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Cargill

Unternehmenspolitik gegen Kinderarbeit
Kontrollen der Produktionsstätten
Vorwürfe bzgl. Kinderarbeit
Unsere Branchenzuordnung:
Süßwaren - Lebensmittel - Sonstiges

Produkte und Produktionsorte

Welche Produkte, Vorprodukte oder Rohstoffe sind in Bezug auf ausbeuterische Kinderarbeit besonders zu betrachten?

Woher kommen die Produkte, Vorprodukte oder Rohstoffe bzw. wo wird produziert?

  • Cargill ist als Hersteller und Lieferant einer großen Bandbreite an Produkten und Rohstoffen in beinahe jedem Sektor der Lebensmittelindustrie vertreten. Das Unternehmen beliefert eine große Bandbreite an Unternehmen und steckt daher hinter einer Vielzahl von Lebensmitteln. Für Verbraucher*innen ist es fast unmöglich, auf Cargill-Produkte zu verzichten.  
  • Zusammen mit Olam und Barry Callebaut ist es eins von nur drei Unternehmen, die mehr als die Hälfte des globalen Handels von Kakao kontrollieren.1) 
  • Cargill ist Teil der sog. “ABCD’s” (Archer Daniels Midland, Bunge, Cargill und die Louis Dreyfus Company), die den Im- und Export von Agrarrohstoffen wie Zucker, Palmöl und Mais dominieren. Sie haben einen Weltmarktanteil von 70%. Cargill steht an erster Stelle. 
  • Das Unternehmen machte 2015 einen Umsatz von 120,4 Milliarden US-Dollar. ((https://www.boell.de/de/2017/01/10/fuenf-agrarkonzerne-beherrschen-den-weltmarkt)) 
  • In welchen Ländern kinderarbeitsrelevante Produkte genau produziert werden, wurde uns von der Firma bis jetzt nicht beantwortet.

Unternehmenspolitik

Wie ist die allgemeine Unternehmenspolitik bezüglich Kinderarbeit?

Die Firma ist nach eigenen Angaben Mitglied bei bzw. unterstützt:
ICI - WCF -
  • Im Jahr 2001 unterzeichneten mit anderen Kakaohändlern und Schokoladefirmen (u.a. Nestlé) das „Harkin-Engel-Protokoll“, in dem sie Verbrauchern und Aufsichtsbehörden ausdrücklich versprachen, bis 2005 keine Kinderarbeit mehr einzusetzen. Bis heute schuften jedoch 1,5 Millionen Kinder nach wie vor unter missbräuchlichen Bedingungen. In den letzten zehn Jahren hat die Verbreitung dieser Praktiken trotz zahlreicher Industrieversprechen gar um 13% zugenommen. 
  • Mit dem “Cargill Cocoa Promise” verpflichteten sie sich im Jahr 2012 dazu, den Fortschritt hin zu einer transparenten globalen Lieferkette zu beschleunigen, den Kakaobauern und ihren Gemeinschaften nachhaltig bessere Einkommen und Lebensstandards zu ermöglichen und eine nachhaltige Versorgung mit Kakao- und Schokoladenprodukten zu gewährleisten.” ((https://www.cargill.com/sustainability/cocoa/cocoa-sustainability-progress-report)) 
  • Das mit der International Cocoa Initiative (ICI) entwickelte Child Labor Monitoring and Remediation System (CLMRS) soll dabei helfen, Kinderarbeit zu bekämpfen und sie bis 2025 aus den Lieferketten zu verbannen.  
  • “Cargill duldet unter keinen Umständen Menschenhandel, Zwangsarbeit oder Kinderarbeit in unserer Geschäftstätigkeit oder unseren Lieferketten. Wir haben uns dazu verpflichtet, Kinderarbeit innerhalb unserer Kakao-Lieferketten abzuschaffen und haben einen strategischen Aktionsplan entwickelt, der bis 2025 umgesetzt sein soll.” 

