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Kämpfen statt Spielen: Rebellengruppen im Kongo setzen Kinder als Soldaten ein

Karte der Demokratischen Republik KongoDie Demokratische Republik Kongo ist seit Jahrzehnten von Bürgerkriegen und Konflikten geprägt. Viele Rebellengruppen rekrutieren Kindersoldaten. |  Bild: Bullets on the map of Democratic Republic of Congo © Mattiaath [Royalty Free]  - Dreamstime.comKarte der Demokratischen Republik Kongo

Die Demokratische Republik Kongo ist seit Jahrzehnten von Bürgerkriegen und Konflikten geprägt. Viele Rebellengruppen rekrutieren Kindersoldaten. | Bild: Bullets on the map of Democratic Republic of Congo © Mattiaath [Royalty Free] - Dreamstime.com

Luutu (16) aus der Demokratischen Republik Kongo wurde von eine bewaffneten Rebellengruppe entführt. „Ich hatte Angst, dass sie mich töten, wenn ich mich weigere zu bleiben, also blieb ich“, sagt er darüber. Luutu lernte den Umgang mit Waffen, danach musste er für die Rebellen kämpfen. Mehrmals wurde er gezwungen, Menschen zu töten. Später wurde Luutu durch mehrere Kugeln verwundet. Inzwischen lebt er in einem Zentrum für befreite Kindersoldaten. Aber die verlorene Kindheit wird er nie nachholen können. 1)

Als Kindersoldaten werden Mädchen und Jungen unter 18 Jahren bezeichnet, die von Armeen oder bewaffneten Gruppen rekrutiert oder eingesetzt werden. Weltweit gibt es schätzungsweise 250 000 von ihnen. Es ist aber davon auszugehen, dass die Dunkelziffer deutlich höher ist. Neben der Demokratischen Republik Kongo ist der Einsatz von Kindersoldaten unter anderem in Myanmar, Nigeria, Mali, Somalia, Syrien, Afghanistan und im Jemen verbreitet. 1)2)3)

Die Demokratische Republik Kongo ist seit Jahrzehnten von Konflikten und Bürgerkriegen geprägt. Auch heute noch toben vielerorts bewaffnete Auseinandersetzungen. Besonders betroffen ist der Osten des Landes. Dort kämpfen Rebellengruppen um Macht und die Kontrolle über den Abbau von Bodenschätzen. Konflikte zwischen verschiedenen Ethnien sind ebenfalls weit verbreitet. Kinder geraten in diesem Umfeld häufig zwischen die Fronten. Viele werden von den Rebellen als Kindersoldaten rekrutiert. Ein Teil tut das freiwillig, etwa aufgrund von Rachegedanken oder schlicht um zu überleben. Ein großer Teil der betroffenen Kinder wird hingegen entführt oder durch Gewaltandrohung, Drogen oder Misshandlung gefügig gemacht. Für die Milizen ist das Rekrutieren von Kindern attraktiv, weil diese deutlich leichter zu manipulieren sind als Erwachsene. Zudem ist ihre Ausbildung billiger. 4)5)

Kindersoldaten werden zumeist in den Camps der Rebellen militärisch gedrillt. Sie lernen den Umgang mit schweren Waffen, anschließend werden sie in den Kampf geschickt. Aber nicht alle werden zum Kämpfen rekrutiert. Es gibt auch viele Kinder, die die Versorgung der Rebellen sicherstellen sollen. Sie kochen, waschen, putzen und erledigen Botengänge. Andere arbeiten als Späher oder Wachleute in den Camps. Die Kinder leben dabei unter prekären Umständen. Sie haben kein Dach über dem Kopf, sind häufig unterernährt und haben keinen Zugang zu medizinischer Versorgung. 2)6)7)8)

Kindersoldaten sind unfassbaren Grausamkeiten ausgesetzt. Sie müssen Gewalttaten verüben und Menschen töten. Wer sich weigert, wird von den Rebellen gefoltert, erniedrigt und im schlimmsten Fall getötet. Verwundungen durch Kämpfe, aber auch durch Unfälle oder Misshandlungen sind an der Tagesordnung. Außerdem ziehen sich viele beim Umgang mit Waffen Verletzungen zu, weil sie nur unzureichend daran ausgebildet wurden. Auch die Kinder, die nicht kämpfen müssen, sind viele Gefahren ausgesetzt. In den Camps grassieren Krankheiten wie Malaria oder Gelbfieber. Vor allem Mädchen sind zudem schwerem Missbrauch und Vergewaltigungen ausgesetzt. Viele werden mit Rebellen zwangsverheiratet. Die Folgen für die betroffenen Kinder sind fatal. Sie tragen bleibende körperliche und seelische Schäden davon. Ehemalige Kindersoldaten leiden unter Traumata, Depressionen und Angstzuständen. Ihr Selbstbewusstsein wird mit der Zeit zerstört, weil sie fortwährend der Willkür von Rebellen ausgesetzt sind und zu absolutem Gehorsam gezwungen werden. 5)1)9)2)

Selbst Kindersoldaten, die freigelassen werden, fliehen können oder befreit werden, befinden sich in einer äußerst schwierigen Situation. Viele haben keine lebenden Familienmitglieder mehr. In ihren Heimatorten sind sie zumeist nicht mehr willkommen, weil sie Teil bewaffneter Milizen waren, die Gewalttaten an der Zivilbevölkerung verübt haben. Folglich werden die Kinder gemieden und ausgegrenzt. Daher erhalten sie kaum Hilfe bei der Verarbeitung der traumatischen Erlebnisse. Durch die fehlende Schulbildung haben die Betroffenen auch kaum eine Chance, ihrer Lage zu entkommen. 6)2)

  1. UNICEF: Kindersoldat*innen in Afrika und weltweit: Opfer und Täter zugleich; 09.02.2022
  2. Terre des Hommes: Kindersoldat*innen; Stand 15.09.2022
  3. The Borgen Project: 10 Countries That Use Child Soldiers; 26.04.2019
  4. End Slavery Now: The Democratic Republic of the Congo – Child Soldiers; 30.04.2015
  5. Humanium: Kindersoldaten; 15.07.2013
  6. UNO Flüchtlingshilfe: Kindersoldaten -Sowohl Opfer als auch Täter; Stand 15.09.2022
  7. Caritas: Kindersoldaten im Kongo; Stand 15.09.2022
  8. Deutsche Welle: Das Leben eines Kindersoldaten im Kongo; 15.09.2009
  9. Amnesty International: Kindersoldaten im Kongo – Die Täter müssen vor Gericht!; 13.03.2012

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