Kinderarbeit bekämpfen heißt Armut bekämpfen

Anstatt zur Schule zu gehen, müssen viele Kinder schwer arbeiten, um ihre Familien zu ernähren. | Bild: © Judgefloro - Wikimedia Commons

Laut UNICEF muss fast jedes zehnte Kinder auf der Welt arbeiten gehen. Arbeiten, um zum Überleben der Familie beizutragen. Die Ursachen dafür sind teilweise die Folgen, sodass der Kampf gegen Kinderarbeit eine besondere Herausforderung darstellt.1)

Warum entscheiden so viele Eltern auf der Welt, ihre Kinder zur Arbeit zu schicken, anstatt zur Schule oder zum Spielen? Was die Eltern und Kinder antreibt, ist meistens die pure Not. Viele Familien in Entwicklungs- und Schwellenländern leben in tiefster Armut. Die Eltern sind teilweise so arm, dass sie nicht in der Lage sind, ihre Kinder zu ernähren, geschweige denn sie mit Schulsachen auszustatten. Die Kinder müssen dann zum Familieneinkommen beitragen. Arbeitgeber setzen Kinder und Jugendliche gern als billigere Arbeitskräfte ein. Der Lohn reicht kaum, um die Existenz zu sichern. Trotzdem bleibt den Kindern und Familien, welche oft durch Naturkatastrophen, Kriege oder Epidemien auseinandergerissen werden, keine andere Wahl als die Kindheit aufzugeben, um zu überleben. Vor allem Mädchen und junge Frauen haben in einigen Gesellschaftskreisen noch immer eine untergeordnete Rolle. Anstatt zur Schule, gehen sie häufig in viel zu jungen Jahren zu ihrer eigenen Hochzeit.2)3) 4)

Armut ist die Hauptursache für Kinderarbeit, andererseits ist Kinderarbeit auch eine Ursache für Armut. Wenn Kinder auf Plantagen, in Minen und Bergwerken oder als Dienstboten und Schuhputzer arbeiten, können sie nicht zur Schule gehen und keine Ausbildung erhalten. Eine gut bezahlte Arbeit zu finden wird sich für sie als sehr viel schwieriger erweisen als für ausgebildete Kinder und Jugendliche. Später werden sie dann kaum die Möglichkeit haben ihre Familie ausreichend zu ernähren. Vielleicht müssen sie sogar ihre eigenen Kinder zum Arbeiten zwingen. Es ist ein Teufelskreis der Armut, welchen die Betroffenen nicht selbst durchbrechen können.2)

Um Kinderarbeit erfolgreich zu bekämpfen, muss also auch die Armut bekämpft werden. Dabei gilt es, in vielen Regionen der Erde, zunächst das Überleben der Menschen zu sichern. Die Familien benötigen direkte Unterstützung und finanzielle Entlastung. Naturkatastrophen, Kriege und ökonomische Krisen rauben den Menschen oftmals jede Perspektive. Um diese Perspektivlosigkeit langfristig vorzubeugen, müssen mehr Entwicklungsgelder und Investitionen in die Bildungssysteme und das Gesundheitswesen fließen. Und da setzen die meisten Projekte für den Kampf gegen Kinderarbeit an. Neben Aufklärungsarbeit in den Industrieländern und Forderungen nach Lieferkettengesetzten wird hauptsächlich in die Bildung investiert. Denn wer lesen kann, ist klar im Vorteil. Und wer rechnen kann, kann von seinem Arbeitgeber nicht mehr so leicht hintergangen werden.3) 1) 2)

Die Projekte bauen dabei meistens auf eine Kombination aus der Verbesserung des Schulwesens und Hilfe zur Selbsthilfe. Denn ohne die Arbeitskraft und das Einkommen der Kinder könnten viele Familien nicht überleben. Deshalb werden den Eltern Möglichkeiten geschaffen, ihr Einkommen auf unterschiedlichste Weise langfristig zu steigern. Durch Schulungen in Handwerkskursen, Möglichkeiten von Kinderbetreuung, damit die Eltern einer Ausbildung nachgehen können, oder sogenannten Cash-for-Work-Programmen. Bei diesen leisten die Teilnehmer gemeinnützige Arbeit und werden dafür entlohnt. Die Teilnehmer können von dem Lohn ihre Familien wieder selbstständig versorgen, die lokale Wirtschaft wird angeregt und die Gemeinden werden gestärkt. Diese Programme bewehren sich zurzeit vor allem in Flüchtlingscamps, zum Beispiel im Irak.3) 5)

