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Wie Kinder in Afrika unser Weihnachtsfest vorbereiten

Schokoladen-Weihnachtsmann167 Millionen Schoko-Weihnachtsmänner wurden dieses Jahr in Deutschland hergestellt - nur zu oft steckt aber auch Kinderarbeit mit in der Verpackung |  Bild: Schokoladen-Weihnachtsmann © Nicholas Fiander | Dreamstime.com [Royalty Free]  - DreamstimeSchokoladen-Weihnachtsmann

167 Millionen Schoko-Weihnachtsmänner wurden dieses Jahr in Deutschland hergestellt - nur zu oft steckt aber auch Kinderarbeit mit in der Verpackung | Bild: Schokoladen-Weihnachtsmann © Nicholas Fiander | Dreamstime.com [Royalty Free] - Dreamstime

Weihnachtszeit ist Schokozeit. 167 Millionen Schokoladenweihnachtsmänner wurden dieses Jahr in Deutschland hergestellt, 105 Millionen dafür nur für den deutschen Markt. Dazu kommt noch eine Fülle an Adventskalendern, Merci-Schokoladen und Pralinen in allen Formen und Größen. Die Deutschen lieben ihre Schokolade, auch außerhalb der Weihnachtszeit – statistisch isst jeder von uns fast zehn Kilo im Jahr, nur knapp hinter den Schoko-Weltmeistern der Schweiz. 1)2)

Europa konsumiert mit Abstand am meisten Schokolade pro Einwohner, 48 Prozent aller Kakaobohnen werden hier verbraucht. Auch die größten Schokoladenhersteller der Welt sitzen hier: Mondelez, Ferrero, Nestlé & Barry Callebaut. Hier in Europa passieren fast alle Produktionsschritte: Die Bohnen werden geröstet & gemahlen, veredelt, je nach Rezept vermischt, eingetafelt, verpackt, verschickt, verkauft und gegessen – nur wachsen können sie hier nicht, wir müssen sie importieren. Etwa 80 Prozent aller Bohnen kommen aus Afrika, 63 Prozent allein aus Ghana & der Elfenbeinküste. Und genau dort beginnen die Probleme. Zum einen erinnert dieses System unangenehm an die Kolonialzeit, als westliche Staaten afrikanische Ressourcen nutzten, um für sich selbst märchenhafte Reichtümer anzuhäufen, während Afrika ins Elend stürzte. Zum anderen können die westlichen Unternehmen durch ihre Marktmacht den Preis für Kakao nach unten pressen, sodass für viele Bauern kaum noch genug zum Leben bleibt. Die Folgen davon sind absehbar: Kinderarbeit.2)3)4)5)

Der Kakao-Anbau in West-Afrika ist in großen Teilen über Familienbetriebe und Kleinbauern organisiert und so den Lauen des Weltmarktes hoffnungslos ausgeliefert. Im Durchschnitt verdienen die Bauern gerade mal ein Drittel des Existenzminimums. Preisschocks können ganze Familien in den Abgrund reißen, wie 2016 als nach einer besonders reichen Ernte der Bohnen-Preis um mehr als 30 Prozent abstürzte. Vielen bleibt nichts anderes übrig, als ihre Kinder als unbezahlte Helfer anzustellen. Die Kinder verpassen so den Unterricht, arbeiten lange Schichten, tragen schwere Lasten und hantieren mit Macheten und Pestiziden. Etwa 1,5 Millionen Kinder sollen allein in Ghana und der Elfenbeinküste in Arbeit sein, 10 000 sogar als Zwangsarbeiter. In landwirtschaftlich geprägten Gebieten arbeitet fast jedes zweite Kind, 25 Prozent von ihnen kommen auf der Arbeit in Kontakt mit Unkrautvernichtern und Insektengift, Tendenz steigend. Die Folgen für die Kinder sind dramatisch: Durch den verpassten Unterricht haben sie keine Chance auf höhere Bildung und sind dazu verdammt, im Kreislauf der Armut zu bleiben. Die harte körperliche Arbeit ruiniert zusätzlich ihre Gesundheit, sorgt für chronische Schmerzen und Krankheiten. 6)7)8)9)5)

