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Immer mehr Kinderarbeit in Afghanistan

Viele Kinder müssen in Afghanistan arbeiten, einige davon sind auch an der Opiumproduktion beteiligt. |  Bild: Poppy Fields in Afghanistan © UN Photo/UNODC/Zalmai [CC BY-NC-ND 2.0]  - United Nations Photo / Flickr

Viele Kinder müssen in Afghanistan arbeiten, einige davon sind auch an der Opiumproduktion beteiligt. | Bild: Poppy Fields in Afghanistan © UN Photo/UNODC/Zalmai [CC BY-NC-ND 2.0] - United Nations Photo / Flickr

Die Lage für Kinder in Afghanistan hat sich seit der Machtergreifung der Taliban weiter verschlechtert. So warnt unter anderem das Kinderhilfswerk Save the Children vor einem weiteren starken Anstieg der Kinderarbeiter. Diese Befürchtung äußerte das Hilfswerk als Reaktion auf das Beschäftigungsverbot für Frauen in Nichtregierungsorganisationen zu denen auch Save the Children gehört. Das ist aber nicht der einzige Grund, denn im Zuge dieses Verbotes wurde zudem beschlossen Mädchen zukünftig den Schulbesuch zu verwehren. 1)

Seit Jahren leiden 50 Prozent der afghanischen Bevölkerung unter Hunger, das sind 18,9 Millionen Menschen, so viele wie in keinem anderen Land, darunter auch viele Kinder. Familien, die sich früher durch die Arbeit beider Elternteile gerade so versorgen konnten, müssen aufgrund der Beschäftigungsverbote ihre Kinder arbeiten schicken. Erhielt früher zumindest ein Teil der Kinder Schulbildung, gibt es heute fast keine Bildungsangebote mehr, auch wieder wegen der Beschäftigungsverbote. An Orten, an denen es noch Unterricht gibt, ist Mädchen der Besuch untersagt. Damit wird auf lange Sicht eine Grundlage für Kinderarbeit geschaffen. Aus Kindern ohne Schulbildung werden Erwachsene mit geringem Gehalt, die gezwungen sind, ihre Kinder arbeiten zu schicken, um die Familie zu versorgen. Die Politik der Taliban ist also neben einer hungernden Bevölkerung schuld an einer Welle von Kinderarbeitern, die das Land für lange Zeit beherrschen wird. 1)

Seit der Machtergreifung der Taliban im Sommer 2021 müssen immer mehr Kinder arbeiten gehen. Sie werden in fast allen Arbeitsfeldern beschäftigt, vom Verkaufen von Waren auf der Straße, über Dienste im Haushalt bis hin zu landwirtschaftlichen Tätigkeiten. Da die Wirtschaft des Landes extrem geschwächt ist, erhöhte sich die Nachfrage nach billigen Kinderarbeitern stark. Lediglich der illegale Anbau von Cannabis, vorrangig jedoch der von Schlafmohn zur Herstellung von Opiaten, floriert weiterhin. Das liegt vor allem an der hohen Nachfrage der Industriestaaten in Europa und Asien. Zusätzlich sind die Preise für Obst und Gemüse stark gesunken, wodurch sich viele Bauern gezwungen sehen, illegale Pflanzen zu kultivieren. Wie relevant dies ist, zeigte sich in den Jahren 2003 bis 2007, als der Handel mit Opium fast die Hälfte des Landesweiten Bruttoinlandprodukts ausmachte. Eben auf derartigen Plantagen werden vermutlich auch Kinderarbeiter zu finden sein, wie im Rest des Landes mehr oder weniger offensichtlich. Die Löhne sind gering und die Arbeitsbedingungen schlecht. 2)3)4)

Doch die Kinderarbeit ist zugegeben nicht das größte Problem des Landes. Die radikale Regierungsweise der Taliban und die Nahrungsmittelknappheit stellt für die Bevölkerung eine noch viel größerer Belastung dar. Dazu kommen nun auch noch fehlende Hilfsprojekte, welche die Organisationen gezwungenermaßen aufgrund der Arbeitsverbote für Frauen größtenteils einstellen mussten. Wann sich die Lage für die Bevölkerung Afghanistans und besonders für Kinder dort verbessert, ist leider noch nicht absehbar. 5)

  1. Save the Children: Afghanistan: „Einer der schlimmsten Orte, um ein Kind zu sein“; 27.12.2022
  2. Telepolis: Afghanistan: Opiumprodukte weiterhin Exportgut Nummer 1; 17.07.2017
  3. Save the Children: Afghanistan: „Einer der schlimmsten Orte, um ein Kind zu sein“; 27.12.2022
  4. Stern: Sie arbeiten in Kohleminen oder als Schuhputzer: Verlorene Kindheit in Afghanistan; 20.11.2022
  5. ZDF: Menschenrechte: „Meer von menschlichem Leid“; 12.01.2023

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