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Bis die Finger bluten: Kinder knüpfen unter gefährlichen Bedingungen Teppiche

Mädchen arbeitet an einem Webrahmen |  Bild: In Asien arbeiten tausende Kinder in der Teppichproduktion. © Danielal [Royalty Free]  - Dreamstime.comMädchen arbeitet an einem Webrahmen

| Bild: In Asien arbeiten tausende Kinder in der Teppichproduktion. © Danielal [Royalty Free] - Dreamstime.com

Im Alter von elf Jahren wurde Sanju von ihren Eltern aus ihrem Heimatdorf nach Kathmandu geschickt, um in einer Teppichfabrik zu arbeiten. Ihre Eltern glaubten, sie würde Geld verdienen und gut behandelt werden. Seitdem haben sie nichts mehr von ihr gehört. Sanju muss täglich von vier Uhr morgens bis acht Uhr abends arbeiten, sieben Tage pro Woche. Sie knüpft Teppiche, bis ihre Finger bluten. 1)

In Asien ist das kein Einzelfall. Tausende Kinder arbeiten in der Teppichproduktion, allein in Nepal sind es schätzungsweise 10 000. Weitere betroffene Länder sind Indien, Pakistan, Afghanistan und der Iran. Dort werden unter anderem Teppiche für den Export in westliche Staaten hergestellt. Auch in den Sortimenten von Firmen wie XXXLutz, IKEA, Bloomingdale’s und Macy’s wurden bereits Teppiche aus Kinderarbeit festgestellt. 2)3)1)4)

Bei der Arbeit in der Teppichproduktion sind Kinder harten Bedingungen ausgesetzt. Sie arbeiten bis zu zwölf Stunden am Tag. Viele haben schon mit vier oder fünf Jahren angefangen, sodass sie nie ein anderes Leben kennengelernt haben. Die meisten sind nie zur Schule gegangen. Stattdessen sind sie täglich in Fabriken oder Familienbetrieben beschäftigt. Die Kinder knüpfen oder weben Teppiche, die anschließend gefärbt und verziert werden. Oftmals werden sie nicht ausreichend ausgebildet, was Unfälle begünstigt. Viele ziehen sich bei der Arbeit Schnittwunden durch Teppichmesser oder scharfe Stofffasern zu. Diese Verletzungen können im schlimmsten Fall dauerhafte Verstümmelungen oder Infektionen zur Folge haben. Zum Färben der Teppiche werden außerdem häufig giftige Substanzen und Chemikalien verwendet. Wenn Kinder diesen Dämpfen ausgesetzt sind, kann das Lungenerkrankungen und Atemprobleme verursachen. 3)1)

Ein weiteres Problem ist die Tatsache, dass viele Kinder nicht regulär angestellt sind, sondern im Rahmen von Schuldknechtschaft arbeiten. Ihre Eltern haben sie Fabrikbesitzern zur Verfügung gestellt, damit sie so die Schulden der Familie abarbeiten können. Für die Kinder hat dieser Umstand fatale Folgen. Zum einen sind sie dauerhaft von ihren Familien getrennt und so der Willkür ihrer Arbeitgeber meist schutzlos ausgeliefert. Das begünstigt Missbrauch und Ausbeutung. Zum anderen verdienen die Kinder wenig bis gar nichts, da alle Verdienste zum Begleichen von Schulden verwendet werden. Dadurch haben die Betroffenen keine Chance, später der Armut zu entkommen, um sich eine bessere Zukunft aufzubauen. 4)5)

Kinderarbeit in der Teppichindustrie lässt sich vor allem durch den Kauf von zertifizierten Teppichen bekämpfen. Dabei ist allerdings Vorsicht angesagt, da auch oft unseriöse Siegel verwendet werden. Viele Geschäfte und Unternehmen versehen Teppiche mit einem Schild, auf dem „Keine Kinderarbeit“ steht. Ein solches Etikett ist aber keinesfalls ein Ausschlusskriterium für Kinderarbeit, da es nicht auf einer seriösen Zertifizierung basiert. Seriöse Zertifikate zeichnen sich durch genaue Vergabekriterien und unabhängige Kontrollen aus. Ein Beispiel ist das GoodWeave-Siegel. Es kennzeichnet Teppiche, die ohne Kinderarbeit, Zwangsarbeit und Schuldknechtschaft hergestellt wurden. Zudem setzt sich die Organisation für Kinder ein, um ihnen beispielsweise den Schulbesuch zu ermöglichen. 6)3)7)

  1. The Guardian: 10,000 children estimated to work in Nepal’s carpet industry; 20.11.2014
  2. U.S. Department of Labor: List of Goods Produced by Child Labor or Forced Labor; 23.06.2021
  3. Stern: Warum viele Orient-Teppiche ein großes Problem sind; 25.10.2018
  4. Forbes: Your Beautiful Indian Rug Was Probably Made By Child Labor; 05.02.2014
  5. Rugldea: Child Labor in the Carpet Industry; Stand 26.09.2022
  6. GoodWeave: Das GoodWeave-Label; Stand 26.09.2022
  7. Die Sternsinger: „Der Aufschrei ist nicht laut genug“; Stand 26.09.2022

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