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Kinder riskieren ihre Gesundheit für die Ernte von Zuckerrohr

Kinderplantagenarbeiter in Bacolod, Philippinen |  Bild: Children in field cut crops © ILO/Joseph Fortin [CC BY-NC-ND 3.0]  - ILO Asia-Pacific / flickr

Kinderplantagenarbeiter in Bacolod, Philippinen | Bild: Children in field cut crops © ILO/Joseph Fortin [CC BY-NC-ND 3.0] - ILO Asia-Pacific / flickr

Zucker ist eines unserer liebsten Konsumgüter. 180 Millionen Tonnen werden weltweit jährlich produziert, verkauft und weiterverarbeitet – 78 Prozent davon Rohrzucker. Besonders dieser hat aber einen bitteren Nachgeschmack – vielleicht nicht für uns, sehr wohl aber für die Kinder, die in den Hauptexportländern oft für den Anbau der Zuckerrohrpflanzen arbeiten müssen.1)

Zuckerrohr wächst am besten in heißem, feuchtem Klima. Ideal für seinen Anbau ist daher der Globale Süden. Weltweit führend im Anbau ist Brasilien. Hier ist auch Kinderarbeit sehr weit verbreitet. Ein weiterer führender Zuckerrohrlieferant und Profiteur von Kinderarbeit: El Salvador. Dieser Exporteur ist berüchtigt, sowohl für die Ausbreitung von Kinderarbeit als auch für die herrschenden Bedingungen. Man vermutet, dass Minderjährige bis zu ein Drittel der Arbeitskräfte auf den Feldern ausmachen. Doch über die wahre Zahl bleibt nur zu mutmaßen. Nachzuweisen ist die Beschäftigung von Kindern nämlich nur schwer: Viele von ihnen sind gar nicht offiziell als Arbeitskräfte in die Ernte involviert, sondern begleiten formell nur ihre Eltern, die legal als Erntehelfer engagiert sind. Diese „Begleitungen“ fangen oft schon im Alter von 8-13 Jahren an. Die Voraussetzungen dieser Arbeit sind hart, die Belohnung gering. Für einen monatlichen Mindestlohn von umgerechnet 74 US-Dollar verbringen die Erntehelfer bis zu 9 Stunden täglich unter der sengenden Sonne – Wasser wird ihnen dabei nicht zur Verfügung gestellt. Die Ernte selber ist besonders für Kinder sehr gefährlich: Die Werkzeuge sind schwer und haben scharfe Klingen, Stoffe auf den Blättern der Pflanze rufen Hautirritationen hervor, und nicht zuletzt beinhaltet der Vorgang das Verbrennen von Pflanzenteilen. Hierbei besteht nicht nur Verbrennungsgefahr, sondern auch die aufsteigenden Dämpfe sind schädlich – für Kinderlungen insbesondere. Ärztliche Versorgung ist aber nicht vom Arbeitgeber gedeckt. Wer sich verletzt oder krank wird, muss selber dafür aufkommen.2)3)

Die gesundheitlichen Risiken der Arbeit sind jedoch nicht der einzige Faktor der Zuckerrohrernte, der Kinder und ihre Entwicklung gefährdet. Bei den niedrigen Löhnen müssen Kinder meist den ganzen Tag auf dem Feld verbringen, um sich und ihre Familie ernähren zu können. Hinzu kommt oft noch ein langer Arbeitsweg – das heißt: früh aufstehen und erst spät wieder nach Hause kommen. Zeit für Spielen, Familie und Freunde, die für eine gesunde Kindheit wichtig ist, fehlt den Kindern so. Auch ein regelmäßiger Schulbesuch bis zum Abschluss ist so oft nicht möglich. Die Ironie dabei: Die Arbeit, die oft den Schulbesuch finanziell ermöglichen soll, nimmt so viel Zeit ein, dass sie ihn letztendlich unmöglich macht. Die Kinder, die in die Schule gehen können, müssen sich früher oder später häufig zwischen Arbeit und Schule entscheiden – viele brechen deswegen ihre Ausbildung frühzeitig ab, um weiter genug Geld verdienen zu können. Die so fehlende Bildung nimmt ihnen auch jede Möglichkeit, einen anderen Lebensweg als die Arbeit in der Landwirtschaft einzuschlagen. So sind viele Kinder gezwungen, den Kreislauf der Billiglohnarbeit weiterzuführen, in den sie oft selbst aus finanziellem Druck von ihren Familien gebracht werden.2)

In vielen anderen Anbauregionen sieht es in Sachen Kinderausbeutung nicht besser aus. In Subsahara-Afrika beispielsweise ist Kinderarbeit besonders verbreitet. Auch hier ernten Minderjährige Zuckerrohr – teils für Preise, die weit unter dem vorgegebenen Lohn liegen und gerade einmal für Wasser und Seife reichen. Die Bezahlung ist zudem nicht einmal sicher – einige Feldbesitzer versprechen Bezahlung, die nie kommt. In der Zuckerrohrindustrie der Philippinen sieht es ähnlich aus: Hier berichten Minderjährige von sieben Stunden Arbeit für umgerechnet nur 3,50 US-Dollar.4)5)

Auch der Westen profitiert von dieser unter unfairen Bedingungen hergestellten Ware. Ein großer Abnehmer der Ware, die aus salvadorianischem Zuckerrohr hergestellt ist: ausgerechnet Coca Cola. Zwar hat der Marktriese einen Kodex, der die Nutzung von Kinderarbeit ausschließt, dieser hat jedoch ein Schlupfloch: Er bezieht sich nur auf den Direktlieferanten der Firma – in diesem Fall die Zuckerfabriken, in denen das Zuckerrohr zu Kristallzucker verarbeitet wird. Wenn diese jedoch ihre Rohmasse von Feldern beziehen, auf denen Kinderarbeit betrieben wird, ist das unter dem Regelkodex von Coca-Cola nicht zwingend gedeckt. Laut eigenen Statements sei bei den Direktlieferanten keine Kinderarbeit nachgewiesen worden; die Firma wäscht so ihre Hände in Unschuld.5)2)6)

Wer als Verbraucher zum Kampf gegen Kinderarbeit im Zuckeranbau beitragen will, kann also zum Einen beim Kauf von Zucker auf Auszeichnungen wie das Fairtrade-Siegel achten, die kinderarbeitsfreie Herstellung garantieren. Zum Anderen kann die gründliche Recherche von Firmen helfen – so kann man die Unterstützung von Konzernen, die Kinderarbeit in Kauf nehmen, verhindern. Hierbei kann auch unsere Firmenliste helfen.7)

  1. Allianz: Infografik: Zucker in Zahlen weltweit und in Deutschland; Stand 22.09.21 []
  2. Human Rights Watch: El Salvador: Kinderarbeit auf Zuckerplantagen; Artikel vom 09.06.2004 [] [] []
  3. Human Rights Watch: Child labor Report; Artikel vom 04.06.2004 []
  4. The Guardian: $1 a week: the bitter poverty of child sugarcane workers in Zimbabwe; Artikel vom 29.11.2019 []
  5. CNN: Life not sweet for Philippines‘ sugar cane child workers; Artikel vom 02.05.2012 [] []
  6. The Sydney Morning Herald: Coca-Cola accused of links with child labour; Artikel vom 11.06.2004 []
  7. Fairtrade Deutschland: Graswurzel-Studie: Junge Belizer im Kampf gegen Kinderarbeit; Artikel vom 15.08.2018 []

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