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Kinderarbeit in der Gewürzindustrie bleibt oft unbemerkt

 |  Bild: n.v. © earthlink e.V. [Alle Rechte vorbehalten]  - earthlink-Bildarchiv

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Obwohl Gewürze in unserem Alltag genauso allgegenwärtig sind wie Kaffee oder Schokolade, ist das Bewusstsein für Kinderarbeit in diesem Sektor deutlich weniger ausgeprägt. Das ist allerdings nicht gerechtfertigt, da diese auch hier ein ernsthaftes Problem darstellt. Beispielsweise warnten zuletzt indische Behörden vor Kinderarbeit im Cardamomanbau, die durch die aktuell besonders akute Armut begünstigt werden kann. Diese war durch die dringend notwendigen Coronamaßnahmen zuletzt massiv ansteigend. Zudem kann diese leicht versteckt werden, da die Plantagen oft weit abgelegen sind. Fälle von Kinderarbeit im Cardamomanbau sind aber nichts Neues und auch außerhalb Indiens bekannt, beispielsweise aus Guatemala. Die Cardamomernte ist für Kinderarbeit auch prädestiniert, da die Früchte sehr niedrig hängen, wodurch Minderjährige sogar körperliche „Vorteile“ gegenüber Erwachsenen haben.1)2)3)

Mehr als 70 Prozent der weltweiten Kinderarbeit findet in der Landwirtschaft statt. In diesem Kontext wird auch immer wieder der Einsatz von Kindern beim Gewürzanbau erwähnt. Jedoch ist dieses spezielle Feld der Kinderarbeit wenig untersucht und die Zahlen sind schlecht aufgeschlüsselt. Bei genauerer Betrachtung jedoch, werden Studien häufig fündig: So sind inzwischen Fälle von Kinderarbeit beim Anbau von Kreuzkümmel in der Türkei, Chilischoten in Mexiko und Indien, Pfeffer in Vietnam Knoblauch in Argentinien, Sesam in Paraguay und Vanille in Madagaskar sowie Uganda konkret bekannt. Man kann jedoch davon ausgehen, dass die Dunkelziffer enorm ist, da viele Verdachtsfälle noch nicht geprüft wurden. Wie schwerwiegend die Kinderarbeit ist, differiert ebenfalls. Während manche Kinder nur wenig während der Ernte arbeiten müssen und die Schule besuchen können, sind andere in Zwangsarbeit gefangen und haben keine Chance auf Bildung. Auch körperlich drohen ihnen bei der Arbeit verschiedene Gefahren: Auf den Feldern sind sie oft ganztägig praller Sonne und extremer Hitze ausgesetzt. Zudem sind dort oft gefährliche Tiere unterwegs. Je nach Einsatzgebiet müssen Kinderarbeiter auch mit hochgiftigen Pestiziden hantieren oder sind durchgehend lungenschädigendem Gewürzstaub ausgesetzt.4)3)5)6)

Die Gründe für die Verbreitung von Kinderarbeit im Gewürzanbau sind so zahlreich wie die produzierten Gewürze. Zuallererst findet der Gewürzanbau häufig in stark verarmten Gegenden statt, wo Kinderarbeit oft zum Überleben der Familien notwendig ist. Zudem ist gerade die Gewürzernte oft sehr arbeitsaufwendig. Dieser Arbeitsaufwand wird aber oft nicht vom Preis gedeckt, den die Bauern bekommen, wodurch Kinder als billige Arbeitskräfte sehr begehrt sind. Die niedrigen Preise entstehen u.a. durch die Monopolstellung, die einige wenige Konzerne haben (in Deutschland hat die Firma „Fuchs“ ca. 80 Prozent Marktanteil), womit sie den Zulieferern die Preise diktieren können. Viele Bauern sind durch die Spezialisierung auf ein Gewürz sehr anfällig für komplette Ernteausfälle durch extreme Witterungen, die durch den Klimawandel sogar häufiger werden könnten. Problematisch ist auch, dass das Bildungsangebot oft spärlich ist und Kinderarbeit traditionell als sinnvoll angesehen wird, z.B. um Kindern früh das Arbeiten beizubringen. Die Bekämpfung wird zusätzlich dadurch erschwert, dass das Erntegut erst über eine Vielzahl an Zwischenhändler an die verarbeitenden Unternehmen und in unsere Regale kommt, was die Lieferketten höchst undurchsichtig macht.3)7)6)

Gegen Kinderarbeit zu helfen scheinen –wenig überraschend – gute Marktpreise und Wohlstand, zumindest identifiziert eine Studie dies als Gründe, warum sie im Kurkumaanbau in Indien keine Kinderarbeit feststellen konnte, obwohl diese von verschiedenen NGOs vermutet worden war. Auch wir können durch unseren Konsum mitarbeiten Kinderarbeit zu verhindern, indem wir fair gehandelte Produkte kaufen. Dadurch erhalten einerseits die Erzeuger faire Preise, womit sie ihre Familie versorgen können, andererseits wird auch in die dortigen Gemeinschaften investiert, wodurch z.B. die Kinder Zugang zu besserer Bildung und Gesundheitsversorgung erhalten. In Deutschland gibt es z.B. das Fairtrade-Label, das Produkte als fairgehandelt zertifiziert. Eine große Auswahl an solchen Gewürzen gibt es auch in Online-Shops von Fairhandels-Häusern, wie z.B. „El Puente“ oder „WeltPartner“ oder in einem Weltladen in Ihrer Nähe.3)

  1. The Hindu: Spectre of child labour in cardamom plantations; Artikel vom 31.8.21 []
  2. Kindernothilfe: Indien: Der Hunger ist größer als die Angst vor Corona; Abgerufen am 16.9.21 []
  3. Koninklijke Nederlandse Specerijen Vereniging: Due diligence toolkit for responsible business conduct, Module 2: Child Labour Due Diligence; Abgerufen am 16.9.21 [] [] [] []
  4. Zentrum für Nachhaltige Unternehmensführung: Hot Spot Guide Gewürze; Studie vom Juni 2020 []
  5. terre des hommes: Verbraucher-Tipps: Nüsse, Gewürze, Früchte, Säfte; Abgerufen am 16.9.21 []
  6. US DOL: 2020 List of goods produced by child labour or forced labour; 6.5.21 [] []
  7. epicurious: The Fair-Trade, Direct-To-Consumer Spice Companies You Should Know; Artikel vom 7.5.20 []

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