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Die Arbeit gehört immer noch zum Alltag vieler bangladeschischen Kinder

Junge Näherin arbeitet an der Nähmaschine.Der Textil- und Bekleidungssektor als wichtigster Industriezweig in Bangladesch beschäftigt mehr als 4 Millionen Menschen, darunter auch viele Kinder. |  Bild: Junge Näherin arbeitet an der Nähmaschine. © Sjors737 | Dreamstime.com [Royalty Free]  - DreamstimeJunge Näherin arbeitet an der Nähmaschine.

Der Textil- und Bekleidungssektor als wichtigster Industriezweig in Bangladesch beschäftigt mehr als 4 Millionen Menschen, darunter auch viele Kinder. | Bild: Junge Näherin arbeitet an der Nähmaschine. © Sjors737 | Dreamstime.com [Royalty Free] - Dreamstime

Im Distrikt Jessore im Südwesten Bangladeschs arbeiteten 2018 rund 35 000 Kinder unter ausbeuterischen Bedingungen. Darunter war der kleine Jitu, dessen Schicksal die Organisation ‚,Die Sternsinger‘’ e.V. schilderte. Jitu war damals 9 Jahre alt. Auf die Frage ,,Was möchtest du machen?‘‘ antwortete er, dass er gerne lesen und spielen möchte und später auch Polizist werden will. Stattdessen musste er leider bereits im frühen Alter arbeiten, um seine Familie finanziell zu unterstützen. So arbeitete er in einer Metallwerkstatt ohne Betreuung und körperlichen Schutz. Jitu war somit Teil von 16 000 Mädchen und Jungen in der Region, die unter besonders gefährlichen Bedingungen jeden Tag schuften mussten. In Werkstätten, Ziegelfabriken oder privaten Haushalten – viele Kinder verrichten in Bangladesch auch heute harte körperliche Arbeiten. Laut einer landesweiten Studie über Kinderarbeit von 2013 leisten 3,45 Millionen Minderjährige zwischen fünf und 17 Jahren Erwerbsarbeit. Obwohl keine aktuellen Zahlen vorhanden sind, kann man davon ausgehen, dass die Lage sich nicht wirklich verbessert hat, sogar das Gegenteil nach der Pandemie. Manche Minderjährige kommen mit giftigen Substanzen in Kontakt oder müssen mit gefährlichen Maschinen umgehen. Warum wird ihre Kindheit durch lange Arbeitstage ersetzt? 1) 2)

Bangladesch hat die höchste Bevölkerungsdichte der Welt und gehört zu den ärmsten Staaten. Dort lebt ein Drittel der Menschen unterhalb der Armutsgrenze. In Bangladesch wachsen auch 60 Millionen Kinder auf. Für die Hälfte davon hat die Armut dramatische Konsequenzen. Sie können sich nicht gesund ernähren, haben oft keinen Zugang zu Bildung oder medizinischer Versorgung. Der Zugang zu trinkbarem Wasser ist auch nicht sichergestellt. Die extremen Wetterbedingungen im letzten Jahrzehnt verschlechtern die ohnehin schon katastrophale Lage im Land. Krankheitsausbrüche und unzureichende sanitäre Anlagen machen das Leben der Bangladescher besonders schwierig. Das Land hat vor langer Zeit die Kinderrechtskonvention ratifiziert und ist somit verpflichtet, die Rechte der Kinder zu schützen. Leider ist die Realität anders. Bei der Durchsetzung der Gesetze zur Verhinderung von Kinderarbeit gibt es immer noch erhebliche Defizite. Die Armut ist die größte Ursache für Kinderarbeit. Die armen Familien können die eigenen Kinder nicht ernähren. Auf der anderen Seite profitieren viele Unternehmen von folgsamen und billigen Arbeitskräften. So verlassen viele Minderjährige die Schule und gehen einer Arbeit nach. Viele davon leben dann nicht mehr bei ihren Eltern, sondern auf der Straße, in Slums oder bei ihren Arbeitgebern. Laut Angaben der ILO sind mehr als 60 Prozent der Kinderarbeiter in Bangladesch unter sehr gefährlichen Bedingungen tätig. Die meisten sind im landwirtschaftlichen Sektor und in den Dienstleistungen beschäftigt. Die große Mehrheit arbeitet auch unbezahlt für die eigene Familie, was allgemein akzeptiert ist. Die Jungen arbeiten häufig auf Plantagen, in Werkstätten oder in der Fischerei. Viele verrichten auch Straßenarbeit. Bei den Mädchen sieht es ein bisschen anders aus. Allein in der Hauptstadt Dhaka sind 300 000 Minderjährige als Haushaltshilfen angestellt. Die Mehrzahl von ihnen sind Mädchen. Dort sorgen sie für wohlhabende Familien und ihre Kinder. Sie schrubben Böden, spülen Geschirr und bereiten Essen vor – von morgens bis abends. Außerdem werden sie schlecht bezahlt und oft missbraucht. Manche arbeiten wie Sklaven jahrelang ohne Bezahlung. Die Kinder in der Industrie und in der Landwirtschaft sind ungeschützt giftigen Dämpfen und Chemikalien ausgesetzt und verdienen dafür pro Woche nicht mehr als 2 Euro. Sexuelle Ausbeutung ist ein weiteres Problem. Die Arbeit gefährdet stark ihre körperliche und seelische Gesundheit. Sie leiden als Folge unter großem Stress und an zahlreichen Krankheiten, die ihre Arbeitsfähigkeit in der Zukunft einschränken. Leider haben viele Minderjährige noch nie eine Schule besucht. Jedoch sind die Eltern oder oft allein erziehende Mütter auf das zusätzliche Einkommen angewiesen. 3) 4) 5) 6) 7)