 

Kontrollen

Wie wird die Einhaltung der Unternehmenspolitik oder Richtlinien kontrolliert?

Die Firma nutzt nach eigenen Angaben folgende Siegel bzw. Zertifikate:
  • Das Unternehmen kontrolliert (nach unserer Einschätzung) nicht alle relevanten Produktionsschritte. Um ausbeuterische Kinderarbeit für ein Endprodukt möglichst ausschließen zu können, müssen alle relevanten Produktionsschritte kontrolliert werden. Relevant sind Produktionsschritte in Ländern oder Regionen, für die bekannt ist, dass ausbeuterische Kinderarbeit in diesem Bereich regelmäßig vorkommt. Dies betrifft auch Vorprodukte über die gesamte Produktions- und Lieferkette hinweg, die das Unternehmen von Zulieferern bezieht.

  • Auf der Firmenwebsite finden sich keine aussagekräftigen Informationen, ob (interne oder externe) Kontrollen der genannten Unternehmensleitsätze durchgeführt werden. Zwar wird ein Teil des Kakaos UTZ-zertifiziert und damit extern kontrolliert, jedoch wird der Anteil der zertifizierten, als Premiumprodukt verkauften Produkte, nicht angegeben.
  • Auf die Frage nach der Kontrolle der Produkte liegt uns bis jetzt keine Antwort vor.

Vorwürfe

Gibt es Vorwürfe zu Kinderarbeit?

  • Cargill wurde wegen erzwungener Kinderarbeit angeklagt. Das Unternehmen wurde wegen Kinderhandel, Folterung und erzwungener Kinderarbeit betreffend Kultivierung und Ernte von Kakaobohnen, welche die Firmen (Nestlé S. A, Nestlé U.S.A., Archer Daniels Midland Co., Cargill Incorporated Company, Cargill Cocoa und West Africa S.A) aus Afrika importieren, beschuldigt. Der Sachverhalt betrifft Kinder aus Mali, die im Alter von 12-14 Jahren in die Elfenbeinküste verschleppt wurden und dort bis zu 14 Stunden täglich, ohne Lohn, ohne ausreichende Ernährung und Schlaf und häufig unter physischer Gewalt arbeiten mussten.2)
  • Cargill wird kritisiert, nicht ausreichend gegen Kinder- und Zwangsarbeit bei Palmöllieferanten in Malaysia und Indonesien vorzugehen.3)
  • Es gibt Vorwürfe, dass Cargill Baumwolle aus Usbekistan bezieht, die unter ausbeuterischer Kinderarbeit produziert wird.4)
    • In der indonesischen Palmölindustrie arbeiten rund 3,7 Millionen Arbeiter*innen – Tausende davon sind Kinder. Der Palmölhersteller Kuala Lumpur Kepong Berhad (KLK) mit Sitz in Malaysia wird immer wieder beschuldigt, Angestellte betrogen, missbraucht und gefangen gehalten zu haben. Cargill soll mindestens 31 Palmöl-Lieferungen von dem Hersteller erhalten und diese an Nestlé, General Mills, Kraft Foods und die Kellogg Company verkauft haben. ((https://www.schusterinstituteinvestigations.org/slavery-palm-oil-plantations-indonesia)) 
    • In Kolumbien wird der Konzern des illegalen Landraubs beschuldigt. Durch Gründung von 36 Tochterunternehmen konnte Cargill die nationalen Gesetze umgehen, die den Anteil an Land, welches eine Person oder ein Unternehmen besitzt, begrenzen. Die 52.000 Hektar unkultiviertes Ackerland, die im Idealfall armen Bäuer*innen zustehen, um zu überleben, erwarb Cargill. Der Konzern leugnete jegliches Fehlverhalten. ((https://www.facing-finance.org/en/database/cases/cargill-landgrabbing-in-colombia/)) 

     

Reaktionen

Wie reagierte oder reagiert das Unternehmen auf Vorwürfe?

