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Ostern: Kinder schuften für unsere Schokohasen

SchokohaseKinderarbeiter schuften auf westafrikanischen Kakaoplantagen für unseren Schokohasen. |  Bild: © Jutta M. Jennings [CC BY-NC-ND 2.0]  - FlickrSchokohase

Kinderarbeiter schuften auf westafrikanischen Kakaoplantagen für unseren Schokohasen. | Bild: © Jutta M. Jennings [CC BY-NC-ND 2.0] - Flickr

Das Osterfest ist hierzulande ein Schokoladenfest. Egal ob in Form eines Eis oder als Häschen – die Deutschen lieben Schokolade zur Osterzeit. Im Durschnitt essen Deutsche 1,1 Kilogramm Schokolade in der Osterzeit- Bei einem aktuellen Bevölkerungsstand von 83 Millionen Menschen, bedeutet das jährlich 93.300 Tonnen des süßen Vergnügens zur Osterzeit.1)2)

Um Schokolade herzustellen, benötigt man Kakaobohnen. Bis aus dem Rohstoff die regalfertige Schokolade entsteht, ist es jedoch ein langer Weg. Die Kakaopflanze wächst ausschließlich in tropischen Regionen wie Westafrika. Dort findet circa 70 Prozent des heutigen Kakaoanbaus statt. Hauptanbauländer sind die Elfenbeinküste und Ghana.  3)

Kleinbauern und Kleinbäuerinnen bauen den Kakao auf kleineren Parzellen zwischen 2 und 5 Hektar an. Der Anbau selbst ist sehr arbeitsintensiv und wird in Handarbeit durchgeführt. Die Kakaopflanze ist sehr empfindlich und benötigt daher besonders viel Pflege und Aufmerksamkeit. Damit ein halbes Kilo Kakao produziert werden kann, braucht es eine Jahresernte eines ganzen Baums.3)

Aufgrund der sehr mühsamen Arbeit, die mit dem Kakaoanbau verbunden ist, arbeiten nicht nur Bauern und Bäuerinnen auf Kakaoplantagen, sondern auch Kinder. In Westafrika beispielsweise sind es circa 1,5 Millionen Kinder, die unter ausbeuterischen Bedingungen arbeiten. Gemäß der Konvention 138 und 182 der Internationalen Arbeitsorganisation (ILO) sind allerdings alle Formen von Zwangsarbeit und Kinderarbeit, die sich schädlich auf die körperliche und seelische Gesundheit von Kindern auswirken können, verboten. Trotzdem helfen täglich Millionen von ihnen, unter teils lebensgefährlichen Bedingungen, in der Elfenbeinküste und Ghana bei der Ernte des Kakaos mit – das sind ungefähr 45 Prozent der Kinder aus landwirtschaftlichen Haushalten. Zu ihren Tätigkeiten gehört das Arbeiten mit gefährlichem Werkzeug wie beispielsweise Macheten um einerseits das Unkraut zu entfernen und andererseits die Kakaoschoten mit den Bohnen von den Bäumen abzuschlagen. Zudem müssen die Kinder oft sehr schwere Kakaosäcke tragen und giftige  Pestizide auf die Felder versprühen, damit das Unkraut vernichtet wird.  Während früher nur eins von 20 Kindern Pestizide auf Plantagen versprühen musste, sind es mittlerweile schon fünf von 20. Circa 10. 000 Kinder in Westafrika sind zusätzlich von Kinderhandel und –sklaverei betroffen. Hierfür werden sie aus anderen westafrikanischen Staaten wie Mali und Burkina Faso in die Elfenbeinküste verschleppt und gezwungen, dort auf den Kakaoplantagen zu arbeiten. Die körperlichen Folgen der Kinderarbeit sind enorm. Viele Kinder klagen über Schnittwunden von Macheten, Schwindel und Übelkeit durch die giftigen Pestizide oder Schmerzen durch das Tragen der schweren Kakaosäcke. Auch die seelischen Folgen wirken sich negativ auf das Leben der Kinderarbeiter aus. Ihnen wird ihre Kindheit gestohlen und die Möglichkeit sich kindsgerecht zu entfalten. Außerdem bleibt bei einem Großteil der Kinder die Schulbildung auf der Strecke, da sie oft den ganzen Tag auf den Kakaoplantagen beschäftigt sind. Ohne Schulabschluss und Berufsausbildung werden die Kinder keine Chance auf einen gutbezahlten Beruf haben, um ihren Kindern wiederrum ein besseres Leben zu ermöglichen – ein scheinbar nie endender Teufelskreis.4) 5)6)

