern. 1)

Welche Siegel bzw. Zertifikate nutzt die Firma (auch nach eigenen Angaben)?

Vorwürfe

Gibt es Vorwürfe zu Kinderarbeit?

  • Nach Informationen des Nachrichtenmagazines „Stern“ von Anfang Juni 2007, wurde ein viel verkauftes Damen-Top der Marke Esprit von Kindern in Indien gefertigt. Das Top mit Perlenbesatz der Modellnummer S40762 soll von 11-jährigen Jungen in einem Sweat-Shop in Neu Delhi unter unmenschlichen Bedingungen bestickt worden sein. Zwar sollte dies laut den Einkaufsverträgen der Firma unmöglich sein, doch der Esprit-Chef Thomas Grote teile „Stern“ mit, dass ein Betrug vorliege. 4)

Reaktionen

Wie reagierte oder reagiert das Unternehmen auf Vorwürfe?

  • Zum Fall von 2007: Die Kooperation mit dem Auftragnehmer wurde abgebrochen und die Werkstatt geschlossen.
  • Esprit versucht im Allgemeinen, mit den Lieferanten zusammenzuarbeiten, um identifizierte Probleme im Anschluss an Audits zu beheben. Schlagen die Gegenmaßnahmen jedoch fehl oder ist ein Problem außergewöhnlich ernst oder wird als nicht lösbar betrachtet, kann Esprit entsprechende Maßnahmen ergreifen, die bis zu einer Einstellung und/oder Kündigung der Geschäftsbeziehung mit einem Lieferanten reichen können. „Menschenhandel“ ist eine „illegale Aktivität“, der Esprit mit einer Null-Toleranz-Politik begegnet und die Grund für eine sofortige Beendigung der Geschäfte bei Abwicklung entsprechender Prozesse zum Schutz und der Entschädigung der Opfer ist.
  • Der Supplier Code of Conduct legt fest, dass für den Fall, dass Kinderarbeit entdeckt wird, der Lieferant Sorge tragen muss, dass die Kinderarbeit beendet wird und das entsprechende Kind soweit unterstüzt wird, dass es die Schule besuchen kann. 5)
  • Wenn das Unternehmen Probleme in seiner Lieferkette findet, arbeitet es auch mit Organisationen und anderen Unternehmen zusammen, um eine Lösung zu finden. 1)

Soziales Engagement

Engagiert sich das Unternehmen herausragend um ausbeuterischer Kinderarbeit entgegen zu wirken?

Bemerkenswertes

Gibt es Erwähnenswertes (positiv oder negativ) in Bezug auf die Arbeits- und Produktionsbedingungen über das Thema „ausbeuterische Kinderarbeit“ hinaus?


Fußnoten, Links und Quellen:

  1. Email des Unternehmens vom 21.07.2022
  2. Esprit, Sustainability, Transparenz, aufgerufen am 12.07.2022
  3. Esprit, Supplier Code of Conduct, aufgerufen am 12.07.2022
  4. Artikel bei diepresse.com vom 5.6.2007
  5. Esprit, Supplier Code of Conduct, Absatz 3.3 aufgerufen am 12.07.2022

Ein Gedanke zu „Esprit“

  1. Ich habe heute einen Schlafanzug der Marke ESPRIT gekauft und erst zu Hause gesehen, dass auf dem Etikett „Made in India“ steht. Ich kann nur hoffen, dass alles, was die Firma über ihr positives Engagement mit Blick auf Kinderarbeit sagt, der Wahrheit entspricht. Als dreifache Mutter und siebenfache Großmutter blutet meine Herz, wenn ich über die vielen, vielen Kinder lese und höre, die unter menschenunwürdigen Bedingungen arbeiten müssen, um überleben zu können. Seit vielen Jahren habe ich ein indisches Patenkind. Ein kleiner Tropfen auf einem heißen Stein!

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