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Auch bei Luxusmarken gibt es Kinderarbeit

In den ProduktioEin Junge arbeitet mit einer Nähmaschine in einer Fabrik.nsketten vieler teurer Luxusmarken findet Kinderarbeit stattIn den Produktionsketten vieler teurer Luxusmarken findet Kinderarbeit statt. |  Bild: n.v. © (c) Paulprescott | Dreamstime.com [Royalty Free]  - dreamstime.comIn den ProduktioEin Junge arbeitet mit einer Nähmaschine in einer Fabrik.nsketten vieler teurer Luxusmarken findet Kinderarbeit statt

In den Produktionsketten vieler teurer Luxusmarken findet Kinderarbeit statt. | Bild: n.v. © (c) Paulprescott | Dreamstime.com [Royalty Free] - dreamstime.com

Prada, Versace, Louis Vuitton – Luxusmarken gehören längst zum Image der Reichen und Schönen. Teure Markenklamotten sind ein Statussymbol; wer Louboutins oder Louis Vuitton – Taschen trägt, kann mühelos der Welt seinen Wohlstand demonstrieren. Hier hört der Glamour aber auch schon auf. Hinter der glänzenden Front der High-End-Fashion steckt die gleiche bittere Realität, die bei billigeren Marken wie Primark oder H&M immer wieder kritisiert wird: Riesige Warenhäuser mit unmenschlichen Arbeitsbedingungen, unwürdigen Löhnen, fahrlässigen Kontrollen – und auch Fälle illegaler Kinderarbeit.

Man könnte denken, bei Preisen wie denen der Luxusmarken müssten die Produkte zumindest fairer hergestellt werden als bei Marken, deren Kleidung für einen Bruchteil des Preises angeboten wird. Falsch gedacht. Die Vorstellung, dass höhere Preise auch bessere Herstellungsbedingungen bedeuten müssen, ist leider falscher Idealismus. In Wirklichkeit unterscheiden sich die Arbeitsbedingungen der Ketten, trotz deutlich höherem Kaufpreis, kaum bis gar nicht – oft wird sogar in den gleichen Fabriken produziert. Besonders beliebt bei Herstellern jeder Preisklasse ist Bangladesch, das Land, das für seine billigen Arbeitskräfte bekannt ist. Hier produzieren Hugo Boss, Tommy Hilfiger und Calvin Klein neben Primark und H&M. Bangladesch hat einen besonders schlechten Ruf, was die Beachtung und Durchsetzung von  Arbeitsrecht angeht. Hier ging 2013 der Fall von Rana Plaza um die Welt. Die Fabrik stürzte zusammen und kostete über tausend Arbeiterinnen und Arbeiter das Leben. Im Nachhinein stellte sich heraus, dass das Gebäude schon lange instabil war. Und das war nicht der einzige Menschenrechtsverstoß: Die Fälle von Kinderarbeit, Zwangsarbeit und Diskriminierung wurden erst nach der Tragödie bekannt – in den regelmäßigen Kontrollen gab es kein Anzeichen davon. Edelmarken wie jene, die in Rana Plaza produzierten, mögen also beteuern, Kinder- und Zwangsarbeit nicht zu unterstützen, dahinter steckt jedoch zu wenig echte Initiative. Kontrollen sind, wie Rana Plaza zeigt, kaum vertrauenswürdig; da sie meistens angekündigt sind, können die wahren Arbeitsbedingungen leicht kaschiert werden. Selbst viele Labels, die faire Herstellung versprechen sollen, führen erst auf Beschwerden hin unangekündigte Kontrollen durch.1)2)3)

Der Preis der  Kleidung alleine verspricht also keine faire Herstellung. Was aber wirklich überrascht: In einigen Fällen sind Billigmarken die bessere Option, was Arbeitsbedingungen angeht. Bei „Rank A Brand“ schneiden Marken wie Takko oder Orsay besser ab als einige Edelmarken wie Escada, Louis Vuitton oder Prada. Auch auf unserer Firmenliste sind diese Firmen vergleichsweise gut bewertet.4)5)6)

Aber nicht nur in der Textilindustrie gibt es High-End-Marken, die unter unmenschlichen Bedingungen für sich herstellen lassen. Bekannt sind derartige Fälle auch bei VW, BMW – und L’Oreal. Das mag erst mal nach einer merkwürdigen Kombination von Marken aussehen. Doch Autos und Make-Up haben eine Gemeinsamkeit: Mica, auch Glimmer genannt. Das Mineral wird von Kindern in indischen Minen unter härtesten Bedingungen abgebaut. Es hat eine glänzende, glimmernde Erscheinung – und ist deswegen beliebt für Kosmetik und auch für Autolacke. In den indischen Mica-Minen, in denen immer wieder Kinderarbeit aufgedeckt wurde, beziehen auch L’Oreal, VW und BMW Glimmer für Lippenstifte und Autolacke.7)

Auch für teure Sneaker oder High Heels lassen High-End-Marken Kinder schuften, wie die indische Aktivistin Sunila Singh berichtet. Sie erzählt von indischen Gerbereien, die Kinder unter schlimmsten Arbeitsbedingungen beschäftigen. Einen Ausweg gibt es für diese Minderjährigen natürlich, wie bei den meisten Formen der Schwarzarbeit, nicht. Neben bekannten Sneakermarken wie Nike oder Reebok beziehen aus solchen Gerbereien auch Armani, Gucci und Louis Vuitton.8)

Ja, Primark und Co. haben einen schlechten Ruf, was Kinderarbeit und Arbeitsbedingungen angeht. Wie erläutert, sind teurere Marken aber leider oft nicht besser. Es gibt dennoch Hoffnung: Viele Marken, inklusive der Luxus-Giganten, haben  sich das Beenden von Kinderarbeit in der eigenen Produktionskette zum Ziel gemacht. So lehnt zum Beispiel Gucci Kinderarbeit offiziell ab. Bei vielen der High-End-Marken ist außerdem der Anteil der Produktion, der in europäischen oder anderen Ländern mit strikten Gesetzen zum Arbeiter- und Kinderschutz produziert wird, relativ hoch. Das Geld, das für Gucci oder Prada benötigt wird, ist dennoch weiterhin besser investiert bei Marken, die in ihrer Lieferkette Engagement und Interesse an Arbeits- und Menschenrechten beweisen.9)

 

  1. Spiegel: „Faire Kleidung ist nahezu unmöglich“; Artikel vom 10.02.2017
  2. Blätter.de: Von Primark bis Hugo Boss: Geschäfte ohne Skrupel; Artikel aus 01/2015
  3. Brot für die Welt: Sechs Jahre nach Rana Plaza ; Artikel vom 17.04.2019
  4. d and c: Teuer bedeutet nicht fair; Artikel vom 18.01.2015
  5. Spiegel: „Faire Kleidung ist nahezu unmöglich“; Artikel vom 10.02.2017
  6. Tagesspiegel: Luxusmarken sind nicht fairer als Primark; Artikel vom 06.07.2014
  7. sumofus: BMW, VW, L’Oréal: Schluss mit der Kinderarbeit!; Petition, Stand 04.03.2022
  8. Wiener Zeitung: „Ausgebeutet wird immer. Manchmal auf etwas nettere Weise“ ; Artikel vom
  9. luxiders: Ist Gucci ein nachhaltiges Unternehmen? | Luxusmarkenanalyse; Stand 04.03.2022

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