Der Textil- und Bekleidungssektor als wichtigster Industriezweig in Bangladesch beschäftigt in rund 4.500 Fabriken mehr als 4 Millionen Menschen. Die Kinderarbeit in der Textilindustrie ist besonders verbreitet. Dort schuften Minderjährige bis zu 12 Stunden täglich. Sie nähen Kleidungsstücke zusammen und verzieren die Produkte mit Stickereien und Pailletten. Die Arbeit mit Messern und Nadeln führt oft zu Verletzungen. Kopfschmerzen, Lungenerkrankungen, Sehproblemen und Hautkrankheiten sind nur ein Teil der zahlreichen Risiken, die die armen Kinder jeden Tag eingehen. Leider kommt es in den überfüllten und instabilen Fabriken nicht selten zu Unfällen. In Juli 2021 verloren über 50 Menschen, darunter Kinder und Jugendliche, ihr Leben bei einem Fabrikbrand in der Nähe von Dhaka. 2013 starben mehr als 100 Menschen bei einem Brand in einer Textilfabrik. Das waren keine Einzelfälle. Minderjährige auszubeuten ist eine Straftat und es besteht ein generelles Arbeitsverbot für Kinder unter 14 Jahren. Jedoch werden diese Gesetze nicht eingehalten. Wie kann das sein? 8)

Internationale NGOs beobachten die Branche und machen auf das Problem aufmerksam. Viele Hersteller versuchen die Kinderarbeit in der Textilproduktion einzudämmen. Jedoch operieren die meisten kleinen Hersteller im informellen Sektor, wo 70 Prozent der Erwerbstätigen beschäftigt sind. Subunternehmen und Heimarbeitsplätze erhöhen das Risiko für Kinderarbeit zusätzlich. Nicht genügend Inspektionen werden durchgeführt, vor allem unangekündigte. Obwohl ausländische Kunden die Praxis verbieten, gibt es oft keine Überprüfung vor Ort, ob bestimmte Klauseln eingehalten werden. Große Textilhändler und internationale Unternehmen machen sich die schwierige Situation in den Ländern des globalen Südens zunutze. Vielen bekannten Marken wurde in den letzten Jahren ausbeuterische Kinderarbeit vorgeworfen. Für sie ist die Wahrheit unbequem. Die großen Unternehmen berufen sich darauf, dass es Kindern ab 14 Jahren in manchen Ländern erlaubt sei, einer Arbeit nachzugehen. Die Verantwortung wird oft auf die Fabriken abgeschoben. 9) 10)

Deutschland ist mit einem Importvolumen von fast 8 Milliarden US-Dollar der weltweit zweitgrößte Abnehmer von Ready Made Garments aus Bangladesch nach den USA. Somit tragen wir alle als Konsumenten die Verantwortung für das beschwerliche Leben der Kinder in den Fabriken. Natürlich ist es wichtig, dass Unternehmen ihre Produktionsstätten unabhängig kontrollieren lassen. Es lässt sich aber auch empfehlen, Kleidungsstücke mit dem Siegel der Fair Wear Foundation und dem Fairtrade-Siegel zu kaufen. So wird das Risiko für Kinderarbeit bei der Produktion unserer neuen Klamotten minimiert. Dinge austauschen und gebrauchte Kleidung kaufen sind weitere verantwortungsvolle Entscheidungen, mit denen man mittlerweile auch seinen CO2-Fußabdruck verringern kann. 11) 12)

  1. Sternsinger: Schutz und Bildung für Kinderarbeiter; Stand September 2023
  2. Engagement Global: Ausgebeuteten Minderjährigen bleibt die Schulbildung verwehrt; Artikel vom 14.10.2021
  3. humanium: Kinder in Bangladesch; Stand September 2023
  4. ILO: Child Labour in Bangladesh; Stand September 2023
  5. Brot für die Welt: Schulbesuch statt Kinderarbeit; Stand September 2023
  6. Kindernothilfe: Bangladesch; Stand September 2023
  7. Kinderweltreise: Bangladesch; Stand September 2023
  8. Spiegel: Mehr als 100 Menschen sterben bei Brand in Textilfabrik; Artikel vom 25.11.2012
  9. Spiegel: Studie wirft H&M Kinderarbeit vor; Artikel von 06.02.2017
  10. Germany Trade & Invest: Verstoß gegen das Verbot von Kinderarbeit; Artikel vom 15.09.2023
  11. Faire Kleidung: Fair Fashion: Faire Kleidung Marken und Shops; Stand September 2023
  12. Youth Europa: Wie kann ich meinen CO2-Fußabdruck verringern?; Artikel vom 07.09.2021



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