Doch warum müssen Kinder dieser beschwerlichen Arbeit auf Kakaoplantagen nachgehen?  Einerseits liegt ein Teil der Verantwortung bei den großen Schokoladenherstellern wie Nestlé, Snickers oder Mars, die  die Kleinbauern und Kleinbäuerinnen nicht ausreichend bezahlen. Demnach müssen Kinder beim Kakaoanbau aushelfen, damit die Existenzen ihrer Familien gesichert sind. Andererseits tragen auch die Industriestaaten als Konsumenten von Schokolade für die Kinderarbeit eine Mitverantwortung, solange die Nachfrage nach der Süßigkeit weiter steigt.5)

Wer an Ostern einen Schokohasen vernaschen möchte, hinter dem keine ausbeuterische Kinderarbeit steckt, sollte sich deshalb Schokolade mit einem Fairtrade-Siegel kaufen. Mit diesem Gütesiegel versehene Schokoladen wurden fair gehandelt. Dazu gehört unter anderem auch ein Verbot von ausbeuterischer Kinderarbeit und Zwangsarbeit.5)7)

Da Schokolade allerdings als Mischprodukt zählt, kann nicht garantiert werden, dass jede einzelne Zutat Fairtrade-zertifiziert ist. Sofern Rohstoffe als Fairtrade-Variante verfügbar sind, werden diese verwendet. Damit das fertige Mischprodukt dann das Fairtrade-Siegel tragen darf, muss der Anteil aller Fairtrade-Zutaten gemessen am Nettogewicht des Endprodukts mindestens 20 Prozent ausmachen. Insofern kann der Fairtrade-Anteil bei Schokolade variieren. Der genaue Anteil der Fairtrade-Zutaten kann jedoch der Verpackung entnommen werden.8)

Trotzdem reicht es nicht aus, sich auf ein Gütesiegel zu verlassen. Vielmehr sollte unter den Konsumenten von Schokolade ein gesellschaftliches Umdenken stattfinden. Denn durch einen geringeren Schokoladenkonsum könnte die Nachfrage nach Kakao weltweit gesenkt werden. Dadurch ließen sich Kinderarbeit, Armut und Menschenrechtsverletzungen deutlich leichter bekämpfen.9)

  1. Hamburger Morgenpost: Süße Orgie an Ostern So viel Schokolade wird im Schnitt verzehrt; Artikel vom 27.02.2016 []
  2. Statistisches Bundesamt: Bevölkerungsstand; Stand vom 30.09.2020 []
  3. Make Chocolate Fair: Kakaoproduktion: ein Überblick; Stand vom 06.04.2021 [] []
  4. Make Chocolate Fair: Kinderarbeit im Kakaoanbau; Stand vom 06.04.2021 []
  5. Spiegel: Die dunkle Seite der Schokolade; Artikel vom 25.10.2020 [] [] []
  6. Kindernothilfe: Kinderarbeit: Schuften, um zu überleben; Stand vom 06.04.2021 []
  7. Fairtrade: Fairtrade-Kakao; Stand vom 06.04.2021 []
  8. Fairtrade: Mischprodukte; Stand vom 06.04.2021 []
  9. Utopia: Fairtrade-Schokolade: die wichtigsten Siegel; Artikel vom 18.12.2017 []

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