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Kein fair gehandelter Tabak

grüner Tabak auf dem FeldViele Kinder, die auf Tabakfeldern arbeiten, leiden an der Grünen Tabakkrankheit. Symptome sind Übelkeit, Erbrechen, Schwindel und Schwächeanfälle.  |  Bild: Grüner Tabak © Zbigniew2 [Royalty Free]  - dreamstime.comgrüner Tabak auf dem Feld

Viele Kinder, die auf Tabakfeldern arbeiten, leiden an der Grünen Tabakkrankheit. Symptome sind Übelkeit, Erbrechen, Schwindel und Schwächeanfälle. | Bild: Grüner Tabak © Zbigniew2 [Royalty Free] - dreamstime.com

Tabak zählt zu den wohl ältesten und wichtigsten Handelsgütern der Welt. Im Jahr 2020 wurden in Deutschland allein täglich mehr als 179 Millionen Zigaretten geraucht. Weltweit rauchen rund 1,3 Milliarden Menschen. Nicht verwunderlich also, dass das Geschäft mit Tabak boomt. Doch wie bei vielen Produkten leidet die Bevölkerung in den Produktions- beziehungsweise Anbauländern. So warnen die United Nations (UN) Malawi vor einem weiteren Anstieg der Kinderarbeit in der Tabakproduktion. 1)2)

Malawi zählt zu den Hauptanbauländern von Tabak weltweit. Während des Anbaus und der Verarbeitung sind die Arbeiter Pestiziden und dem schädlichen Tabakstaub ausgesetzt. An dieser gesundheitsschädlichen Produktion sind laut den UN oftmals auch Kinder beteiligt. Die Kinder helfen entweder auf den Farmen der Eltern oder werden von Ihren Eltern auf Tabakfarmen geschickt. Teilweise kommt es aber auch zu Menschenhandel und sklavenartigen Beschäftigungsverhältnissen. Minderjährige werden dort für Feldarbeiten und zum Trocknen der Tabakblätter eingesetzt. Diese Arbeiten sind äußerst gefährlich, da das Nikotin, welches in den Pflanzen enthalten ist, auch über die Haut aufgenommen werden kann. Dadurch kommt es bei Kindern wie auch bei Erwachsenen oft zu Nikotinvergiftungen. Selbst ohne Kinderarbeit wäre der Tabakanbau also kein sauberes Geschäft. Die beste Lösung zumindest dafür wäre Schutzkleidung gegen den direkten Kontakt mit der Haut und Atemschutzmasken gegen den giftigen Staub der Blätter. Doch auch dafür ist kein Geld verfügbar. 3)4)

Die UN kritisieren, dass die Maßnahmen, welche die Tabakkonzerne ergriffen haben, nicht weitreichend genug sind. So wurde an einigen Orten der Schulunterricht aber auch Schulspeisungen finanziert. Doch damit wird sich das Problem nicht bewältigen lassen. Das liegt vor allem daran, dass die Familien wie so oft auf die Arbeit ihres Nachwuchses angewiesen sind. Dazu kommt, dass die Plantagen meist sehr abgelegen sind und die meisten Kinder sowieso nicht von derartigen Angeboten erreicht werden würden, da sie wegen ihrer Beschäftigung der Schule fernbleiben müssen. Eine Lösung wären beispielsweise höhere Abnahmepreise für die Tabakblätter, welche aktuell von den Unternehmen für 1,20 bis 2,70 Euro je Kilo abgenommen werden, ein Bruchteil des Verkaufspreises. Mit höheren Lohnen wäre es den Familien möglich, den Lebensunterhalt ohne die Hilfe ihrer Kinder zu bestreiten. Bis es so weit kommt, wird es vermutlich auch noch weiterhin Kinderarbeit auf Tabakfarmen geben. 4)5)

Doch wer sich als Konsument nun fair gehandelte Tabakwaren wünscht, wird enttäuscht, denn etwas derartiges gibt es nicht. Dies liegt an der Haltung der Handelsorganisationen für fairen Handel, welche ein gesundheitsschädliches Produkt wie Tabak nicht unter ihrem Label sehen möchten. Dazu kommt die verheerende Umweltbilanz und der gesundheitsschädliche Anbau. Es gibt zwar als mögliche Alternative auch deutschen Tabak, dieser spielt auf dem Markt jedoch kaum eine Rolle. 6)7)

  1. Tagesschau: Globaler Tabakkonsum geht zurück; 16.11.2021
  2. Statista: Durchschnittlicher Verbrauch von (versteuerten) Zigaretten pro Tag in Deutschland in den Jahren 1991 bis 2021; 14.01.2022
  3. United Nations: Malawi: Child trafficking and forced labour push thousands to work on tobacco farms; 21.12.2022
  4. Tagesspiegel: Tabakanbau: Zigarette aus kleinen Händen; 02.01.2020
  5. Statista: Erntemenge der führenden Anbauländer von Tabak weltweit in den Jahren 2019 bis 2021 ; 04.01.2023
  6. Deutschlandfunk Kultur: Warum es kein Fair-Trade-Siegel für Zigaretten gibt; 05.02.2019
  7. Fairtrade Deutschland: FAQ – Fragen und Antworten; Stand 2023

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