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Kinderarbeit, Menschenhandel und Armut: die nicht-touristische Seite Nepals

In Nepal sind Armut und Kinderarbeit weit verbreitet.  |  Bild: © n.v. [CC BY-NC-ND 2.0]  - Flickr

In Nepal sind Armut und Kinderarbeit weit verbreitet. | Bild: © n.v. [CC BY-NC-ND 2.0] - Flickr

Wenn man „Nepal“ hört, denken die meisten Menschen wohl an das Himalaya Gebirge, an den Mount Everest und an buddhistische oder hinduistische Tempel. Auch der Gedanke an asiatisches Essen und lokale Märkte mit etlichen Gewürzen, Stoffen und sonstigen exotischen Produkten kommt einem möglicherweise in den Sinn. Was den Wenigsten jedoch bewusst ist: Nepal ist das zweitärmste Land Asiens und eines der zehn ärmsten Länder der Welt. Rund die Hälfte der nepalesischen Bevölkerung lebt unterhalb der Armutsgrenze. Das begünstigt Kinderarbeit.1)

Obwohl der Schulbesuch für 6- bis 11-jährige Kinder kostenlos und verpflichtend ist, gehen nur etwa 84 Prozent der nepalesischen Kinder in die Schule. Viele müssen stattdessen arbeiten, um die eigene Familie finanziell zu unterstützen. Insgesamt 1,1 Millionen Minderjährige sind von illegaler Kinderarbeit betroffen. Mädchen müssen häufiger arbeiten und den Schulbesuch aussetzen als Jungen. Insbesondere im Agrarsektor, aber auch in der Industrie, im Bauwesen, im Dienstleistungssektor sowie im Tourismus, sind sehr viele Kinder beschäftigt.1)2)

Mädchen arbeiten häufig als Dienstbotinnen in privaten Haushalten. Als sogenannte „Kamalari“ (wortwörtlich: hart arbeitende Frau) stehen sie wohlhabenden Familien als persönliche Sklavin im täglichen Haushalt, bei der Kinderbetreuung oder bei der Mitarbeit auf der Farm zur Verfügung. Diese ausbeuterische Form der modernen Sklaverei ist zwar offiziell seit 2000 verboten, wird jedoch immer noch durchgeführt. Jungen arbeiten beispielsweise in Ziegelbrennereien und transportieren dort täglich bis zu 12 Stunden schwere Ziegelsteine. In Textilproduktionsstätten werden Kinder zur Herstellung von Bekleidung oder zum Besticken von Stoffen eingesetzt. Auf Baumwollfeldern arbeiten Minderjährige mit schädlichen Pestiziden und ernten die Baumwolle.3)

Allgemein ist Kinderarbeit mit langen Arbeitszeiten und miserablen hygienischen Zuständen am Arbeitsplatz verbunden. Viele Aufgaben setzen zudem den Einsatz von gefährlichen Werkzeugen, Maschinen oder gesundheitsgefährdenden Chemikalien voraus. Gezahlt wird den Kinderarbeitern (Jungen verdienen übrigens mehr als Mädchen) ein Hungerlohn – wenn überhaupt. Oftmals werden Löhne nämlich einbehalten und die Kinder zu Mehrarbeit gezwungen.4)

Gründe für die Kinderarbeit in Nepal sind – wie so oft – Armut und finanzielle Notlagen in breiten Teilen der Bevölkerung. Mädchen werden oftmals jung verheiratet, weil Eltern darauf hoffen, ihnen somit eine Chance auf ein besseres Leben zu geben. Seit 2008 ist die Zahl der Kinderarbeiter um eine halbe Million zurückgegangen. Nun droht diese allerdings wieder anzusteigen. Trotz zwischenzeitlichen positiven Entwicklungen im wirtschaftlichen und sozialen Bereich, scheinen nachhaltige Fortschritte in Nepal noch weit entfernt. Der langjährige nepalesische Bürgerkrieg zwischen 1996 und 2006 sowie Naturkatastrophen, wie das schwere Erdbeben von 2015 oder die aktuelle Corona-Pandemie, wirken fortschrittlichen Tendenzen entgegen.2)4)

Nepals Wirtschaft lebt vom Tourismus und von landwirtschaftlichen Exportgütern wie Reis, Kartoffeln und Mais. Deutschland importiert hauptsächlich Teppiche und Textilprodukte aus Nepal. Mit Sicherheit stammen einige dieser Produkte auf dem deutschen Markt aus illegaler Kinderarbeit. Von dem wenigen Geld, das wir für unsere Konsumgüter ausgeben, kommt so gut wie nichts bei den Kinderarbeitern an. So grausam es auch klingt: Wir profitieren von Kinderarbeit. Westliche Industriestaaten können nepalesische Waren vergleichsweise günstig importieren und dementsprechend billig an uns Konsumenten weiterverkaufen.5)4)

Solange Unternehmen Kinderarbeit in ihren Lieferketten nicht ausdrücklich unterbinden und sanktionieren, sind wir in unserem Handeln eingeschränkt. Wir können nur nachhaltige Alternativen wählen, wenn Unternehmen ihre Lieferketten und Produktionsorte transparent machen. Deshalb der Appell an die Politik: Führt endlich ein Lieferkettengesetz ein! Wir haben das Recht darauf zu erfahren, woher unsere Produkte stammen und unter welchen Bedingungen sie hergestellt werden. Und an die importierenden Unternehmen appellieren wir: Setzt euch für menschenwürdige Arbeitsbedingungen ein und sanktioniert gezielt Verstöße! Illegaler Kinderarbeit muss ein endgültiges Ende gesetzt werden.

  1. Humanium: Kinder in Nepal; Zuletzt aufgerufen am 18.05.2021 [] []
  2. The Himalayan: 1.1 million child labourers in the country; Artikel vom 30.04.2021 [] []
  3. Plan International: Kinderarbeit in Nepal;  Artikel vom 17.08.2015 []
  4. Spiegel Ausland: Arbeit statt Kindheit; Artikel vom 03.06.2020 [] [] []
  5. Alles über Nepal: Wirtschaft; Zuletzt aufgerufen am 18.05.2021 []
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