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Faires Spiel – Fairer Ball?

FußballEinen Fußball hatte wohl schon jeder in der Hand, doch woher sie kommen und das teilweise auch Kinder an der Produktion beteiligt ist wissen die wenigsten.  |  Bild: n.v. © Rmarmion [Royalty Free]  - dreamstime.comFußball

Einen Fußball hatte wohl schon jeder in der Hand, doch woher sie kommen und das teilweise auch Kinder an der Produktion beteiligt ist wissen die wenigsten. | Bild: n.v. © Rmarmion [Royalty Free] - dreamstime.com

Sofia ist elf und lebt mit Ihrer Familie im indischen Sisola. Doch anstatt wie andere Kinder in die Schule zu gehen, beginnt sie früh morgens damit Fußbälle zu nähen. Sie wird je hergestelltem Ball bezahlt, umgerechnet 20 Cent pro Stück. Am Tag schafft sie es meistens, zwei Bälle zu nähen. Ihre Familie ist auf Sofias Arbeit, wie auch auf die ihrer Geschwister angewiesen. Nach offiziellen Angaben gehen in Indien rund 4 Millionen Kinder einer regelmäßigeren Arbeit nach, von mehr als 20 Millionen Kinderarbeitern gehen jedoch Menschenrechtsexperten aus. Ein Großteil dieser Kinder hat noch nie eine Schule besucht und wird ohne Unterstützung durch den Staat oder Hilfsorganisationen auch nie die Möglichkeit dazu bekommen.

Der Schulbesuch kann Sofia nur durch ein Kinderhilfswerk ermöglicht werden, trotzdem muss sie vor und nach dem Unterricht weiter Bälle nähen, welche dann für ein Hundertfaches ihres Lohns unter anderem auch hier in Deutschland weiterverkauft werden. 1)

Doch nicht in Indien, sondern im pakistanischen Sialkot wird ein Großteil der Bälle hergestellt. Schätzungen gehen davon aus, dass 60 Prozent aller Fußbälle dort genäht werden. Auch große und namhafte Hersteller für Sportartikel lassen in der Stadt mit bald 700.000 Einwohnern für sich nähen, teilweise auch von Kindern. Die Industriestadt ist bekannt für die gute Qualität, die die dort produzierten Bälle aufweisen. Berüchtigt ist die Stadt wegen der großen Menge an Kinderarbeitern, Schätzungen zufolge sind es alleine dort bis zu 7000 . Kinderarbeit ist in Pakistan bis zum Alter von 14 Jahren zwar verboten, wird jedoch von der Bevölkerung weitestgehend akzeptiert. Schulbildung hingegen wird vor allem in ärmeren Schichten zurückgestellt. Vielen Kinder bleibt der Schulbesuch außerdem auch verwehrt, da dieser zusätzliche Kosten für Uniformen und Schulmaterial mit sich bringen würde. Hinzu kommt noch, dass die Familien aufgrund der geringen Gehälter auf das Einkommen ihrer Kinder angewiesen sind. 2)3)

Bereits im Jahre 1997 unterzeichneten pakistanische Vertreter der Handelskammer, Zulieferer sowie Vertreter der Internationalen Handelsorganisation ILO, das Atlanta Abkommen, welches strengere Kontrollen gegen Kinderarbeit in der Fußballindustrie in und um Sialkot vorsah. Dadurch verloren plötzlich viele Kinderarbeiter ihre Arbeitsstellen und wechselten in andere Industriezweige, hauptsächlich in die Landwirtschaft und die Teppichherstellung. Das Problem der Kinderarbeit wurde mit dieser Maßnahme also hauptsächlich in andere Sektoren verlagert. Eine echte Lösung wäre finanzielle Unterstützung für Familien, mit denen der Schulbesuch bezahlt werden kann, sowie auch Kleinkredite für den Aufbau eines eigenen Geschäftes. Diese jedoch gibt es in der Regel nur von privaten Hilfsorganisationen, von staatlicher Seite jedoch selten, obwohl sie vielen Familien sehr helfen könnten.

Zur Kontrolle der Vorgaben des Atlanta Abkommens gibt es nun die Independent Monitoring Association for Child Labor, kurz Imac. Diese überwacht und kontrolliert nun, ob die Betriebe geltende Sicherheitsvorschriften einhalten, vor allem aber, ob keine Kinder in den Betrieben arbeiten. 97 Firmen, die 95 Prozent der Fußbälle in Sialkot herstellen, lassen sich von der Imac kontrollieren. Die Imac wird wiederum ausschließlich von den kontrollierten Unternehmen finanziert und deren Integrität daher auch oftmals von verschieden Organisationen angezweifelt. Werden bei Kontrollen Verstöße gegen das Abkommen festgestellt, insbesondere im Bezug auf Kinderarbeit, wird das betroffene Unternehmen auf die Schwarze Liste der Imac gesetzt. Große Unternehmen gehen dann in der Regel keine Geschäfte mehr mit derartigen Subunternehmern ein, um keinen Imageschaden zu erleiden. Um eine Produktion ohne Kinderarbeit zu garantieren, haben die Betriebe die Heimarbeit eingestellt, und Nähzentren errichtet. Dies bietet mehr Sicherheit darüber, wer die Bälle tatsächlich genäht hat. In Sialkot arbeiten mittlerweile nach offiziellen Angaben keine Kinder mehr in der Fußballproduktion. In anderen Branchen sieht das dort noch anders aus, wie auch in anderen Ländern, in denen es derartige Kontrollen leider noch nicht gibt. So gibt es beispielsweise in Indien auch weiterhin viele Kinder wie Sofia, welche weiterhin Fußbälle nähen müssen. 1)2)4)5)

  1. Weltspiegel: Kinderarbeit – Fußbälle nähen statt Schule; 21.09.2015
  2. Cicero: Made in Sialkot; Stand: 28.09.2022
  3. Amnesty International: Kleine Hände als Wirtschaftsfaktor; November 2010
  4. Spiegel: Die Ballmacher von Sialkot; 15.03.2010
  5. Zeit Online: Bälle gut alles gut; 18.05.2006

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