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Vermehrt Kinderarbeit bei biodiversem Kaffeeanbau in Äthiopien

Mädchen auf einer KaffeeplantageKaffee ist eines der Hauptexportgüter von Timor-Leste und wird oftmals mit Kinderarbeit hergestellt |  Bild: Jeder Deutsche trinkt pro Jahr etwa 150 Liter Kaffee. Allerdings kommen die Kaffeebohnen fast ausschließlich aus Entwicklungsländern, wo viele Kinder auf Plantagen arbeiten. © Presse750 [Royalty Free]  - Dreamstime.comMädchen auf einer Kaffeeplantage

Kaffee ist eines der Hauptexportgüter von Timor-Leste und wird oftmals mit Kinderarbeit hergestellt | Bild: Jeder Deutsche trinkt pro Jahr etwa 150 Liter Kaffee. Allerdings kommen die Kaffeebohnen fast ausschließlich aus Entwicklungsländern, wo viele Kinder auf Plantagen arbeiten. © Presse750 [Royalty Free] - Dreamstime.com

Umweltschutz ist wichtiger denn je, daher ist es grundsätzlich schön zu sehen, dass es im Kaffeeanbau, besonders in Äthiopien, Projekte für Biodiversität gibt. Konkret bedeutet das, dass es keine reinen Kaffeeplantagen im herkömmlichen Sinn mehr gibt, sondern dass die Pflanzen in einem Ökosystem, in dem auch Wildtiere Leben, neben anderen Nutzpflanzen wie auch Wildpflanzen, angebaut werden. Damit werden bedrohte Tierarten geschützt und der Waldrodung vorgebeugt, da die Pflanzen einfach im Wald angebaut werden. Was für die Umwelt ein Zugewinn ist, verlangt den Bauern zusätzliche Arbeit ab. Oft wird dort deshalb auf Kinderarbeit zurückgegriffen. 1)

Kaffee ist in Äthiopien von großer Bedeutung, da der Anbau und Handel die Lebensgrundlage für Millionen Menschen darstellt. Dazu ist die Bohne eines der wichtigsten Exportgüter des Landes. Noch dazu zählt Äthiopien zu den Ländern mit dem meisten biodivers angebauten Kaffee weltweit. Leider ist es aber auch eines der Länder mit den meisten Kinderarbeiter in der Branche. Wie Kinderarbeit und der biodiverse Kaffeeanbau zusammenhängen, ist schnell erklärt. Da die Pflanzen nicht wie sonst üblich auf Plantagen, sondern direkt im Urwald kultiviert werden, siedeln sich verschiedene Wildtiere, welchen den Kaffeepflanzen schaden können, in den Anbaugebieten an. Um zu verhindern das Pflanzen beschädigt werden, verjagen Arbeiter die Tiere, oft werden Kinder für diese Arbeit eingesetzt. Ein weiteres Einsatzgebiet für Kinderarbeiter ist die Kaffeeernte, bei der die Minderjährigen für die Ernte selbst wie auch für den Abtransport der Ware genutzt werden. Die Kinderarbeit häuft sich bei der biodiversen Anbauform jedoch zunehmend, da die Kinder für den Einsatz in den Wäldern aufgrund ihrer Größe besser geeignet sind als erwachsene Arbeiter und für die Bauern häufig auch günstiger sind. Dazu kommt, dass der Kaffee in Äthiopien größtenteils von Kleinbauern angebaut wird, was Kontrollen erschwert und Kinderarbeit wahrscheinlicher macht. Teilweise arbeiten die Kinder in den Betrieben der Eltern, der Großteil stammt jedoch aus Familien, die keine eigenen Plantagen besitzen und ihren Nachwuchs arbeiten schicken müssen. 1) 2) 3)

Schätzungsweise die Hälfte der Kinder, welche auf den Plantagen eingesetzt werden, müssen aufgrund ihrer Beschäftigung komplett auf den Schulbesuch verzichten, der Rest kann zumindest zeitweise eine Schule besuchen. Wie viele Kinderarbeiter es in Äthiopien gibt, ist nicht genau bekannt, Schätzungen zufolge sind es aber mindestens 8 Millionen  im Alter von fünf bis 17 Jahren. Sicher ist auf jeden Fall, dass diese Art von Kinderarbeit, wie jede andere auch, auf Kosten der Gesundheit und Bildung der Kinder geht und beendet werden sollte. Doch das durchzusetzen wird noch einige Zeit in Anspruch nehmen, vorrangig wegen der vielen kleinen Betriebe, welche für die Behörden schwer zu kontrollieren sind. Wenn es denn überhaupt Kontrollen gibt. Meistens besteht kein Interesse, etwas gegen die Kinderarbeit zu unternehmen. 3)

 

  1. phys.org: Coffee, child labor, and education: Examining a triple social–ecological trade-off in an Afromontane forest landscape; 16.12.2022
  2. Science Direct: Coffee, child labour, and education: Examining a triple social–ecological trade-off in an Afromontane forest landscape; November 2022
  3. News-medical.net: Child labor plays an important role in forest cover maintenance; 16.12.2022



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Ein Gedanke zu „Vermehrt Kinderarbeit bei biodiversem Kaffeeanbau in Äthiopien“

  1. Das Lieferkettensorfaltspflichtengesetz sorgt letztendlich dafür, das man selbst als kleiner Dienstleister (z.B. Kaffeelieferant für Besprechungskaffee oder Caterer der Kantine) für größere Firmen Garantien abgeben muss, um als Lieferant gelistet bleiben zu können. Das bedeutet, dass dieser kleine Lieferant wiederum seine Kaffeelieferanten ebenfalls verpflichten muss. Das bedeutet, dass Kaffee aus Äthiopien aus dem Sortiment fliegen muss, um nicht haftbar zu werden. Es muss also auf die maschinisierten Anbauländer, wie Brasilien ausgewichen werden, die durch Raubbau und ihre großen Flachland Anbauflächen Maschinengängig sind. Hilft das den Kindern in Äthiopien, hilft das der Umwelt? Als Bauernsohn frage ich mich natürlich auch, was mit uns in den 70er Jahren geschehen wäre, da mussten wir nämlich ab 10 jährige unentgeltlich mitarbeiten unter anderem bei der mechanischen Unkrautbekämpfung im Rübenanbau, weil unser Hof sich die chemische Unkrautbekämpfung noch nicht leisten konnte. War für uns blöd, keine Ferien, keine Badeanstalt…hat allerdings die Robustheit, den Biss und die Fähigkeit zu malochen gestärkt. Letztlich stellt sich die Frage, ob die ganze Regulierungswut und der Bürokratie Wahnsinn zu einer besseren Welt führt? In diesem Fall gehe ich eher nicht davon aus. Ich denke die EU wird sich als Abnehmer für Kaffee aus Äthiopien verabschieden müssen, an seine Stelle werden China und andere Länder treten, die mit mehr Druck und zu geringeren Preisen dort einkaufen werden. Wem wird das helfen?

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