Gibt Indien den Kampf gegen Kinderarbeit auf?

Kinder in Indien

Das Wirtschaft Indiens wächst auf Kosten der Kinder | Bild: © ILO Asia-Pacific [(CC BY-ND 2.0)] - flickr

Die Corona-Krise wirkt wie ein Brennglas für soziale Probleme und Ungleichheiten. Verborgenes wird plötzlich sichtbar – so auch das Ausmaß von Kinderarbeit in Indien. Der Kinderrechtsaktivist Vijay Kewat erwartete etwa 100 Kinder, die im Zuge des Lockdowns in Indien von den Fabriken nach Hause geschickt wurden. Stattdessen kamen ihm 500 Kinder entgegen.1)

Tausende von gehandelten Kindern sollen in Fabriken gearbeitet haben, ohne dass offizielle Stellen etwas davon mitbekommen hätten. Die indische Regierung hatte 2016 Kinderarbeit für unter 15-Jährige verboten und ist hart gegen Verstöße  in Schmuck- und Nähfabriken vorgegangen. Jetzt findet sie noch stärker im Verborgenen statt. Weil viele Fabriken geschlossen haben, werden viele Kinder jetzt nach Hause geschickt – ausgestattet mit gefälschten Dokumenten und oft begleitet von ihren Menschenhändlern.1)

Die indische NGO Bachpan Bachao Andolan zählt etwa zwölf Millionen arbeitende Kinder in Indien. Für sie hat sich die Lage noch verschlimmert, obwohl sie ohnehin schon unter gefährlichen Bedingungen arbeiten. Keiner der Arbeitgeber würde ihre Identität nun offiziellen Stellen melden, weil Kinderarbeit mittlerweile ein Verbrechen ist.1)2)

Heranwachsende zahlen damit den Preis für den strammen Wachstumskurs, den Indiens Premierminister Narendra Modi propagiert. Die Lebensrealität vieler Kinder steht dabei in starkem Kontrast zu den Annahmen der Ökonomie: Mit ökonomischem Wachstum würde auch die Kinderarbeit verschwinden. Joachim Theis, ehemaliger Chef der Child Protection von UNICEF in Indien, sieht ein Aufgeben in der Bekämpfung von Kinderarbeit in Indien. Es sei zu schwer, Kinderarbeit Einhalt zu gebieten, so die weit verbreitete Einstellung.3)

Vom hohen Wirtschaftswachstum profitieren aber nicht die Wirtschaftszweige, in denen Kinder arbeiten müssen. Vor allem gut ausgebildete Arbeiter würden davon profitieren. Dabei findet die meiste Kinderarbeit im informellen Sektor statt – der immerhin die Hälfte des BIP des Landes ausmacht.3)

Ein Großteil des wirtschaftlichen Aufschwungs findet auf dem Rücken der Kinder statt. Ihnen bleibt die Chance auf Bildung und auf ein besseres Leben verwehrt, während Branchen mit hochqualifiziertem Personal profitieren.

  1. AlJazeera: Lockdown reveals India’s rampant child labour as kids stream home: Artikel vom 5.6.2020 [] [] []
  2. Deutschlandfunk: Verboten, aber immer noch allgegenwärtig: Artikel vom 12.6.2019 []
  3. Washington Post: Child labor: The inconvenient truth behind India’s growth story: Artikel vom 21.7.2017 [] []

Über Tobias / earthlink

Ich bin Tobi, 23 Jahre alt und für zwei Monate Praktikant bei Earthlink. Ich studiere in Freiburg Politikwissenschaft und interessiere mich besonders für entwicklungspolitische Themen in Sub-Sahara-Afrika.
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