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Ausbeutung von Kindern für schicke Treter

SportschuheNike Schuhe |  Bild: Fünf Paar Schuhe kauft jeder Bürger im Jahr - unter welchen Bedingungen diese hergestellt werden weiß jedoch kaum jemand. © Luckydoor [Royalty Free]  - dreamstime.comSportschuhe

Nike Schuhe | Bild: Fünf Paar Schuhe kauft jeder Bürger im Jahr - unter welchen Bedingungen diese hergestellt werden weiß jedoch kaum jemand. © Luckydoor [Royalty Free] - dreamstime.com

Vor kurzem hat Bangladesch ein Übereinkommen der International Labour Organization gegen Kinderarbeit unterzeichnet. Das Mindestalter für den Eintritt in alle Berufe beträgt nun 14 Jahre. 1) Dass es bis dahin jedoch ein langer Weg ist, zeigt ein Bericht aus einer Schuhfabrik in der Hauptstadt Dhaka. Beim Betreten ist der ohrenbetäubende Lärm der Schuhformmaschine zu hören. Geschmolzener Gummi entweicht in schwarzen Dämpfen aus den Lüftungsschlitzen. In der Fabrik herrscht brütende Hitze. Mindestens acht Kinder sind hart bei der Arbeit. Sie stellen Schuhe her, einige kleben sie zusammen und andere sortieren sie nach Größen. Auch Mädchen im Teenageralter arbeiten dort. Die Jungs arbeiten wegen der Hitze ohne Hemd. Das können die Mädchen nicht und schwitzen deshalb umso mehr. Sie arbeiten wie Roboter, ihre Schultern hängen vor Müdigkeit herunter, aber sie machen weiter, da sie ein gewisses Tagesziel erreichen müssen. Von außen sieht das Gebäude aus wie das Innere einer Kohlenmine, vollkommen bedeckt mit Ruß. Ein Kinderarbeiter erzählt: „Meine Familie war am stärksten vom Lockdown betroffen. Mein älterer Bruder arbeitete früher hier. Dann musste ich mich anschließen, um ihn bei der finanziellen Unterstützung unserer Familie zu helfen. Mein älterer Bruder musste auch sein Studium aufgeben, um über die Runden zu kommen.“ 2)

Es gibt Push- und Pull-Faktoren, welche Kinder in die Arbeitswelt treiben. Ein wichtiger Push-Faktor ist die extreme Armut, allerdings ist Kinderarbeit nicht immer darauf zurückzuführen. Es gibt Familien mit niedrigem und mittlerem Einkommen, denen über Generationen institutionelle Bildung vorenthalten wurde und die einfach nicht sehen, welchen Wert Bildung für ihre Kinder haben könnte. Diese Familien schicken ihre Kinder beim ersten Anblick der Unaufmerksamkeit beim Lernen für einen winzigen Lohn als Lehrlinge zur Arbeit. Eine Lehrerin in Bangladesch erzählt: „Vor jedem Ramadan nehmen Schuhfabrikbesitzer unsere Schüler mit, um sie in ihren Fabriken einzustellen, da der Produktionsdruck davor wächst. Da der Arbeitskräftemangel in dieser Saison zunimmt, zahlen die Fabrikbesitzer im Voraus ein ansehnliches Gehalt, wenn man bedenkt, was Kinderarbeiter normalerweise bekommen.“ Einige dieser Schüler kehren nie zur Schule zurück, da sie als Arbeiter gefragt sind, sobald sie die für die Industrie erforderlichen Fähigkeiten beherrschen. „Ich selbst habe einige meiner Schüler aus den Fabriken rund um die Schule geholt und sie zum Unterricht gezwungen, aber es ist nicht immer einfach, sie zu halten“, fügt die Lehrerin hinzu. 2)

Um auf Kinderarbeit in der Schuhindustrie zu stoßen, muss jedoch nicht immer weit entfernt gesucht werden. Auch in Europa kommt es vor. Ein Bericht über die Schuhindustrie in Portugal legt offen, dass auch hier Kinder unter schrecklichen Bedingungen arbeiten. Sie arbeiten dort oft zwischen 10 und 14 Stunden täglich. Einige von ihnen fangen schon um 7 Uhr an und kommen nicht vor 21 Uhr zurück. Da dies illegal ist, sind sie nicht angemeldet und werden, sobald sie 18 Jahre alt sind, gefeuert. Es gibt Fälle, in denen Mädchen von Arbeitgebern vergewaltigt oder verprügelt wurden. So sind auch seelische und körperliche Erkrankungen keine Seltenheit. Auch in Italien ist Kinderarbeit in der Schuhindustrie ein Problem. Inspektoren können oft nicht viel ausrichten, weil die Fabriken geschlossen und unter den gleichen Bedingungen anderswo wiedereröffnet werden. Inzwischen ist auch die Mafia an Kinderarbeit als Einnahmequelle interessiert. Ein vierzehnjähriges Mädchen erzählt aus den Bedingungen einer Schuhfabrik: „Der Winter rückte näher, und die Fenster in der Werkstatt, in der ich mit 24 anderen arbeitete, waren geschlossen. Der Raum war etwa 10 Meter lang, wir saßen Rücken an Rücken. Die Luft war stickig von dem vielen Gestank, der nicht entweichen konnte … Alles war feucht und ungesund, es wimmelte von Spinnen, Schaben und Ratten. Wenn wir mit der Arbeit fertig waren, war unsere Kleidung feucht, kalt und roch nach Gummi.“ Einige Monate später war das Mädchen krank: „Zunächst fühlte ich mich schlecht und spürte ein Kribbeln in meinen Knöcheln, Knien und Armen…. Ich arbeitete weiter, bis ich keine Kraft mehr hatte aufzustehen. Im März konnte ich nicht einmal mehr laufen. Die Beine versteiften, sodass ich mehrmals in der Werkstatt stürzte.“ 3)

  1. International Labour Organization: Bangladesh Ratifies Fundamental ILO Convention on Child Labour; 22.03.2022
  2. The Business Standard: Bangladesh Finally Comitted to Eliminating Child Labour. But Can We Do It?; 12.06.2022
  3. Internationaler Bund freier Gewerkschaften: Keine Zeit zum Spielen: Kinderarbeit in der globalen Wirtschaft; Stand 29.09.2022

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