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Zucker – süßer Rohstoff mit bitterem Nachgeschmack

Kinder arbeiten auf Zuckerrohr Plantage in Indien |  Bild: Die harte und gefährliche Arbeit auf den Zuckerrohrplantagen raubt schon den Kleinsten ihre Kindheit © Max5128 [Royalty Free]  - dreamstime.comKinder arbeiten auf Zuckerrohr Plantage in Indien

| Bild: Die harte und gefährliche Arbeit auf den Zuckerrohrplantagen raubt schon den Kleinsten ihre Kindheit © Max5128 [Royalty Free] - dreamstime.com

Ende Januar dieses Jahres wurden 20 Menschen, darunter etwa die Hälfte Kinder, von einer NGO im Norden des indischen Bundesstaates Karnataka aus einer Schuldknechtschaft befreit. Die Arbeiter, die Teil eines indischen Stammes waren, wurden von Lohnunternehmern für die Ernte von Zuckerrohr eingesetzt. Sie wurden gegen die Zahlung eines Vorschusses von 20.000 indischen Rupien, was ungefähr 250 Euro entspricht, zu einer Zuckerrohr Plantage gebracht, um dort täglich fast 15 Stunden zu arbeiten. Dort erhielten sie dann statt einer Bezahlung nur noch ein kleines Trinkgeld. Nachdem sie 2 ½ Monate ohne Bezahlung gearbeitet hatten, erkundigten sie sich bei ihrem Auftragnehmer nach ihrem Lohn, wurden aber darüber informiert, dass sie immer noch Schulden in Höhe von 20.000 Rupien abzahlen mussten und dass sie erst nach Begleichung dieser Schulden gehen könnten. „Wir wurden durch Betrug hierher gebracht und belogen über die guten Löhne, die wir hier erhalten würden. Aufgrund unserer verzweifelten Lage waren wir gezwungen, uns zu verschulden, um hierher zu kommen“, behauptete einer der Arbeiter. Die Kinder, die dort unter menschenunwürdigen Bedingungen schuften mussten, wurden sofort nach der Befreiung in Notunterkünfte gebracht. 1)2)3)

Unter Schuldknechtschaft versteht man einen zahlungsunfähigen Schuldner, der in Knechtschaft geraten ist. Als Sicherheit gegenüber dem Gläubiger muss dieser arbeiten, um seine Schuld zu begleichen, wobei er aber keine Aussicht hat, durch die Arbeit seine Schuld abzutragen und wieder freigelassen zu werden. 4) Schuldknechtschaft gibt es in vielen Formen und erfordert nicht die Ankettung eines Menschen oder irgendwelche körperlichen Einschränkungen, um als solche erkannt und betrachtet zu werden. Trotz eines gesetzlichen Verbots der Schuldknechtschaft sieht sich die Zuckerrohrindustrie in Indien jede Saison mit tief verwurzelten Systemen der Schuldknechtschaft konfrontiert. 5)

Dieser Fall zeigt, dass nicht nur Erwachsene, sondern auch Kinder für unseren Zucker ausgebeutet werden. Studien, welche in Asien, Lateinamerika und Afrika durchgeführt wurden, beweisen, dass Kinder zwischen fünf und 17 Jahren für die Arbeit auf Zuckerplantagen eingesetzt werden. Oft helfen sie auch ihren Familienmitgliedern ohne Bezahlung. Zu den Arbeiten gehört das Anpflanzen, die manuelle Ernte und andere Hilfsarbeiten. Dabei werden Jungen öfter zur beschwerlichen Ernte des Zuckerrohrs eingesetzt und Mädchen meist für die leichtere Tätigkeiten. Die Ernte mit einer scharfen Machete und das Besprühen der Felder mit Chemikalien gehören zu den gefährlichsten Aufgaben. Bei der Ernte müssen bis zu 25 Kilogramm schwere Bündel mit Zuckerrohr getragen werden. Die Chemikalien auf den Feldern können zu Atemwegsbeschwerden und Haut- oder Augenirritationen führen und können Langzeiteffekte wie Krebs und neurologische Schädigungen zur Folge haben. Außerdem sind die Kinder Insektenstichen ausgesetzt, die oft Hautinfektionen zur Folge haben. 6) Durch das Abbrennen der Zuckerrohrfelder und den ständigen Kontakt mit dem Rauch und der Asche bekommen die Kinder oft Halsschmerzen. 7) Die Felder werden abgebrannt, damit die Arbeiter leichter sehen können, wo sie die Zuckerrohre abschneiden müssen. Bei dem Feuer verbrennen nur die Blätter, aber nicht die Rohre. Außerdem ist ein Feuer nach der Ernte die schnellste und einfachste Methode, das Feld bereit für die neue Saat zu machen. Die verbrannten Pflanzen eignen sich hierbei gut als Dünger für das neue Zuckerrohr. 8)

Es ist schwer einzuschätzen, wie viele Kinder weltweit auf Zuckerrohrplantagen arbeiten. Experten gehen jedoch von Zehntausenden – wenn nicht Hunderttausenden aus. In insgesamt 17 Ländern wird Kinderarbeit für die Zuckerproduktion eingesetzt, darunter z.B. Thailand, Indien, Mexiko, Kolumbien, die Philippinen und Paraguay. Die Behausungen, in denen die Kinder auf den Plantagen dort wohnen sind oft mehr als unzulänglich. Es gibt meist kein fließendes Wasser, sanitäre Einrichtungen oder Elektrizität. Die Bezahlung ist zudem mehr als unzureichend. In Kambodscha z. B. verdient ein Kind um die 3,50 US-Dollar pro Tag, wobei stärkere Erwachsene zwischen 6 und 10 US-Dollar pro Tag verdienen. 6)

  1. The Hindu; Child Labourers Rescued in North Karnataka; 31.01.2022
  2. The Times of India: 49 Bonded Labourers Rescued From Sugar Mills in Karnataka; 01.02.2022
  3. AICCTU: Bonded Labour in the Karnataka Sugarcane Harvesting Industry; Stand 13.09.2022
  4. Wikipedia: Schuldknechtschaft; Stand 13.09.2022
  5. AICCTU: Bonded Labour in the Karnataka Sugarcane Harvesting Industry; Stand 13.09.2022
  6. ILO: Child Labour in the Primary Production of Sugarcane; Mai 2017
  7. Deutschlandfunk Kultur: Ausbeutung auf den Zuckerrohrfeldern; 06.10.2019
  8. BR: Wie Zucker entsteht – aus Rübe und Rohr; Stand 14.09.2022

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