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Wie unser Blumenkonsum an Feiertagen die Kinderarbeit fördert

Farbenfrohe Auslage mit einer Reihe von Blumensträußen zum VerkaufBlumensträuße |  Bild: Collection of flower bouquets © Crispi | Dreamstime.com [Royalty Free]  - DreamstimeFarbenfrohe Auslage mit einer Reihe von Blumensträußen zum Verkauf

Blumensträuße | Bild: Collection of flower bouquets © Crispi | Dreamstime.com [Royalty Free] - Dreamstime

Sie werden zum Valentinstag an die Liebsten verschenkt, am Mutter- oder Vatertag den Eltern oder zu einem schönen Abendessen bei Freunden mitgebracht – Blumen. Was Hierzulande also als eine schöne Aufmerksamkeit gesehen wird, führt in anderen Länder zu Vergiftungen durch Pestizide, zu Wasserknappheit und Kinderarbeit.

Man möchte meinen, dass die meisten Schnittblumen aus Europa kommen – nämlich aus den Niederlanden. Statistisch gesehen stimmt das auch auf den ersten Blick. Mit rund 187.000 Tonnen wurden im Jahr 2021 mit Abstand die meisten Schnittblumen, vor allem Rosen, aus den Niederlanden nach Deutschland importiert. An zweiter Stelle steht Kenia mit über 10.000 Tonnen. Es sieht also so aus, als wären Blumen ein fast regionales Produkt. So ganz stimmt das allerdings nicht, denn die Niederlande sind lediglich das Drehkreuz für den Blumenhandel in Europa. Im Schnitt werden dort allein täglich etwa neun Millionen Rosen importiert und weiterverschickt. Der größte Teil stammt dabei aus Afrika und Südamerika. Während Tulpen vor allem in den Niederlanden gezüchtet werden, ist Kenia der größte Rosenexporteur weltweit. Das liegt an dem günstigen Klima und an niedrigen Löhnen. 1) 2)

Zu den Hauptproduzenten der Schnittblumen gehören aber auch Kolumbien, Ecuador und Tansania. Zum Großteil werden die Blumen dort unter menschenunwürdigen Bedingungen produziert – auch Kinderarbeit gehört nach wie vor zum Alltag. Grund dafür sind niedrige Löhne, die geringe staatliche Regulierung der Unternehmenstätigkeit und natürlich die hohe Nachfrage nach den Produkten. Gerade für besondere Tage, die mit Blumen assoziiert werden, wie den Valentinstag, wird von den Arbeiterinnen und Arbeitern auf den Plantagen deutlich mehr verlangt. Sie müssen bis zu 20 Stunden am Tag arbeiten und es werden neue Arbeitnehmer und Arbeitnehmerinnen eingestellt, darunter viele Kinder. 3) 4)

Auf den Feldern sind die Kinder extremen gesundheitlichen Gefahren ausgesetzt. Es werden Pestizide eingesetzt, welche auch die Lebenserwartung weiter sinken lassen. Die meisten Menschen, die auf den Plantagen arbeiten sind also jünger als 30 Jahre, da viele nach langer Arbeit so krank sind, dass sie keine Arbeiten, die den Körper belasten, mehr ausüben können. Bei den meisten Frauen kommt während der Arbeit auf dem Feld auch sexuelle Belästigung oder Ausbeutung hinzu. Durch den Einsatz der Pestizide wächst außerdem die Belastung des Wassers mit Nitraten und der Wasserspiegel sinkt kontinuierlich. Allein in einer Schnittblume aus Ostafrika stecken je nach Sorte und Größe etwa sieben bis 13 Liter virtuelles Wasser. Die Situation hat sich vor allem in Kenia schon etwas entspannt, es wird sparsamer mit Wasser und Pestiziden umgegangen und auch die Arbeitsbedingungen haben sich verbessert – wegen der strengeren Auflagen sind viele der Produktionsstätten aber einfach ins Ausland, zum Beispiel nach Äthiopien verlegt worden. Es gab also eine Verbesserung der Branche in Kenia, weltweit gesehen aber keine. 1) 5) 4)

Die Kinderarbeit auf den Blumenplantagen hat sich in den letzten Jahren schon verringert, zu den von Covid-19 betroffenen Jahren gibt es allerdings noch keine genaueren Zahlen. Es ist also eher wieder mit einem Anstieg zu rechnen. 4)

Um Blumen mit sozialen und ökologischen Standards zu erwerben lohnt es sich auf das Fairtrade Siegel zu achten. Auch regionale Produkte sind besser als die von einem anderen Kontinent. Zum Beispiel haben Tulpen eine geringere Auswirkung auf die Umwelt als Rosen. Grundsätzlich hilft es allerdings am meisten sich etwas einzuschränken und das ein oder andere Mal auf den Kauf der schönen Pflanzen zu verzichten. 6) 1)

  1. Bayern 1: Sind Fairtrade-Rosen aus Afrika okay? , 19.04.2021
  2. Statista: Wichtigste Lieferländer von Schnittblumen nach Deutschland nach Importmenge im Jahr 2021 , stand Februar 2023
  3. Eine Welt Netzwerk Bayern: Globalisierung von Sozial- und Umweltstandards“ , 05.10.2007
  4. The Atlantic: There’s a 1 in 12 Chance Your V-Day Flowers Were Cut by Child Laborers , 14.02.2012
  5. dol: Kenya Minimal Advancement , stand 2018
  6. Fairtrade Deutschland: Hintergrund – Fairtrade-Blumen & Pflanzen , stand Februar 2023



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