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Kinderhandel – auch in Deutschland ein Problem

Kinderhandel |  Bild: In Nigeria kann man ein männliches Baby schon für 1000 Euro kaufen. © PuffinsPictures [Royalty Free]  - Dreamstime.comKinderhandel

| Bild: In Nigeria kann man ein männliches Baby schon für 1000 Euro kaufen. © PuffinsPictures [Royalty Free] - Dreamstime.com

Chung war 15, als er in seinem Heimatland Vietnam von einem Menschenhändler angesprochen wurde, ob er nach Deutschland kommen wolle, um dort zu arbeiten. Welche Arbeit und wie lange, wurde ihm nicht gesagt. Nach dem Tod seiner Familie musste er sich mit dem Sammeln von Muscheln seinen Lebensunterhalt verdienen und sah so seine Chance, an Geld zu kommen. Er wurde mit anderen in einen Laster geladen und über Monate hinweg in Richtung Deutschland transportiert und zwischendurch immer wieder wochenlang in dunkle Lagerhallen gesperrt, die er nicht verlassen durfte. Kurz vor der Grenze zu Deutschland hatte der LKW einen Unfall. Viele der Insassen waren schwerverletzt und somit kam der illegale Transport von Chung und weiteren Vietnamesen ans Licht. Er wurde zum Kronzeugen für die Polizei. Dieser Vorfall hat ihm vermutlich jahrelange Zwangsarbeit in Deutschland erspart. 1)

Eine beliebte Masche von Menschenhändlern in Vietnam ist es, Kindern und Jugendlichen eine rosige Zukunft in Deutschland oder anderswo in Europa mit einem gutbezahlten Job zu versprechen. Diese werden dann nach Deutschland geschleust – für eine Betrag von 5.000-20.000 US-Dollar. Oft schicken Familien ihre Kinder den Schleusern mit, um ihnen ein besseres Leben zu ermöglichen. In der Regel können sie diese horrenden Summen nicht aufbringen und die Kinder müssen nach der Ankunft für eine gewisse Zeit für das Menschenhändlernetz arbeiten, um die Schulden abzubezahlen. Wann die Schulden abbezahlt sind, entscheiden die Menschenhändler. Die Zwangsarbeit erstreckt sich vom Nähen von Klamotten in Fabriken bis hin zum Verkaufen von Zigaretten vor U-Bahn Stationen. Kinder, die bei der Schleusung von der Polizei gerettet werden, kommen in staatliche Kindernothäuser. Von diesen verschwinden die meisten jedoch innerhalb kürzester Zeit wieder, obwohl die Einrichtungen teils gut gesichert sind. Sie werden oft direkt in unmittelbarer Nähe von den Autos der Kinderhändler abgeholt. Dies scheint freiwillig zu passieren, aber wenn man bedenkt, unter welchem Druck die Kinder stehen, für sich und ihre Familie die Schulden abzubezahlen, ist klar, wieso sie den Menschenhändlern wieder in die Arme laufen. 1)

Menschenhandel, welcher mit sexueller Ausbeutung zu tun hat, ist ebenfalls ein Problem in Deutschland. Der überwiegende Teil sind junge Mädchen, die den Händlern und Tätern zum Opfer fallen. Hier ist vor allem der pädosexuelle Bereich von Bedeutung. Die Männer leben nicht zwingend am Rand der Gesellschaft, sondern sind auch durchaus im akademischen Bereich anzutreffen. Bei minderjährigen Flüchtlingen handelt es sich um eine Gruppe, die besonders gefährdet ist. Schon während sie flüchten gibt es einige Situationen, in denen sie an Schleuser oder Menschenhändler geraten können. Aber auch in Deutschland sind sie lange nicht sicher. Es gibt Fälle, in denen sogenannte Gutmenschen ein Flüchtlingsmädchen zum Essen einladen und sie danach als „Gegenleistung“ zum Sex zwingen. Oft werden sie auch damit bedroht, dass sie kein Asyl bekommen, wenn sie es den Behörden melden. Das Problem ist, dass die deutsche Polizei relativ wenig Personalressourcen für solche Delikte hat und somit die Täter oft unbestraft davonkommen. 2)

In Deutschland werden Zahlen zu Kinderhandel nicht zentral statistisch erfasst, was es schwierig macht, genaue Angaben über die Anzahl der Vorkommnisse zu machen. Einerseits gibt es Zahlen, die bei Fachberatungsstellen für Opfer von Menschenhandel vorliegen. Diese werden aber nicht immer der Polizei gemeldet. Die Polizei hat ihre eigenen Zahlen, bei denen es sich aber nur um angezeigte und abgeschlossene Ermittlungsverfahren handelt. Seit 2006 bereits seien die Zahlen laut Papier rückläufig, was aber nicht bedeuten muss, dass sich die Lage entspannt hat. Die Fallzahlen hängen immer davon ab, wie viel Personal die Behörden zur Ermittlung zur Verfügung hat. Außerdem ist die Beweisführung schwierig, da sich Täter die Arbeit oft aufteilen und Kinder wenig aussagen können. Daher weichen die Behörden oft auf leichter zu beweisende Tatvorwürfe aus. Die Dunkelziffer ist vermutlich hoch und die Polizei, Justiz und Kinderhilfen müssten noch stärker für das Problem sensibilisiert werden. 3)

  1. Deutsche Welle: Handelsware Kind – Die Mafia Menschenhändler; 29.07.2022
  2. Das Erste: Kinderhandel in Deutschland: Das Geschäft mit der Unschuld; Stand 20.09.2022
  3. T-Online: Kinderhandel in Deutschland: Niemand weiß, wie viele Opfer es gibt; 21.01.2016

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