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Auf Kakaoplantagen oder in den Goldminen: Trotz staatlicher Bemühungen steigt Kinderarbeit in Nigeria an

Nigerianische SchulkinderKinder in Nigeria auf dem Weg zur Schule. Dieses Privileg haben leider nicht viele Kinder, die dort leben. |  Bild: Nigerische Straße mit Schulkindern und -autos © Rwhittlesey [Royalty Free]  - Dreamstime.comNigerianische Schulkinder

Kinder in Nigeria auf dem Weg zur Schule. Dieses Privileg haben leider nicht viele Kinder, die dort leben. | Bild: Nigerische Straße mit Schulkindern und -autos © Rwhittlesey [Royalty Free] - Dreamstime.com

Etwa 15 Millionen Kinder arbeiten in Nigeria, teils unter schlimmsten Bedingungen, und sollte sich der Staat nicht um härtere Gegenmaßnahmen bemühen, könnten weitere 8,9 Millionen bis Ende 2022 dazukommen. Vor allem Armut und damit einhergehend fehlende Bildung stellen die Hauptgründe für diese enorme Dimension an Kinderarbeit dar.  1)

In Nigeria arbeiten Kinder hauptsächlich in der Landwirtschaft beim Anbau von Kakao und Tabak oder für die Viehhaltung und als Minenarbeiter beim Abbau von Gold und anderen Metallen. Dabei sind sie vielen gesundheitlichen Gefahren wie Pestiziden und dem Hantieren mit scharfen Werkzeugen beim Kakaoanbau ausgesetzt. In den Minen atmen die Kinder toxische Chemikalien ein, tragen große Lasten und verletzen sich aufgrund fehlender Sicherheitsmaßnahmen zum Teil schwer. Auch wenn die nigerianische Regierung in den letzten Jahrzehnten politische Entscheidungen zur Bekämpfung von Kinderarbeit getroffen hat, ist das Problem bis heute nur bedingt beseitigt worden.  2)3)

Doch wie konnte es sich dazu entwickeln? Etwa 90 Prozent des Gesamtexports aus Nigeria besteht aus Rohöl. Dadurch hat sich der Fokus der Regierung fast vollständig auf das schwarze Gold verschoben, und der Agrarbereich Nigerias wird extrem vernachlässigt. Fehlende Aufmerksamkeit an und ausbleibende Subventionen in die Landwirtschaft hatten ansteigende Armut zur Folge. 2022 leben 91 Millionen Nigerianer unter der internationalen Armutsgrenze von 1,90 USD pro Tag.  Viele Eltern können sich die Schulbildung für ihre Kinder nicht mehr leisten, und um die Familie zu unterhalten, müssen die Kinder mitarbeiten und selbst Geld verdienen. Kakaoproduzenten greifen dabei sehr gerne auf Kinderarbeit zurück, da sie den Kindern für die Arbeit weniger bezahlen müssen, wodurch die Plantagebesitzer die Preise weiter drücken können und sie so besser konkurrenzfähig bleiben. Weiterhin befolgen Kinder eher Befehle und erledigen auch schwerere und unschöne Arbeiten gehorsam. 3)4)5)  6)

Ein Hauptteil des Kakaoexports aus Nigeria geht an Europa – 2020 im Wert von über 17 Milliarden USD. Der westliche Kapitalismus hat zu sehr geringen Verkaufspreisen von Kakao aus Afrika und Südamerika geführt, denn obwohl die Schokoladenindustrie Jahr für Jahr einen höheren Umsatz macht, ist der globale Marktpreis von Kakaobohnen zwischen 1980 und 2012 um 50 Prozent gesunken. Das spüren Plantagebesitzer und ihre Arbeiter am stärksten.  7)8)

Kinderarbeit in Nigeria wächst zunehmend an, da sich das Land auf der einen Seite zu sehr auf den Export von Rohöl fokussiert und die Landwirtschaft dabei aus den Augen verliert. Auf der anderen Seite führen das Konsumverhalten des Westens und das ständige Drücken von Kakaopreisen dazu, dass die Armut in Ländern wie Nigeria immer weiter erhöht wird. Um Kinderarbeit effektiv bekämpfen zu können, müsste sich ein Großteil der Konsumenten mit der Schokoladenindustrie auseinandersetzen und darauf achten, Kakaoprodukte aus fairem Handel, z.B. Fairtrade zu kaufen. Schokolade ist ein Luxusartikel, und dafür kann man auch ein paar Cent mehr zahlen, wenn man dann weiß, dass der kleine Nachtisch fair und vor allem ohne Kinderarbeit produziert wurde.

  1. Leadership: Ending Child Labour, Artikel aufgerufen am 04.11.22
  2. Leadership: Ending Child Labour; Artikel aufgerufen am: 04.11.22
  3. Young African Leaders Forum: Child Labour in Nigeria: Causes and Consequences for National Development; Artikel vom 01.01.22
  4. The Borgen Project: Resource Curse Exacerbates Poverty in Nigeria; Artikel vom 23.08.22
  5. Food Empowerment Project: Child Labor and Slavery in the Chocolate Industry; Artikel aufgerufen am 04.11.22
  6. RipplesNigeria: Special Report: Illegal miners degrade Ekiti community, engage in child labour; Artikel 07.05.22
  7. OEC: Handelsprofil Nigeria 2020, Seite aufgerufen am 04.11.22
  8. Make Chocolate Fair: Cocoa Prices and Income of Farmers; Artikel aufgerufen am 04.11.22
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