Ein solches Projekt ist das Kinderschutz-Programm von World Vision in Bangladesch. Die Initiative unterstützt Bildungszentren vor Ort, arbeitende Kinder zu fördern, sodass sie möglichst schnell in das reguläre Schulsystem integriert werden können. Dafür werden Hunderte Kinder in Dhaka und Chittagong aus gefährlichen Berufen gerettet und Tausende unterstützt wieder eine normale Schule zu besuchen. Das Projekt setzt neben der direkten Rettung von Kindern auch auf die Aufklärung. Mitarbeiter der Bildungszentren suchen das Gespräch mit den Betroffenen. Eltern, Arbeitgeber und Kinder sollen ihre Rechte kennen, um vor Ausbeutung und Missbrauch geschützt zu sein. Damit die Eltern den Verdienst ihrer Kinder ausgleichen können, unterstützt World Vision mit verschiedenen einkommensfördernden Maßnahmen. Diese sind zum Beispiel Spargruppen für die Mütter ehemaliger Kinderarbeiter, um ein Startkapital für eigene kleine Geschäfte aufzubauen, oder Weiterbildungen und handwerkliche Ausbildungen.6)

Auch in Nepal gibt es Projekte zur Bekämpfung von Kinderarbeit. Caritas international initiierte gemeinsam mit Child Nepal ein umfassendes Programm zum Schutz von Kindern. Auch hier wird auf intensive Gespräche mit den Eltern von Kinderarbeitern gesetzt, um sie davon zu überzeugen, wie wichtig eine gute, abgeschlossene Schulbildung für ihre Kinder ist. Die Organisationen setzen sich dafür ein, Kinder, die wegen der Arbeit von ihren Familien getrennt wurden, wieder nach Hause und zurück in die Schule zu bringen. Das Programm ermöglicht warme Mahlzeiten in den Schulen, moderne, gut ausgestattete Klassenräume und Stipendien und Rechtshilfe oder Beratung für die Familien. Außerdem unterstützt Child Nepal die Eltern bei den Schulkosten und beim Anlegen von Gemüsegärten, welche die Haushaltskasse füllen und den Hunger stillen können.7)

Doch damit der Kampf gegen Kinderarbeit erfolgreich ist, müssen wir Ursachen, sowie Symptome angehen. Wir als Konsumenten können großen Einfluss auf das Verhalten von Firmen und Unternehmen zu Kinderarbeit ausüben. Der Käufer kann dahingegen Druck ausüben, da die Firma als Verkäufer auf sein Geld angewiesen ist. Wenn sich nun nach und nach entwickelt, dass Produkte, die zum Beispiel mit dem “Blauen Engel”-Siegel zertifiziert sind, vorrangig gekauft werden, oder sogar Produkte ohne spezielles Siegel für Kinderarbeit benachteiligt werden, müssen Firmen ihre Produktionsstandards den Wünschen der Konsumenten anpassen. Das heißt, sie müssen sich für die Beseitigung von Kinderarbeit engagieren, indem sie zum Beispiel deren Eltern zu ordentlichen Löhnen und menschenwürdigen Bedingungen anstellen oder Projekte initiieren oder unterstützen. Ansonsten hat ihr Geschäft in Industrieländern keine Zukunft. Wird das Konsumverhalten von jedem Einzelnen überdacht, ist der erste Schritt in Richtung faire Gesellschaft getan.

  1. unicef: Ursachen von Kinderarbeit stärker bekämpfen; Artikel vom 11.06.2019 [] []
  2. sos-kinderdörfer: Kinderarbeit Familien stärken ist die beste Prävention; aufgerufen am 27.01.2021 [] [] []
  3. caritas international: Wieso gibt es Kinderarbeit und was können wir dagegen tun?; aufgerufen am 26.01.2021 [] [] []
  4. terre des hommes: Warum arbeiten Kinder? Ursachen und Hintergründe; aufgerufen am 26.01.2021 []
  5. malteser international: Cash-for-Work-Programme: neue Methode humanitärer Hilfe; aufgerufen am 26.01.2021 []
  6. world vision: kleine Hände, schwere Arbeit Bildungszentren bieten Kinderarbeitern eine Chance; Artikel vom 13.08.2019 []
  7. caritas international: Nepal: Eine Zukunft für die Kinder; Artikel vom Juli 2018 []

Über Carla / earthlink

Ich bin Carla, 18 Jahre alt und bin Praktikantin bei Earthlink. Ich möchte vor dem Studium neue Erfahrungen sammeln und mein Interesse für Entwicklungspolitik vertiefen. Ich freue mich darauf, über Fluchtursachen, Menschenrechte, Kinderarbeit und Drogen zu berichten.
Dieser Beitrag wurde unter Internationales abgelegt und mit , , , , , , , , , , , , , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.