Weiterhin arbeiten viele Kinder im Kakaoanbau

Kakaoschoten

Die Kinderarbeit im Kakaoanbau nimmt zu | Bild: © Frank Kehren [(CC BY-NC-ND 2.0) ] - flickr

Das kleine Stückchen Schokolade zum Espresso oder einfach zwischendrin an grauen Tagen – 11,5 Kilogramm durchschnittlich genehmigen sich die Deutschen von der süßen Sünde pro Jahr. Doch weiterhin müssen für den kleinen Genuss mehr als zwei Millionen Kinder in Ghana und an der Elfenbeinküste auf Kakaoplantagen arbeiten. 70 Prozent des weltweiten Kakaos wird in Westafrika produziert, der Großteil davon in Ghana und an der Elfenbeinküste.1)2)3)

Eigentlich sollte die Kinderarbeit auf Kakaoplantagen in beiden Ländern bis 2020 um 70 Prozent reduziert werden. 2001 verpflichteten sich weltweit viele Schokolandehersteller dazu, 2010 wurde diese Verpflichtung schriftlich fixiert. Eine Studie der Universität von Chicago zeigt aber, dass die Kinderarbeit innerhalb von 10 Jahren von 30 auf 41 Prozent gestiegen ist. Fast alle Kinder müssen gefährliche Arbeiten leisten: So müssen sie mit Macheten Kakaobohnen ernten oder schwere Lasten tragen. Das hat dramatische Folgen für die Kinder, sowohl für ihre Gesundheit als auch für ihre Bildung. Für einen Schulbesuch bleibt keine Zeit. Fabrice Amangoua ist 35 und hat früher auf der Kakaoplantage seiner Eltern gearbeitet, seinen Namen kann er bis heute nicht schreiben. Auch Serge Alain Affain musste schon früh arbeiten. Weil er sich bei der Ernte mit einer Machete den Arm verletzt hat, konnte er danach keinen Stift mehr halten und die Schule nicht mehr besuchen. Diese beiden Schicksale stehen beispielhaft für die teilweise menschenunwürdigen Bedingungen unter denen Kindern im Kakaoanbau leiden müssen.2)4)5)

Ein Grund für den Anstieg der Kinderarbeit ist der Weltmarktpreis für Kakao. So ist der Preis in den letzten zehn Jahren eine Zeit lang um ein Drittel eingestürzt. Jetzt müssen Bauern das Doppelte an ihrer Kakaoproduktion verdienen, um zu überleben. Friedel Hütz-Adams vom entwicklungspolitischen Institut Südwind spricht von einem direkten Zusammenhang zwischen Preis und Kinderarbeit.2)

30 Gramm Kakao sind in einer durchschnittlichen Tafel Schokolade enthalten, dafür bekommt ein Bauer etwa sieben Cent. Dabei spielt es keine Rolle, wie teuer die Schokolade ist – der Gewinn bleibt nicht bei den Bauern hängen. Schon ein paar Cent mehr für den Kakao und schließlich auf für die Schokolade könnten den Bauern ein sicheres und stabiles Einkommen ermöglichen. Davon würden auch die Kinder profitieren, denn die Studie aus Chicago hat gezeigt: Dort wo Familien finanzielle Unterstützung bekommen, geht auch die Kinderarbeit zurück.2)

Wer sich dafür einsetzen will, sollte beim nächsten Schokoladenkauf auf das Fair-Trade-Siegel achten. Auch UTZ und Rainforest Alliance enthalten ein Verbot von Kinderarbeit, das Fair-Trade-Siegel kann die Herkunft der Rohstoffe aber besser nachweisen. Ein völliger Boykott von Schokolade würde die Situation allerdings nicht verbessern, da damit den Bauern ihr Absatzmarkt wegfallen würde.5)6)

  1. MakeChocolateFair: Kakaoproduktion – ein Überblick: Stand heute, 22.6.2020 []
  2. Tagesschau: Noch viel Kinderarbeit in der Schokolade: Artikel vom 12.6.2020 [] [] [] []
  3. Handelszeitung: In diesen Ländern ist die Lust auf Schokolade am grössten: Artikel vom 15.3.2016 []
  4. Südkurier: Kinderarbeit auf Kakaoplantagen – Die bittere Seite der Schokolade: Artikel vom 27.1.2018 []
  5. Spiegel: Millionen Kinder müssen auf Kakaoplantagen schuften: Artikel vom 5.8.2015 [] []
  6. Test.de: Nach­haltig­keits­siegel – Können Verbraucher Fairtrade, Utz & Co vertrauen?: Artikel vom 20.5.2016 []

Über Tobias / earthlink

Ich bin Tobi, 23 Jahre alt und für zwei Monate Praktikant bei Earthlink. Ich studiere in Freiburg Politikwissenschaft und interessiere mich besonders für entwicklungspolitische Themen in Sub-Sahara-Afrika.
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