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Hochexplosive Arbeit: Kinder riskieren bei der Herstellung von Feuerwerk ihr Leben

FeuerwerkZu Silvester ist Feuerwerk beliebt und weit verbreitet. Allerdings sind die bunten Farben nicht ungetrübt, denn in Feuerwerksfabriken arbeiten vielerorts Kinder. |  Bild: Fireworks bursting © Carlosphotos [Royalty Free]  - Dreamstime.comFeuerwerk

Zu Silvester ist Feuerwerk beliebt und weit verbreitet. Allerdings sind die bunten Farben nicht ungetrübt, denn in Feuerwerksfabriken arbeiten vielerorts Kinder. | Bild: Fireworks bursting © Carlosphotos [Royalty Free] - Dreamstime.com

Rund 40 000 Tonnen Pyrotechnik werden jedes Jahr in Deutschland zu Silvester verkauft. Die Probleme des Feuerwerks an Silvester sind hinreichend bekannt: Müll, Luftverschmutzung, Unfälle. Doch nicht nur die Verwendung von Feuerwerkskörpern ist gefährlich und problematisch, sondern auch die Herstellung. In vielen Produktionsländern arbeiten Kinder in Feuerwerksfabriken. Allein in Indien sind es schätzungsweise 70 000. 1)2)3)

Der weltweit größte Produzent von Feuerwerkskörpern ist China, gefolgt von Indien. In beiden Ländern arbeiten Kinder in den Fabriken und privaten Werkstätten, wo sie Pyrotechnik herstellen. Auch in Peru, El Salvador, Guatemala und auf den Philippinen gibt es Kinderarbeit in der Feuerwerksindustrie. Die manuelle Fertigung ist oft kostengünstiger als der Einsatz von Maschinen. Kinder sind folglich als Arbeitskräfte attraktiv, weil sie billiger sind als Erwachsene. 4)

Damit das Feuerwerk in der Silvesternacht bunt und knallend in den Nachthimmel aufsteigen kann, sind viele Chemikalien nötig. Diese werden in den Feuerwerksfabriken Asiens und Lateinamerikas zum Teil von Kindern gemischt und in die Feuerwerkskörper gefüllt. Außerdem hantieren Kinder mit Schwarzpulver, das als Antriebsmittel für die Raketen dient. Die Arbeit in den Fabriken ist gefährlich, weil vor allem Schwarzpulver hochexplosiv ist. Regelmäßig kommt es aufgrund von fehlenden Sicherheitsstandards und unsicherer Lagerung zu Unfällen mit dem Sprengstoff, die in Bränden oder Explosionen enden können. Die Kinder arbeiten wortwörtlich auf Pulverfässern. Ein Funke genügt, um eine Katastrophe auszulösen. Immer wieder kommen Menschen durch Explosionen in Feuerwerksfabriken ums Leben. Auch diejenigen, die überleben, tragen schwere Verletzungen, Verstümmelungen oder Verbrennungen davon. So kamen etwa 2021 bei der Explosion einer Fabrik in Indien 19 Menschen ums Leben, 34 wurden verletzt. 5)6)1)4)

Der dauerhafte Umgang mit Chemikalien wie Schwefel, Blei oder Aluminiumpulver kann zudem gravierende gesundheitliche Probleme zur Folge haben. Viele Betroffene leiden an Tuberkulose, Lungenverätzungen oder Asthma. Andere ziehen sich bei der Arbeit mit den Chemikalien offene Wunden an den Händen zu, die kaum wieder verheilen. Außerdem sind die Fabriken meistens eng und dunkel, sodass viele Arbeiter mit Sehproblemen, Haltungsschäden und ständigen Kopfschmerzen zu kämpfen haben. Die betroffenen Kinder arbeiten den ganzen Tag, eine Schule haben die meisten nie besucht. Stattdessen fangen sie schon mit sechs Jahren an zu arbeiten, um ihre Familien finanziell zu unterstützen. 6)7)3)8)

Feuerwerkskörper sind also in vieler Hinsicht problematisch. Das aufgrund der Corona-Pandemie 2020 und 2021 in Deutschland verhängte Böllerverbot hatte positive Auswirkungen. Es wurde weniger Müll produziert, die Luftverschmutzung blieb aus und es gab weniger Verletzte aufgrund von Unfällen. Zudem wurden natürlich kaum Feuerwerkskörper verkauft. Wenn die weltweite Nachfrage dauerhaft niedrig bliebe, müssten auch weniger Kinder bei der Herstellung von Pyrotechnik arbeiten. Für Verbraucher ist der Verzicht auf Feuerwerk also sehr sinnvoll. Wer dennoch Feuerwerkskörper kauft, sollte auf in Europa hergestellte Produkte zurückgreifen, da Kinderarbeit dabei unwahrscheinlich ist. 8)9)

  1. utopia: Feuerwerksproduktion: Fabriken brennen, Kinder arbeiten – und wir sind taub; 30.12.2021
  2. U.S. Department of Labor: List of Goods Produced by Child Labor or Forced Labor; 23.06.2021
  3. taz: Wunderkerzen aus kleinen Händen; 31.12.2011
  4. Netzfrauen: Kinderarbeit in der Feuerwerksindustrie; 29.12.2013
  5. MyIndia: Child Labour in Sivakasi Fireworks Industry; 07.02.2015
  6. International Labor Organization: Danger: Children working – Guatemala fireworks industry; 20.03.2003
  7. Pressetext: Kinderarbeit in Feuerwerkskörper-Industrie; 23.12.2008
  8. Ordensgemeinschaften Österreich: Kinderarbeit für Feuerwerkskörper; 27.12.2014
  9. MDR: Verzicht auf Silvester-Feuerwerk erspart Tausende Tonnen Plastikmüll; 11.01.2021

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