Teilen + unterstützen!

Unser Komfort: ein bisschen Kinderarbeit für ganz viel Fast-Fashion

Kinderarbeit in der Textilproduktion |  Bild: © ILO [CC BY-NC-ND 2.0]  - FlickrKinderarbeit in der Textilproduktion

| Bild: © ILO [CC BY-NC-ND 2.0] - Flickr

Dass Bekleidungsunternehmen übriggebliebene Kleidungsstücke vernichten, ist kein Geheimnis. Durch die Corona-Pandemie hat sich diese Lage jetzt allerdings erneut zugespitzt. Aufgrund des zweiten Lockdowns und der Schließung der Geschäfte wurden etwa 500 Millionen Kleidungsstücke der diesjährigen Winterware nicht verkauft. Hinzu kommt, dass die Lager der Textilhersteller und Unternehmen bereits durch den ersten Lockdown extrem überfüllt sind. Eine weitere Einlagerung der anfallenden Kollektionen ist deshalb aufgrund von Platzmangel schlicht unmöglich. Da die Trendentwicklungen der Mode sehr schnelllebig sind und Fast-Fashion-Unternehmen jährlich bis zu 20 Kollektionen auf den Markt bringen, lohnt es sich oft auch gar nicht, die Waren zu lagern oder im Sale anzubieten.1)2)

Fast-Fashion ist ein Konzept der Modeindustrie, bei dem Kleidung schnell und billig hergestellt und verkauft wird. Das Ziel ist es den Kunden dazu zu verführen, häufig neue Produkte zu kaufen. Das Konzept ermöglicht es Designern und Herstellern, möglichst schnell auf Veränderungen in der Nachfrage und im Trend zu reagieren. Der modebewusste Konsument findet an dieser Entwicklung durchaus seinen Gefallen. Für die Umwelt birgt die Schnelllebigkeit der Mode allerdings fatale Folgen. So ist die Textilindustrie beispielsweise für 20 Prozent des weltweiten Abwassers sowie für 10 Prozent der globalen CO2-Emmissionen verantwortlich. Außerdem verursacht die Textilbranche durch das Outsourcing der Produktion in Billiglohnländer globale wirtschaftliche und soziale Ungleichheiten zwischen den Produzenten und den Konsumenten.3)4)

Was geschieht nun mit der überproduzierten Kleidung? Wird sie gespendet? Werden die Textilien recycelt und anderweitig verarbeitet? Leider ist die Antwort darauf: Nein. Die traurige Wahrheit ist, dass es für Unternehmen in Deutschland kostengünstiger ist, ihre Produkte zu verbrennen oder zu entsorgen, als sie zu spenden. Da Bekleidungsunternehmen bei Sachspenden eine Umsatzsteuer von 19 Prozent zahlen müssen, würden Sie durch die gute Tat – zusätzlich zu den finanziellen Einbußen durch die Ladenschließungen– große Verluste machen.

Dass selbst Altkleiderspenden nicht ganz unproblematisch sind, zeigte sich ebenfalls in den letzten Monaten. So nutzen viele Menschen ihre Freizeit im Lockdown, um ihre Schränke auszusortieren. Dies führt dazu, dass extrem viel Kleidung weggeworfen wird und Altkleidercontainer überflutet werden. Das Spenden der Altkleider ist jedoch keine dauerhafte Lösung für die Massenproduktion der Fast-Fashion. Letztendlich ist das Angebot auch hier deutlich höher als die Nachfrage.5)

Das Problem liegt in unserer Konsumgesellschaft. Wir folgen durchgehend den neuesten Trends. Nicht einmal während einer weltweiten Pandemie kommt die Entwicklung von neuen Modetrends und unsere Lust am Einkaufen zum Stillstand. Die Produktion muss weitergehen – auf Kosten der Ärmsten und Schwächsten. In der Bekleidungsindustrie sind das insbesondere junge Frauen und Kinder.

In Entwicklungsländern führte die Corona-Pandemie zu Wirtschaftskrisen und schlimmen Hungersnöten. Viele Angestellte der Textilbranche verloren ihre Jobs. Um Geld einzusparen, stellten Firmen wieder vermehrt Kinder als billige Arbeitskräfte ein. Bildung ist die wirkungsvollste Maßnahme gegen Kinderarbeit. Aufgrund der Pandemie wurde jedoch der Zugang zu Schulen beschränkt, weshalb viele Minderjährige in die Erwerbsarbeit getrieben werden – oftmals um ihre arbeitslos gewordenen Eltern finanziell zu unterstützen6)

Dass Kinderarbeit physische und psychische Folgen mit sich bringt ist seit langem bekannt. Trotzdem hat sich die Situation sowohl für die Minderjährigen als auch für die meisten anderen Angestellten erneut beachtlich verschlechtert. Da es in den Produktionsstätten in Indien, Bangladesch, Myanmar und Kambodscha so gut wie keine Vorkehrungen gegen die Ausbreitung des Coronavirus gibt, sind die Angestellten diesem schutzlos ausgeliefert.7)

Während es in Deutschland vermehrt um die individuelle Freiheit und Selbstbestimmung im Hinblick auf das Leben mit dem Virus geht, sind immer mehr Kinder in Entwicklungsländern gezwungen, ihre Bildung aufzugeben und einen Lebensunterhalt zu verdienen. Ihnen steht kein sicherer Arbeitsplatz mit Abstandsregelungen, Schutzmasken oder gar Home Office zur Verfügung. Sie haben auch keine Aussicht auf eine Impfung. Um zu überleben, bleibt den Kindern nichts anderes übrig, als zu arbeiten und unsere Kleidung herzustellen, die wir dann bequem und sicher von Zuhause aus bestellen können.

  1. Südwestrundfunk: Verbrennen Textilhersteller ihre Neuware?; Artikel vom 25.02.2021 []
  2. Tagesschau: Spenden teurer als entsorgen; Artikel vom 31.01.2021 []
  3. Nachhaltige Kleidung: Fast Fashion; Artikel vom 10.02.2020 []
  4. Greenpeace: Eine selbstverschuldete Krise; Artikel vom 01.02.2021 []
  5. Mitteldeutscher Rundfunk: Corona-Krise befeuert Altkleiderflut; Artikel vom 13.01.2021 []
  6. IJM: Corona-Krise begünstigt Kinderarbeit und Sklaverei in der Textilindustrie; Stand vom 16.04.2021 []
  7. Saubere Kleidung: Synthesebericht – Auswirkungen von COVID-19 auf die Textilindustrie; Bericht von 2020 []

Ein Gedanke zu „Unser Komfort: ein bisschen Kinderarbeit für ganz viel Fast-Fashion“

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.