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Mit bloßen Händen im heißen Wasser: Kinder leisten gefährliche Arbeit in der Seidenproduktion

Beim Kochen der Seidenkokons kommt es oft zu Verbrennungen. |  Bild: Silk cloth production © Kritsada892 [Royalty Free]  - Dreamstime.com

Beim Kochen der Seidenkokons kommt es oft zu Verbrennungen. | Bild: Silk cloth production © Kritsada892 [Royalty Free] - Dreamstime.com

Vor allem in Indien gibt es oft Kinderarbeit in der Seidenproduktion. Begünstigt durch das indische Kastensystem schicken viele arme Familien ihre Kinder zum Arbeiten. Folglich können die meisten keine Schule besuchen. Häufig arbeiten die Kinder im Rahmen von sogenannter „bonded child labor“. Dabei werden sie den Fabrikbesitzern zur Verfügung gestellt, ihre Eltern erhalten dafür Geld. Folglich haben die Kinder selbst nichts von ihrem Verdienst, sondern werden ausgebeutet, um Schulden und Kredite ihrer Familien zu bezahlen. Bedingt durch die fehlende Bildung haben die betroffenen Minderjährigen später keine Chance, sich aus diesem System zu befreien. 1)2)3)

Die Arbeit in den Seidenfabriken ist hart, Kinder arbeiten zwischen zwölf und vierzehn Stunden am Tag. Zum Teil sind sie bereits als Fünfjährige in den Seidenfabriken tätig. Um die begehrten Naturfasern zu gewinnen und sie von den Raupen zu trennen, werden die Kokons in heißem Wasser gekocht. Kinder ziehen sich dabei oft Verbrennungen zu. Außerdem kann es zu Verletzungen und Infektionen durch tote Seidenraupen kommen. Das Verarbeiten der Seidenfäden führt häufig zu Schnittwunden an den Händen. Beim Färben der Seide atmen Kinder zudem giftige Dämpfe ein, die zu Krankheiten führen können. In den Fabriken gibt es auch immer wieder Fälle von körperlicher und sexueller Gewalt, der die arbeitenden Kinder schutzlos ausgeliefert sind. 4)5)2)6)

Seide ist schon seit der Antike ein hochgeschätztes und teures Material: Die daraus gefertigten Produkte sind weich, glänzend und temperaturregulierend. Seide wird aus den Kokons der Seidenraupe gewonnen und kommt ursprünglich aus China. Heute ist die Seidenproduktion in vielen asiatischen Ländern ein wichtiger Wirtschaftszweig. Von dort aus wird die Seide vor allem in westliche Staaten exportiert. Allein Deutschland importierte 2020 Seide im Wert von rund 31 Millionen Dollar. Doch trotz der hohen Preise gibt es nach wie vor Kinderarbeit in der Seidenproduktion. Daher stellt sich die Frage, was Verbraucher tun können, um dies zu vermeiden. 7)8)9)

Für Verbraucher ist es in jedem Fall sinnvoll, sich über Herkunft und Produktionsbedingungen von Seide zu informieren. Zudem gibt es verschiedene Möglichkeiten, die Ausbeutung von Kindern in der Seidenindustrie zu bekämpfen. Die einfachste Variante wäre, komplett auf Seide zu verzichten. Außerdem gibt es die Möglichkeit, auf Seidenalternativen wie AMSilk  oder seidenähnliche, pflanzenbasierte Stoffe wie Modal oder Tencel zu setzen. Da letztere aus Holzfasern gewonnen werden, können sie auch in Europa hergestellt werden. Kinderarbeit ist dort unwahrscheinlich. 8)10)

  1. U.S. Department of Labor: List of Goods Produced by Child Labor or Forced Labor; 23.06.2021
  2. surgeactivism.org: Slaves to silk: New CNN report exposes an industry of bonded labour; 25.03.2021
  3. Human Rights Watch: Child Slaves Abandoned to India’s Silk Industry; 23.01.2003
  4. Responsible Sourcing Tool: Silk; Stand 16.08.2022
  5. Lost Children: Kinderarbeit in der Textilindustrie; 25.07.2022
  6. Human Rights Watch: Child Slaves Abandoned to India’s Silk Industry; 23.01.2003
  7. Hausjournal: Edler Stoff: Diese Eigenschaften bringt Seide mit; Stand 16.08.2022
  8. Seidenwelt: Seidenanbau: Stand 16.08.2022
  9. TrendEconomy: Silk Imports and Exports 2020
  10. utopia: Seide: Was du über die Herstellung wissen solltest; 11.04.2022

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