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Nachfrage nach Konfliktrohstoffen fördert Einsatz von Kindersoldaten

Kindersoldat mit Waffe |  Bild: Release of Child Soldiers in Pibor © UNMISS [CC BY-NC-ND 2.0]  - flickrKindersoldat mit Waffe

| Bild: Release of Child Soldiers in Pibor © UNMISS [CC BY-NC-ND 2.0] - flickr

Der kongolesische Junge Nestor Songolo ist gerade einmal 13 Jahre alt gewesen, als er und seine Freunde auf dem Schulweg von bewaffneten Milizen überfallen und verschleppt wurden. Anfangs zwangen ihn die Milizen mit Gewalt zum Kämpfen und Töten, später kämpfte und tötete er, um den Mord seiner ermordeten Mutter zu rächen. Selbst nach vorläufigen Friedensverhandlungen stellte sich für Nestor keine Normalität ein, da er seine Familie verlor, in seinem Dorf aufgrund seiner Taten geächtet wurde und nun mit schmerzvollen Erinnerungen an Gewalt- und Gräueltaten leben muss. Bei Nestor handelt es sich leider um kein Einzelschicksal: Weltweit gibt es viele Jungen und Mädchen, die ein ähnlich qualvolles Schicksal teilen. Um an das Schicksal von Kindersoldaten zu erinnern und zu einem stärkeren Engagement gegen den Einsatz dieser aufzurufen, findet jährlich am 12. Februar der Red Hand Day beziehungsweise internationale Tag gegen den Einsatz von Kindersoldaten statt.1)

 

Weltweit mehr als 250.000 Kindersoldaten

Ein Kindersoldat zu sein, geht nicht zwingend mit dem Tragen einer Waffe einher: Gemäß der Pariser Prinzipien sind „alle Personen unter 18 Jahren, die von Streitkräften oder bewaffneten Gruppen rekrutiert oder benutzt werden […], darunter Kinder, die als Kämpfer, Köche, Träger, Nachrichtenübermittler, Spione oder zu sexuellen Zwecken benutzt wurden“ als Kindersoldat*innen anzusehen. In aktuellen Schätzungen wird von bis zu 250.000 Kindersoldaten in mindestens 19 Ländern und über 60 Konfliktparteien ausgegangen. Die Heranwachsenden werden von regulären Armeen, aber auch von Rebellen- und Terrorgruppen wie Boko Haram und dem Islamischen Staat rekrutiert. In den meisten Fällen tauschen Kinder Schulbuch und Fußball nicht freiwillig gegen Schusswaffe und Machete ein: Sie werden zwangsrekrutiert und entführt, mit dem Einsatz von Drogen und Gewalt gehorsam gemacht oder von falschen Versprechungen gelockt, um der Armut zu entkommen. Die Kindersoldaten sind der Gewalt und Willkür erwachsener Soldaten schutzlos ausgesetzt, müssen selbst Gewalt ausüben und haben schwere, nicht kindgerechte Aufgaben zu verrichten. Sie leiden nicht nur unter einer unzureichenden Versorgung an elementaren Gütern wie Lebensmitteln, Wasser und Medizin, sondern auch an einer permanenten psychischen Belastung, welche durch die vielfältigen Gefahren und schlimmen Erlebnisse verursacht wird. Besonders Kindersoldatinnen sind häufig Opfer von sexuellen Übergriffen und den damit einhergehenden Infektions- und Geschlechtskrankheiten. Sind die kriegerischen Auseinandersetzungen beziehungsweise Konflikte beigelegt, befinden sich die ehemaligen Kindersoldaten immer noch in einer prekären Situation, da sie oftmals traumatisiert, verstümmelt oder mit anderweitigen physischen und psychischen Folgen in ihre Heimat zurückkehren. Ihre Heimat erkennen sie häufig nicht wieder, da ihre Dörfer oftmals zerstört und ihre Familie oft nicht mehr am Leben ist. Um der, aus einer fehlenden Schulbildung resultierenden, Perspektivlosigkeit zu entkommen, bleibt den Kindern oftmals nur eine kriminelle Laufbahn oder Prostitution als Ausweg.2)3)4)5)

Kinder als Soldaten im Kampf um Ressourcen und Macht

Tauchen Berichte und Meldungen über Kindersoldaten in der Medienlandschaft auf, geschieht dies meist im Zusammenhang mit gewaltsamen Konflikten in afrikanischen (z.B. Demokratische Republik Kongo, Südsudan, Mali, Zentralafrikanische Republik, Somalia, Jemen) und asiatischen (z.B. Afghanistan, Irak, Syrien, Myanmar, Philippinen) Ländern. Ein Großteil der Kindersoldaten wird von nichtstaatlichen Akteuren wie beispielsweise Warlords, Paramilitärs und Söldnertruppen (zwangs)rekrutiert, welche in innerstaatliche Konflikte involviert sind. Die Konflikte sind oftmals auf Armut und ökonomische sowie soziale Ungleichheit zurückzuführen. Sie entstehen meist in zerfallenden Staaten, die ihr Gewaltmonopol nicht aufrechterhalten können und dieses nach und nach an nichtstaatliche Akteure verlieren, die mithilfe von Gewalt eigene Interessen durchsetzen möchten und nicht an völkerrechtliche Verträge gebunden sind. In den Konflikten kämpfen die verschiedenen Parteien meist um den Zugang zu Bodenschätzen wie Diamanten, Gold und Coltan (z.B. Demokratische Republik Kongo) oder die Vormachtstellung in einem Land beziehungsweise einer Region (z.B. Afghanistan, Irak).6)7)

