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Elfenbeinküste: Wie Armut und politische Unruhe Kinder in die Kriminalität drängen

Glückliche Kinder in SchuleKinder sollten zur Schule gehen und eine glückliche Kindheit haben, wie auf diesem Bild und nicht Teil solcher brutalen Banden sein. |  Bild: More about Dreamstime Giving Fund. Our Ukrainian photographers and illustrators. Jetzt kaufen Afrikanische Kinder in der Schule nach der Lehre Sansibar, Tansania, Afrika © Oleg Doroshenko [Royalty Free]  - dreamstime.comGlückliche Kinder in Schule

Kinder sollten zur Schule gehen und eine glückliche Kindheit haben, wie auf diesem Bild und nicht Teil solcher brutalen Banden sein. | Bild: More about Dreamstime Giving Fund. Our Ukrainian photographers and illustrators. Jetzt kaufen Afrikanische Kinder in der Schule nach der Lehre Sansibar, Tansania, Afrika © Oleg Doroshenko [Royalty Free] - dreamstime.com

Die Jugend von heute wird die Gesellschaft von morgen beeinflussen und die Zukunft gestalten. In der Elfenbeinküste (offiziell Cote d’Ivoir) gibt diese Tatsache großen Anlass zur Sorge. Denn viele der Jugendlichen in Cote d’Ivoir sind Bandenmitglieder der „Microbes“ einer Kinder-/Jugendgang, die raubt, mordet, stiehlt, bedroht und extrem gewaltbereit ist. Die Jugend, in der eigentlich so viel Hoffnung liegt, verbreitet hier Angst und Schrecken.

Die meisten Bandenmitglieder sind unter 18 Jahre alt und männlich. Laut einem staatlichen Report sind einige gerade einmal neun Jahre alt. Die Jugendbande wird von der Bevölkerung „Microbes“ genannt. Wie eine Krankheit, die sich immer weiter ausbreitet. Ihren Ursprung hatte die Gruppe in Abobo, einem ärmeren Stadtteil von Abidjan. Meistens sind die Bandenmitglieder zu zehnt unterwegs, vermummt, auf dem Weg Menschen und Geschäfte auszuraubend und das oftmals am hellichten Tag. 1)2)

Die Gang hat sich nach den Präsidentschaftswahlen 2010 und der darauf folgenden Regierungskrise gebildet. Der amtierende Präsident Lauren Gbagbo und seine Partei Front Populaire Ivoirien (FPI) erkannten die Wahlen nicht an und Gbagbo weigerte sich, sein Amt an Wahlsieger Alassane Ouattara zu übergeben. Darauf folgten Kämpfe zwischen den jeweiligen Anhängern. Dabei kamen 3000 Menschen ums Leben und das Land war kurze Zeit gespalten. Ein fünf Monate andauernder Bürgerkrieg entfachte, welcher von internationalen Truppen zugunsten Ouattara beendet wurde. Bei den Wahlen 2020 trat Ouattara ein umstrittenes drittes Mal an und gewann sie. Im Allgemeinen kann man die politische Situation in Cote d’Ivoir als extrem unruhig beschreiben. Das sind keine guten Bedingungen für das Aufwachsen von Kindern. Hinzu kommen die Armut der Bevölkerung und die weit verbreitete Kinderarbeit. Folgen sind brutale Gangs wie die Microbes. 3)4)

Zeugen und Zeuginnen zufolge werden die Microbes für politische Zwecke genutzt. Zum Beispiel um politische Gegner einzuschüchtern. Die Jugendlichen und Kinder solcher Banden sind abgespalten von ihrer Gemeinde und teilweise auch gefürchtet. Organisationen wie UNICEF und Interpeace versuchen die Kinder und Jugendlichen wieder in Ihre Gemeinde zu integrieren. Das Vorhaben ist sehr schwer umzusetzen, aber auf jeden Fall ein Schritt in die richtige Richtung. Die Polizei versucht auch gegen die Banden vorzugehen. Nachdem ein Polizist von den Bandenmitgliedern umgebracht wurde, führte die Polizei einen Einsatz mit 1500 Polizisten und Polizistinnen in Abidjan durch. Anschließend wurde verkündetet, der Einsatz wäre erfolgreich gewesen, ohne Zahlen oder Näheres zu veröffentlichen. Aktuellen Berichten zufolge hat sich die Lage mit den Kinder-/Jugendbanden verbessert. Viele der Wiedereingliederungsversuche waren erfolgreich und die Gewalt hat abgenommen. 5)6)2)7)8)

Diese Kinder und Jugendbanden sind gewalttätig und kriminell. Und es muss etwas dagegen unternommen werden. Allerdings sollte man sich ansehen, warum so etwas entstanden ist und wie es soweit kommen konnte. Den Ursprung zu bekämpfen, wird auch das Problem mit den Kinder-/Jugendbanden mindern. Dieses Beispiel führt einem nochmal vor Augen, zu was politische Instabilität, Kinderarbeit und Armut führen kann.

  1. Interpeace:Reintegrating violent youths known as “microbes” to mitigate urban violence in Abidjan; Artikel vom 24.8.16
  2. Neue Zürcher Zeitung: Zur Gewalt in Westafrika kursieren viele Mythen; Artikel vom 12.11.17
  3. DW:  Westafrika-Umstrittene Wahl in der Elfenbeinküste; Artikel vom 31.10.20
  4. Deutschlandfunk Kultur: Elfenbeinküste nach Bürgerkrieg-Wahlen verhindern Versöhnung; Artikel vom 10.10.18
  5. BMZ: Côte d’Ivoire-Reformpartner in Westafrika; Stand 27.10.22
  6. DW:Präsidentenwahl führt zur Staatskrise; Artikel vom 3.10.10
  7. Interpeace: destigmatzing the so called „microbe“ youth; Stand 27.10.22
  8. enactafrika:Organised crime in Africa –The microbes of Abidjan; Artikel vom 8.7.22
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