Kinderarbeit auf Teeplantagen – immer noch ein weltweites Problem

Bild Tee

Weltweit erfreut sich der Tee äußerster Beliebtheit - so auch in Deutschland. Für ihn müssen jedoch Kinder in zahlreichen Ländern auf Plantagen arbeiten. | Bild: © Gourmandise [CC BY-NC-ND 2.0] - flickr

Die Tasse Tee, egal ob morgens, abends oder dazwischen: Für viele ist sie ein Muss. Tatsächlich wird Tee nach Wasser weltweit am zweithäufigsten konsumiert: 70.000 Tassen Tee werden pro Sekunde rund um den Globus getrunken. Auch wenn Deutschland nicht wirklich als Teetrinker-Nation gilt, ist das Heißgetränk auch hierzulande äußerst beliebt. Was viele dabei nicht wissen: Für unseren Genuss sorgen oftmals auch Kinder, die auf den Teeplantagen arbeiten müssen. 1) 2) 3)

So beispielsweise auf den Teeplantagen in Assam, einem Bundesstaat im Nordosten Indiens. Nach China ist das Land der zweitgrößte Teeproduzent weltweit. Tee aus Assam wird unter anderem auch nach Deutschland verkauft. In Indien ist die Teeproduktion die Branche mit den niedrigsten Löhnen und schlechtesten Lebensbedingungen für ihre Arbeiter. Oftmals sind es die hohen Quoten, die Teepflücker erfüllen müssen, weshalb diese oft auf die Hilfe ihrer Kinder angewiesen sind. Die Quote von Schulabbrechern unter Kindern indischer Teearbeiter ist extrem hoch, da ihre Eltern aufgrund des niedrigen Verdienstes die Familie nicht ernähren können. Die Menschen, die auf den Teeplantagen Assams arbeiten, gehören mit zu den ärmsten Bevölkerungsgruppen Indiens. Auf den Feldern helfen Töchter ihren Müttern bei der Arbeit, um deren spärlichen Lohn aufzustocken, wobei der Schulbesuch auf der Strecke bleibt. Spätere Armut ist dadurch abzusehen – ein Teufelskreislauf.4) 5) 6) 7)

Doch nicht nur in Indien, auch in zahlreichen Ländern Afrikas wird Tee von Kinderhand produziert: Alleine in Westuganda sollen Untersuchungen zufolge rund 40.000 Kinder aus der Armut heraus als Teepflücker gearbeitet und dabei lediglich 30 US-Cent verdient haben. Für Mahlzeiten reicht dies kaum aus. Auch in Malawi müssen Kinder auf den Plantagen ran, da ihre Eltern bei der Arbeit selbst zu wenig verdienen. Weitere afrikanische Länder, die in diesem Zusammenhang zu nennen sind, sind Kenia, Ruanda und Tansania. Auch in Sri Lanka arbeiten Kinder als Teepflücker, wobei sie häufig sogar sexueller, körperlicher und psychischer Gewalt ausgesetzt sind. Andere asiatische Länder mit Kinderarbeit in der Teeindustrie sind beispielsweise Vietnam und Myanmar.7) 8) 9)

Die Folgen, die sich für die Kinder aus der Arbeit auf den Plantagen ergeben, sind vielfältig: Das Tragen schwerer Lasten kann zu Rückenproblemen und Langzeitschäden führen. Auch der Kontakt mit giftigen Pestiziden schadet ihrer Gesundheit. Der Zusammenhang von ausbleibendem Schulbesuch und späterer Armut, der bereits erwähnte Teufelskreis, schadet den Kindern ebenso. 10) 11)

Wer bei seinem Einkauf auf fairen Handel und die Bekämpfung von Ausbeutung achten möchte kann sich auch beim Tee an bestimmten Siegeln und Zertifizierungen orientieren: Das Fairtrade-Siegel verbiete Kinderarbeit und zahlt den Erzeugern einen höheren Preis. Andere Siegel beziehungsweise Unternehmen für fair erzeugten Tee sind beispielsweise GEPA und El Puente.12) 13)

  1. Human Trafficking Search: What’s Behind Your Cup of Tea?; Stand 2019 []
  2. Alumniportal Deutschland: Abwarten und Tee trinken; Stand September 2011 []
  3. HAZ: Das sind die Trends beim Tee; Stand 09.03.2020 []
  4. Verité: Commodity Atlas: Tea; Stand 17.07.2020 []
  5. Stern: Reportage: Indien: Das Geschäft mit den kleinen Händen: Wie Kinderarbeit arme Familien arm hält; Stand 05.03.2020 []
  6. Evangelisch.de: Stiftung Childaid Network: In Schwarztee steckt Kinderarbeit; Stand 28.02.2020 []
  7. The Green Vegans: Human rights violations in the tea industry; Stand 27.05.2018 [] []
  8. Yatea: Let’s talk about child labor in the tea industry; Stand 20.07.2019 []
  9. U.S. Department of Labor: 2018 List of goods produced by child labor or forced labor: Required by the Trafficking Victims Protection Reauthorization Act of 2005; Stand September 2018 []
  10. World Vision: The storm in your teacup: Labor exploitation in the global tea industry; Stand 2014 []
  11. Dreikönigsaktion: Kinderarbeit stoppen; Stand 17.07.2020 []
  12. Utopia: Genuss mit gutem Gewissen: Tee aus fairem Handel; Stand 20.02.2016 []
  13. Terre des hommes: Konsum ohne Kinderarbeit: Tipps für einen fairen Einkauf; Stand 2014 []

Über Clemens / earthlink

Hi, mein Name ist Clemens, ich bin 19 Jahre alt und mache für mehrere Monate ein Praktikum bei earthlink. Ich interessiere mich sehr für globale und entwicklungspolitische Themen allgemein, und insbesondere für den Kontinent Afrika, den Nahen Osten und den Arabischen Raum. Ich bin gespannt, mehr über diese Themen zu erfahren und darüber zu berichten.
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