Schokoladenindustrie scheitert seit 20 Jahren an der Bekämpfung von Kinderarbeit

Schokolade

Für die Produktion von Kakaobohnen arbeiten 2 Millionen Kinder in der Elfenbeinküste und Ghana | Bild: © Security [CC0 1.0] - Pixabay

Für die Schokolade in deutschen Supermärkten müssen Kinder in Entwicklungsländern arbeiten. Das ist kein Geheimnis und sollte jedem bekannt sein. Trotzdem wird diese Tatsache gerne vergessen, wenn man vor dem Supermarktregal steht. Vor fast 20 Jahren haben sich die großen Schokoladenhersteller, darunter M&M / Mars, Nestle und Hershey‘s verpflichtet, Kinderarbeit in der Produktion ihrer Schokolade zu bekämpfen. Im Harkin-Engel-Protokoll wurde 2001 festgeschrieben, dass die gefährlichsten Formen von Kinderarbeit um 70 Prozent reduziert werden sollen. Dies gilt vor allem in den Hauptanbauländern für Kakao, der Elfenbeinküste und Ghana. Zunächst sollte das Ziel bereits 2015 erreicht werden, als das scheiterte dann 2020. Die Universität von Chicago hat sich im Auftrag des US-Außenministeriums in einer Studie mit den Fortschritten zur Umsetzung des Protokolls beschäftigt.1)

Die Ergebnisse sind ernüchternd, die Konzerne haben ihr Ziel verfehlt, die Lage hat sich in den letzten Jahren verschlechtert. In der Elfenbeinküste und Ghana arbeiten in etwa zwei Millionen Kinder in der Kakaoproduktion. Sie verrichten nach Definition der Internationalen Arbeiterorganisation (ILO) gefährliche Arbeit, die schlimmste Form der Kinderarbeit. Auf den Feldern müssen sie mit scharfen Werkzeugen wie Macheten arbeiten, schwere Lasten tragen und sind Chemikalien ausgesetzt. Um den Ertrag zu erhöhen, werden immer mehr Dünger und Pflanzenschutzmittel verwendet, darunter leiden die Kinder besonders.

Die Kakao- und Schokoladenindustrie hat in den letzten Jahren rund 215 Millionen Euro in die Bekämpfung von Kinderarbeit in ihren Produktionsketten investiert. Die absolute Zahl klingt nach einer Menge Geld. Im Vergleich zu den Einnahmen der Firmen ist es aber praktisch nichts. Die Ausgaben der Schokoladenindustrie für den Kampf gegen Kinderarbeit in den letzten Jahren entsprechen gerade einmal 0,2 Prozent ihres weltweiten Jahresumsatzes 2019. Die Initiativen gegen Kinderarbeit sind viel zu klein, sie erreichen vielleicht ein paar Tausend Kinder, auf den Kakaoplantagen arbeiten aber zwei Millionen.

Armut ist der Hauptgrund von Kinderarbeit. Damit die Familie überlebt, müssen alle mithelfen, egal ob sie erwachsen sind oder nicht. Familien, die es sich leisten können, Erntehelfer zur Hauptsaison einzustellen, greifen deutlich seltener auf Kinderarbeit zurück. Solange der Preis, den Unternehmen für Kakaobohnen zahlen, nicht steigt, werden Kinder in der Produktion arbeiten. Viele dieser Unternehmen sind genau die Schokoladenproduzenten, die versprochen haben, Kinderarbeit zu bekämpfen. Im Moment kostet eine Tonne Kakaobohnen 1500 Dollar. Um die Existenz der Bauern in der Elfenbeinküste zu sichern, müsste der Preis bei 3200 Dollar liegen.2)

Die Hauptverantwortung liegt bei den Unternehmen, die nicht so genau wissen wollen, woher ihre Kakaobohnen kommen, solange sie billig genug sind. Sie sind allerdings auch dem Markt unterworfen. Wenn niemand eine Tafel Schokolade kauf, die doppelt so viel kostet, wird sie auch niemand anbieten.

  1. Chocolate Manufacturers Association: Protocol for the growing ans processing of cocoa beans and their derivative products; Stand 01.12.2001 []
  2. Spiegel: Die Schokoladenindustrie ist bei der Bekämpfung von Kinderarbeit gescheitert; Stand 04.05.2020 []

Über Fabian / earthlink

Ich bin Fabian, 22 Jahre alt und mache für die nächsten 3 Monate mein Praktikum bei Earthlink. Sonst studiere ich Politikwissenschaft an der TU München mit Fokus auf internationalen Beziehungen und Data Science.
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