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Diamanten – der wertvolle Stein zerstört Kinderleben

Blutverschmierte Kinderhände mit Diamant |  Bild: Schätzungsweise eine Million Kinder im Alter von 5 bis 17 Jahren arbeiten weltweit im Kleinbergbau, worunter auch das Diamantenschürfen fällt. © Ivanacecez [Royalty Free]  - dreamstime.comBlutverschmierte Kinderhände mit Diamant

| Bild: Schätzungsweise eine Million Kinder im Alter von 5 bis 17 Jahren arbeiten weltweit im Kleinbergbau, worunter auch das Diamantenschürfen fällt. © Ivanacecez [Royalty Free] - dreamstime.com

Im Januar letzten Jahres kam es zu einer Tragödie in einem Steinbruch in Sierra Leone, einem Gebiet in dem Diamanten geschürft werden. Zwei Kinder wurden darin verschüttet, ein achtjähriger Junge konnte gerade noch gerettet werden. Der andere jedoch, gerade einmal 12 Jahre alt, wurde von den Massen begraben und starb dabei. Der Steinbruch namens „River Number Two“ ist zwar illegal, aber die Regierung toleriert, dass Menschen darin Diamanten schürfen, da dies ihr Überleben sichert. Unfälle sind dort keine Ausnahme, sondern passieren des Öfteren. Der Steinbruch existiert bereits seit über 10 Jahren. Kinder und Erwachsene fördern dort Diamanten zu Tage, um sie an Unternehmen weiterzuverkaufen. 1)

Die schwere Arbeit in den Steinbrüchen hat für die Kinder oft gesundheitliche Folgen. Sie tragen keinen Mundschutz und atmen somit ungehindert den Staub ein, der bei der Suche nach den Steinen aufgewirbelt wird. Dies führt zu chronischen Lungenerkrankungen. Sie müssen teilweise 50-60 Kilogramm schwere Eimer mit Kies schleppen. Die Moskitos, die sich in Pfützen ansammeln, übertragen oft Malaria. Steinschlag, Abstürze, splitternde Steine und Sprengungen sorgen oft für Verletzungen bei den Kindern. Viele von ihnen gehen statt zur Schule in die Minen, um nach Diamanten zu suchen. Selbst wenn sie zum Unterricht erscheinen, wird in den Ferien viel gearbeitet, mindestens von 9 Uhr morgens bis 18 oder 19 Uhr, 6 Tage pro Woche. Falls die Kinder morgens zur Schule gehen, arbeiten sie zumindest nachmittags in den Minen. Viele können sich dann im Unterricht nicht konzentrieren und sind zu müde, um ihre Hausaufgaben zu machen. Ein Lehrer aus der Demokratischen Republik Kongo, einem weiteren Gebiet, in dem Diamanten abgebaut werden, sagt aus, dass 40-60 Prozent seiner Schüler in den Minen arbeiten. Während eines normalen Schultages sind 25-35 Prozent der Schuler aus diesem Grund abwesend. Meist werden die Kinder früh an die Arbeit gewöhnt, da sie ihre Eltern schon im Kindesalter bei der Arbeit begleiten. 2)3)

Kinder werden jedoch nicht nur eingesetzt, um Diamanten zu suchen, sondern auch, um diese zu polieren. Hier ist Indien das Zentrum für das Schneiden und Polieren von Edelsteinen. Gujarat State an der Westküste Indiens ist hier besonders ertragreich, denn dort werden ca. 85 Prozent aller Diamanten weltweit poliert. Indien hat sich so zu einem der erfolgreichsten Händler für Diamanten entwickelt, und billige Arbeitskräfte befeuern diesen Trend. Es wird angenommen, dass Kinder wegen ihrer guten Augen und den kleineren Fingern besser zum Diamanten polieren geeignet sind als Erwachsene. Dort arbeiten sie meist in dunklen Fabriken ohne Ventilatoren. Poliermaterial wird aus Chromoxid und Diamantenstaub gemacht, was zu erheblichen gesundheitlichen Beeinträchtigungen führen kann, wenn der Körper den Materialien für lange Zeit ausgesetzt ist. Dabei werden ihnen rund 30 US-Dollar im Monat für 7-9 Stunden tägliche Arbeit gezahlt. 3)

Ein weiterer Grund zur Sorge ist die Rolle der Mädchen in den Minen. Sexuelle Belästigung gehört dort zur Tagesordnung. Viele Opfer glauben, dass das zum Leben einer Frau dazugehört. Unverheiratete Mädchen, die schwanger sind, werden oft vom Vater des Kindes im Stich gelassen und somit stigmatisiert. Auch Prostitution gehört zum Leben der Mädchen dort. Sie bieten oft sexuelle Dienste im Tausch gegen Geld, Essen, Kleidung, Schuhe oder Shampoo an. Manchmal verkaufen Mütter sogar ihre Töchter an Arbeiter, damit sie zum monatlichen Einkommen beitragen können. So werden junge Mädchen oft ungewollt schwanger. Wegen des Mangels an Geld können sie jedoch nicht für ihr Baby sorgen. Deshalb kommt es vor, dass sie das Kind aussetzen oder im Fluss ertränken. 2)

Generell werden Diamanten oft mit der Finanzierung gewalttätiger und langwieriger Bürgerkriege in Verbindung gebracht, die zu einer Verschlechterung der Bergbaubedingungen und einer Zunahme von Zwangs- und Kinderarbeit führt. In der Zentralafrikanischen Republik haben Menschenrechtsgruppen dokumentiert, dass Diamanten die beiden Hauptparteien des bewaffneten Konflikts finanziert haben. Insbesondere in diamantenreichen Gebieten hat die Gewalt erheblich zugenommen. Dies ist teilweise auf Gruppen zurückzuführen, die um die Kontrolle der Diamantenminen kämpfen. Diese Gruppen nutzen Kinder oft als Soldaten, Köche, Boten, oder zur sexuellen Ausbeutung. 4)

  1. Africa Live: Kinderarbeit in Afrika: Junge stirbt bei Arbeit in Steinbruch in Sierra Leone; 21.01.2021
  2. SwedWatch: Childhood Lost: Diamond Mining in the Democratic Republic of the Congo and Weaknesses of the Kimberley Process; 21.12.2016
  3. Diamonds for Peace: Child Labor; Stand 26.09.2022
  4. Verité: Commodity Atlas Diamonds; Stand 26.09.2022

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