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Pestizide auf Plantagen: Kinderarbeiter zahlen mit ihrer Gesundheit für Kakao

 |  Bild: Kakaobaum mit Früchten © Gustavo Mello | Dreamstime.com [Royalty Free]  - Dreamstime

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Die entwicklungspolitische Organisation INKOTA kritisiert erneut die Schokoladenindustrie für den Einsatz von Pestiziden in ihren Kakaolieferketten. In westafrikanischen Kakaoanbauregionen werden weiterhin Pestizide verwendet, die von der Europäischen Union aufgrund ihrer gesundheitlichen und ökonomischen Folgen verboten wurden. Insbesondere Chemikalien, die bei Kindern zu neurologischen Entwicklungsstörungen führen können, sind wegen der im Kakaosektor weit verbreiteten Kinderarbeit problematisch zu bewerten. 1) 2) 3)

Die Côte d’Ivoire und Ghana sind führende Kakaoproduzenten und versorgen insgesamt etwa 70 Prozent des weltweiten Kakaomarktes. Der Kakaoanbau erfolgt vor allem in kleinbäuerlichen Betrieben, die von Familien geführt werden. Da die Kleinbauern nicht fair für ihre Arbeit kompensiert werden, verfügen sie über kein existenzsicherndes Einkommen.
Die Folge ist Kinderarbeit. Schon im frühen Alter von fünf Jahren beteiligen sich Kinder am Kakaoanbau, da ihre Familien keine erwachsenen Arbeitskräfte beschäftigen können, die sie bei der Ernte unterstützen. In einigen Fällen werden sogar Kinder aus benachbarten afrikanischen Staaten nach Côte d’Ivoire verschleppt und als billige Arbeitskräfte missbraucht. 4) 5) 3) 6) 7)

Eine Studie im Auftrag des US-Arbeitsministeriums von 2020 zeigt, dass 1.5 Millionen Kinder unter ausbeuterischen Bedingungen auf westafrikanischen Kakaoplantagen arbeiten. Es handelt sich um arbeitsintensive Handarbeit, bei der sie kontinuierlich mit krebserregenden Pestiziden in Kontakt kommen. Außerdem verwenden die Kinder schädliche Chemikalien und verbrennen Felder, um Ackerfläche zu gewinnen – ohne passende Schutzkleidung. Sie verrichten schwere körperliche Arbeiten, indem sie Kakaoschoten mit scharfen Werkzeugen wie Sicheln ernten und die Kakaofrüchte mit Macheten halbieren und schwere Säcke mit Kakaobohnen über weite Entfernungen tragen. Viele Kinder arbeiten zwischen 80 und 100 Stunden in der Woche. 8) 3) 9) 7)

Während westliche Konzerne Milliardenumsätze im Kakao- und Schokoladengeschäft machen, profitieren die westafrikanischen Kakaobauern nicht von den Einnahmen. Sie verdienen etwa 1$ pro Tag – weniger, als Konsumenten für eine Tafel Schokolade bezahlen. Von den 89 Cent, die eine Tafel Milchschokolade in einem deutschen Supermarkt kostet, bekommen die Kakaoproduzenten nur etwa sechs Cent. Die meisten Kinder haben noch nie Schokolade probiert. 2) 3) 6) 10)

Obwohl die Schokoladenhersteller schon seit 20 Jahren versprechen, die schlimmsten Formen der Kinderarbeit zu beenden, haben sich die Bedingungen kaum verbessert. Die Kakaoindustrie hatte die Frist zuletzt auf 2020 verschoben – und verfehlt. Insgesamt ist die Kinderarbeit in den letzten zehn Jahren sogar gestiegen. In ihren Nachhaltigkeitsberichten formulieren die Kakao- und Schokoladeproduzenten auch keine konkreten Maßnahmen, mit denen sie die gesundheitlichen und ökologischen Probleme des Pestizideinsatzes beheben möchten. Stattdessen steigt der Pestizidverbrauch im Kakaosektor der Côte d’Ivoire.  8) 3) 1) 5) 10)

Es ist folglich klar, dass die Schokoladenindustrie nicht aus Eigenverantwortung ihre ethischen Verpflichtungen erfüllen wird. Deswegen ziehen Organisationen wie INKOTA die marktführenden Hersteller mit öffentlicher Kritik und Initiativen in die Verantwortung. Aber auch Privatpersonen können etwas beitragen, indem sie bewusst ethisch produzierte Schokolade konsumieren und Konzerne wie Nestlé und Ferrero boykottieren. Kaufproteste senden eine klare Botschaft, dass Verbraucher ausbeuterische Kinderarbeit nicht akzeptieren und faire Handelspraktiken erwarten. Verbraucher können beispielsweise auf Fairtrade-Produkte oder Konsumartikel mit dem Rainforest Alliance Siegel zurückgreifen. 6) 1) 2) 5) 11) 12)

  1. Entwicklungspolitik Online: INKOTA kritisiert Einsatz verbotener Pestizide im Kakaoanbau; Artikel vom 26. Januar 2024
  2. INKOTA: Die bittere Wahrheit über Schokolade; Stand vom 30. Januar 2024
  3. Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung: Mehr Einkommen und ausgewogene Ernährung für Kakaobauern in Westafrika; Stand vom 30. Januar 2024
  4. INKOTA: Die bittere Wahrheit über Schokolade; Stand vom 30. Januar 2024
  5. INKOTA: Make Chocolate Fair! Die Kampagne für faire Schokolade; Stand vom 30. Januar 2024
  6. fairplanet.org: Towards ethically-sourced chocolate; Artikel vom 10. Dezember 2022
  7. U.S. Bureau of International Labor Affairs: Child Labor in the Production of Cocoa, Stand vom 30. Januar 2024
  8. RDL: Internationaler Tag gegen Kinderarbeit: Hochgefährliche Pestizide im Kakaoanbau gefährden Kinder; Artikel vom 08. Juni 2023
  9. World Vision: Chocolate’s Bitter Taste: Forced, Child and Trafficked Labour in the Cocoa Industry, Stand vom 30. Januar 2024
  10. Corporate Accountability Lab: Empty Promises: The Failure of Voluntary Corporate Social Responsibility Initiatives to Improve Farmer Incomes in the Ivorian Sector; Artikel vom Juli 2019
  11. Fairtrade: Fairtrade-Kakao; Stand vom 30. Januar 2024
  12. Rainforest Alliance: Es braucht ein weltweites Dorf, um Kinderarbeit in landwirtschaftlichen Betrieben anzugehen; Artikel vom 08. Dezember 2022



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