Offiziell ist Kinderarbeit in Ghana und der Elfenbeinküste verboten, wie fast überall auf der Welt. In der Realität sind viele der Betriebe aber so klein und die Lieferketten so undurchsichtig, dass es unmöglich ist ein Flächendeckendes Verbot durchzusetzen. Auch die großen Unternehmen versuchen seit Jahren den Kakao-Anbau von seinem Schmuddelimage zu befreien, aber auch sie scheitern immer wieder an ihren eigenen Zielen. Grundsätzlich gilt: Solange die Armut bleibt, solange bleiben auch die Kinder auf den Feldern. Um wirklich etwas zu verändern, müssten Unternehmen deutlich mehr pro Tonne Kakao zahlen, laut Experten etwa das Doppelte vom jetzigen Preis, um eine Existenz in Würde zu ermöglichen – aber das müssten auch wir Verbraucher an der Supermarktkasse akzeptieren. 6)7)8)9)5)

Ist also alle Schokolade unmoralisch? – Das muss wohl jeder mit sich selbst ausmachen, fest steht auf jeden Fall: Nicht jede Schokolade ist gleichschlecht! Es gibt verschiedenste Initiativen und Siegel, die sich für eine faire, ökologische und soziale Kakao-Produktion einsetzen. Hier ein kurzer Überblick, mehr könnt ihr über unsere Siegel Seite herausfinden.

FairTrade: FairTrade ist eines der bekanntesten Siegel, es garantiert unter anderem einen Mindestpreis pro Tonne, Prämien & Schulungen für Landwirte. Außerdem ist es mit einer Reihe von Umweltauflagen verbunden und verbietet ausbeuterische Kinderarbeit auf seinen Plantagen. Gleichzeitig ist aber auch FairTrade nicht ohne Kritik: Trotz des Mindestpreises leben ganze 77 Prozent der FairTrade-Bauern in der Elfenbeinküste unter der Armutsgrenze und durch den sogenannten Mengenausgleich ist es möglich, dass in einer Schokolade auf der FairTrade draufsteht, nur 20 Prozent FairTrade drin ist.5)10)11)

-GEPA: Noch besser als FairTrade, wenn auch seltener zu finden, ist das Siegel von GEPA. Auch hier wird ein Mindestpreis inklusive Prämien gezahlt, der liegt aber ganze 500 Dollar über dem von FairTrade. Dazu werden alle Zutaten erfasst und sind durch die Lieferkette bis zum ersten Acker rückverfolgbar. Noch dazu gibt es keinen Mengenausgleich – was draufsteht, ist also auch sicher drinnen.10)11)

Generell gilt: Siegel ist besser als Nicht-Siegel. Denn auch wenn das Gestrüpp verschiedener Güte-Siegel verwirrend ist,  oft genug von Firmen zum Greenwashing missbraucht wird und alleine wohl kaum die Kinderarbeit beenden kann – so sind Siegel & bewusster Konsum trotzdem unsere besten Mittel selbst einen Beitrag zu leisten. In diesem Sinne: Faire Weihnachten!

  1. Schokoinfo: Deutsche Süßwarenindustrie produziert 167 Millionen Schoko–Nikoläuse und–Weihnachtsmänner; stand 07.12.2023
  2. Schweizer Platform für Nachhaltigen Kakao; Produziert im Süden – konsumiert im Norden; stand 07.12.2023
  3. Europa Parlament: Kakao in Zahlen; vom 07.12.2023
  4. Schokoinfo: Der Kakaogürtel; stand 07.12.2023
  5. Fokus: So viel Kinderarbeit steckt in Ihrer Schokolade – was Sie beim Kauf beachten müssen; vom 30.10.2020
  6. makechocolatefair: Kinderarbeit im Kakaoanbau; stand 07.12.2023
  7. makechoclatefair: Studie: Kinderarbeit im Kakaoanbau; vom 20.10.2020
  8. INKOTA: Infoblatt 5: Kinderarbeit; stand 07.12.2023
  9. Dein Spiegel: Die dunkle Seite der Schokolade; vom 25.10.2020
  10. Utopia: Fairtrade-Schokolade: die wichtigsten Siegel; vom 13.12.20222
  11. INKOTA: INFOBLATT: WAS STECKT HINTER DEN SCHOKOLADEN-SIEGELN?; vom 10.12.2021



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