  • “Wir arbeiten aktiv mit der International Cocoa Initiative (ICI), der World Cocoa Foundation und anderen Initiativen unserer Interessengruppen zusammen, die sich auf die Abschaffung der Kinderarbeit durch präventive Öffentlichkeitsarbeit und innovatives digitales Monitoring konzentrieren. Zu diesem Zweck haben wir eine Reihe von Aktivitäten in unserer Kakao-Lieferkette implementiert, um gefährdete Kinder zu identifizieren und zu schützen. “5)  
  • Vor Veröffentlichung des Berichts führte Mighty Earth monatelange Gespräche mit Cargill, um die Ergebnisse des Berichts zu besprechen und langfristige Lösungen zu finden. Dabei machte die Organisation mehrere Vorschläge hinsichtlich der Verbesserung von Umweltstandards und deren Auswirkungen. Bis heute weigert sich das Unternehmen, die Probleme in bedeutender Weise anzugehen. ((https://www.mightyearth.org/cargillreportgerman)) 

Soziales Engagement

Engagiert sich das Unternehmen herausragend um ausbeuterischer Kinderarbeit entgegen zu wirken?

  • Mitgründer des UTZ Zertifizierungsprogramms6) 
  • Cargill arbeitet mit verschiedenen Organisationen zusammen. Darunter fallen: CARE USA, TechnoServe, The Nature Conservancy, und Heifer International.  
  • Durch die Zusammenarbeit mit CARE sollen die Lebensbedingungen landwirtschaftlicher Gemeinden, der Zugang zu Bildung und die wirtschaftliche Stellung von Frauen verbessert werden. Seit 2008 arbeiten sie in Ghana und an der Elfenbeinküste zusammen, um Ausbeutung im Kakaosektor zu bekämpfen.7) 

Bemerkenswertes

Gibt es Erwähnenswertes (positiv oder negativ) in Bezug auf die Arbeits- und Produktionsbedingungen über das Thema „ausbeuterische Kinderarbeit“ hinaus?

  • Cargill wird vorgeworfen, als einer der größten Palmölproduzenten in Regenwaldabholzung, Vertreibung indigener Bevölkerungsgruppen, sowie Verletzung von Menschenrechten involviert zu sein und keine (ausreichenden) Maßnahmen dagegen zu unternehmen.8) 9)
  • Cargill unterstützt diverse ökologische und soziale Projekte.

Fußnoten, Links und Quellen:

  1. https://stories.mightyearth.org/cargill_das_schlimmste_unternehmen_der_welt/ []
  2. Artikel von Organic Consumers Association- Link nicht mehr verfügbar []
  3. Artikel zu Cargill’s Palmölproduktion – nicht mehr aufrufbar 26.11.14 []
  4. Vorwürfe der Cotton Campaign gegen Cargill – nicht mehr aufrufbar 09.06.15 []
  5. https://www.cargill.de/de/2019/cargill-response-to-deforestation_de []
  6. Seite des UTZ-Zertifizierungsprogramms )
  7. Schulbauprojekte in Vietnam.
  8. Laut Cargill wurden 2020 insgesamt 115 Millionen US-Dollar für wohltätige Zwecke zur Verfügung gestellt, Schulungen für 860.000 Landwirte in nachhaltigen Landwirtschafts- und Geschäftspraktiken veranstaltet und mehr als 39 Millionen Mahlzeiten für globale und lokale Partner von Lebensmittelbanken bereitgestellt. ((https://www.cargill.com/about/community-engagement []
  9. https://www.care.org/news-and-stories/press-releases/care-and-cargill-report-highlights-a-decade-of-making-positive-impact-in-west-africa-cocoa-growing-communities/ []
  10. Artikel zu Gerichtsverfahren gegen Cargill zur Vertreibung indigener Bevölkerungsgruppen []
  11. Vorwürfe des Rainforest Action Network gegen Cargill []

Ein Gedanke zu „Cargill“

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