Hausmädchen in Pakistan: Ein tödlicher Job

Gewalt gegen Frauen und Mädchen ist ein ernsthaftes Problem in Pakistan. Dienstmädchen sind besonders betroffen. | Bild: © Kostya Vacuum [CC BY 2.0] - flickr

Rawalpindi, Pakistan – Weil ihr beim Füttern versehentlich zwei wertvolle Papageien entkamen, wurde die achtjährige Zhora vergangenen Sonntag brutal von dem Paar, bei dem sie als illegales Hausmädchen arbeitete, zusammen geschlagen und anschließend im Krankenhaus abgesetzt. Dort erlag das Mädchen am Montag ihren Verletzungen. Die Täter hatten sie angestellt, um auf das Kleinkind des Paares aufzupassen, im Gegenzug sollte ihre Schuldbildung bezahlt werden. Schuldbildung und Lohn blieben jedoch ein leeres Versprechen. Ob die Verletzungen des Mädchens auch Anzeichen einer möglichen Vergewaltigung aufweisen, wird aktuell geprüft.

Schicksale wie das der kleinen Zhora sind in Pakistan keine Seltenheit. Regelmäßig werden Dienstmädchen zu Tode geprügelt. Im Juni 2018 wurden ein Richter aus Islamabad und seine Frau zu drei Jahren Haft und einer Geldstrafe von 500.000 Rupien (umgerechnet 5.890 Euro) verurteilt, weil sie ihr 10-jähriges Hausmädchen gefangen hielten, ihre Hand verbrannten, sie schlugen und bedrohten.  Beispiele wie diese sind jedoch nur die Spitze des Eisberges. Die meisten Misshandlungen geschehen still und leise im Verborgenen. Kinderarbeit ist in Pakistan allgemein ein großes Problem. Zwar ist die Arbeit von Kindern unter 14 Jahren gesetzlich verboten, in der Realität gehen jedoch bereits die Kleinsten Tätigkeiten in Fabriken oder auf den Feldern ihrer arbeitenden Vätern nach, um zum Familieneinkommen beizutragen. Die Kinderarbeit bloß mit westlichen Augen zu betrachten, wird dem Phänomen jedoch nicht gerecht. In dem südasiatischen Land ist Kinderarbeit sozial akzeptiert. Ein arbeitender Sohn oder eine arbeitende Tochter bringen einer armen Familie mehr als ein Kind, das gut Lesen und Schreiben kann. 2018 arbeiteten insgesamt etwa 12 Millionen Minderjährige in Pakistan. Die Dunkelziffer ist weitaus höher.1)2)3)

Die Bedingungen für Hausangestellte gelten als besonders schlecht. Mädchen und Frauen sind am stärksten betroffen. Grund für die Ausbeutung sind auch die hierarchischen Gesellschaftsstrukturen. Kommunikation zwischen den unterschiedlichen Schichten findet praktisch nicht statt. Die meisten Haushalte halten zum Beispiel ganz selbstverständlich separates Geschirr für die Haushaltshilfen bereit, manchmal auch separate Toiletten. Gibt es diese nicht, müssen die Angestellten selbst schauen, wo sie ihre Notdurft verrichten. Einhaltungen bestimmter Ruhezeiten werden vom Gesetzgeber nicht geregelt. Auch das Mutterschutzgesetz findet keine Anwendung, obwohl viele Frauen dringend darauf angewiesen wären. Im Nachbarland Indien sieht es genauso aus. Arbeitstage von bis zu 18 Stunden, für wenig mehr als drei Euro am Tag, sind normale Bedingungen. Um in die Schule zu gehen, bleibt so natürlich keine Zeit. In Indien arbeiten groben Schätzungen zufolge mehr als vier Millionen Menschen als Hausangestellte. Seinen Ursprung hat dieses Bedienstetensystem in der Kolonialzeit. Es hält sich bis heute, beutet aus und zerstört Kindheiten.4) 2014 löste eine Welle der Gewalt gegen Hausangestellte Demonstrationen und Forderungen nach mehr Schutz aus. Das Leid ist geblieben – die Kinder müssen noch immer sterben, um überhaupt beachtet zu werden.

  1. CNN: Eight-year-old girl tortured to death for releasing pet parrots, police say; Artikel vom 04.06.2020 []
  2. The Independent: Couple torture and murder 8-year-old maid for letting parrots free, Pakistan police say; Artikel vom 03.06.2020 []
  3. Amnesty International: Pakistan: Kleine Hände als Wirtschaftsfaktor; Zuletzt aufgerufen am 08.06.2020 []
  4. Amnesty International: Wischen und Waschen für die Reichen; Artikel vom 26.07.2018 []

Über Lina / earthlink

Hi, ich bin Lina, 19 Jahre alt und für ein Jahr bei EarthLink. Ich freue mich auf den Umgang mit aktuellen Themen und möchte über entwicklungspolitische Zusammenhänge informieren.
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