Mit gebrauchter Unterhaltungselektronik gegen den Einsatz von Kindersoldaten

Wird sich mit dem Schicksal der Kindersoldaten auseinandergesetzt, kommen meist unweigerlich Gefühle wie Traurigkeit und Zorn auf, da die schlimme Situation der Heranwachsenden für Entsetzen sorgt. Häufig kommt jedoch auch Hilflosigkeit auf, da ein Eingreifen in das, was in weit entfernten Ländern passiert, unmöglich erscheint. Dies ist jedoch nicht richtig. Eine einzelne Person kann zugegebenermaßen nicht im Alleingang die ganzen Probleme lösen, mit einem bewussten Handeln jedoch dazu beitragen, die Ursachen von Kindersoldaten zu bekämpfen. Wie dies erfolgen kann, soll anhand des Kampfes um Coltan in der Demokratischen Republik Kongo erläutert werden:

In vielen Konflikten mit der Beteiligung von Kindersoldaten geht es um den Zugang zu Rohstoffen und Bodenschätzen, welche auf den internationalen Märkten verkauft werden. Mit dem Verkauf der Rohstoffe werden Waffen und Kriege finanziert und die eigene Macht ausgebaut. Die verschiedenen Rohstoffe und Bodenschätze sind für die Konfliktparteien unter anderem deshalb von finanziellem Interesse, da sie Abnehmer auf den globalen Märkten finden. So sind beispielsweise die Coltan-Minen in der Demokratischen Republik Kongo so stark umkämpft, da der steigende Bedarf nach Unterhaltungstechnik (z.B. Handys, Tablets, Computer) zu einer erhöhten Nachfrage nach Coltan und dementsprechend auch zu einem erhöhten Coltan-Preis führt. Je nachgefragter ein Rohstoff ist, desto höher fällt dessen Preis aus und dementsprechend steigen mit zunehmender Nachfrage auch die Bemühungen der Konfliktparteien, die Kontrolle über die entsprechenden Rohstoffe auszuüben. Durch ein bewussteres Konsumverhalten und einen nachhaltigeren Umgang mit den umkämpften Rohstoffen und Bodenschätzen kann dem Einsatz von Kindersoldaten in zweierlei Hinsicht entgegengewirkt werden. Indem alte Unterhaltungstechnik nicht einfach im Müll landet, sondern recycelt wird und eine Neuanschaffung von Unterhaltungstechnik bewusster erfolgt, kann die internationale Coltan-Nachfrage reduziert werden. Der Nachfragerückgang führt zu verringerten Coltan-Preisen und beseitigt somit zumindest teilweise die finanziellen Anreize für die jeweiligen Konfliktparteien, die Kontrolle über die Coltan-Vorkommnisse zu haben. Dies kann zu einer Entschärfung der Konflikte beitragen und zu einem verringerten Bedarf an Kindersoldaten führen. Kann Coltan nur noch in einer geringeren Menge und zu einem geringeren Preis verkauft werden, brechen den Konfliktparteien die finanziellen Mittel weg, mit welchen Waffen sowie Kriege und dementsprechend auch Kindersoldaten finanziert werden.

Jede einzelne Person kann somit durch ein bewusstes Konsumverhalten und eine nachhaltige Verwendung von Rohstoffen einen Beitrag gegen den Einsatz von Kindersoldaten leisten. Neben einzelnen Konsumenten*innen sind aber vor allem Firmen, Unternehmen und internationale Staatengemeinschaften im Kampf gegen den Einsatz von Kindersoldaten gefragt, da diese maßgeblich bestimmen, ob überhaupt Produkte mit entsprechenden Rohstoffen zu kaufen sind.8)9)10)

  1. Deutsche Welle: Das Leben eines Kindersoldaten im Kongo; Artikel vom 15.09.2009 []
  2. terre des hommes: Kindersoldaten – Fakten und Forderungen; Aufgerufen am 17.02.2021 []
  3. unicef: Kindersoldaten in Afrika und weltweit- Opfer und Täter zugleich; Aufgerufen am 17.02.2021 []
  4. United Nations: Children and armed conflict; Artikel vom 09.06.2020 []
  5. Bundeszentrale für politische Bildung: Internationaler Tag gegen den Einsatz von Kindersoldaten; Aufgerufen am 17.02.2020 []
  6. Deutschlandfunk: Rohstoff-Grabbing für Handys und E-Auto-Batterien; Artikel vom 28.11.2019 []
  7. Deutsches Bündnis Kindersoldaten: Eine verlorene Generation? Die Folgen der Rekrutierung und des Einsatzes von Kindern im bewaffneten Konflikt im Irak; Artikel vom 12.02.2021 []
  8. Deutsche Welle: „Coltan-Fieber“: In jedem Handy steckt ein Stück Kongo; Artikel vom 16.06.2016 []
  9. Die Presse: Was hat mein Smartphone mit dem Bürgerkrieg im Kongo zu tun?; Artikel vom 19.01.2016 []
  10. Deutsche Welle: Kongo: Kinderarbeit für Smartphones?; Artikel vom 11.06.2017 []

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