Der Preis von Fast Fashion – Kinder in Asien werden für billige Mode ausgebeutet

Arbeiter in der Textilindustrie | Bild: © marissaorton [CC BY-SA 2.0] - Wikimedia Commons

Das Prinzip einer Sommer- und Winterkollektion ist längst überholt, inzwischen gibt es fast jeden Monat eine neue Kleiderlinie. Eine Umstellung, die dazu geführt hat, dass sich von 2000 bis 2015 die weltweiten Kleiderkäufe verdoppelt haben. Jeder Deutsche kauft im Durchschnitt 60 neue Kleidungsstücke im Jahr, jedes fünfte davon wird nahezu nie angezogen. Gekauft, einmal angezogen, in den Kleiderschrank gelegt und nie mehr angefasst. Trotz dieser verschwenderischen Lebensweise sind unsere Ausgaben für Klamotten in den letzten 20 Jahren fast nicht angestiegen. Das geht nur, indem der Preis immer weiter fällt.

Die Gesellschaft für Konsumforschung hat eine Umfrage erstellt, in der Menschen gefragt wurden, welche Faktoren ihre Kaufentscheidung beeinflussen. Dabei haben 45 Prozent der Teilnehmer angegeben, dass Nachhaltigkeit und soziale Gerechtigkeit wichtig für sie sind. Damit ist Nachhaltigkeit genauso wichtig, wie ein günstiger Preis (48 Prozent) und Mode (46 Prozent). Die Umsätze von Fairtrade-Textilien in Deutschland zeigen aber eine andere Realität. Der Sektor wächst enorm schnell, ist in absoluten Zahlen aber immer noch winzig. Faire Mode macht gerade mal 0,3 Prozent des Gesamtumsatzes durch Bekleidung in Deutschland aus. Niemand möchte Kinderarbeit durch seine Einkäufe unterstützten, viele verschließen aber ihre Augen vor dem Offensichtlichen. Bis ein T-Shirt bei uns im Laden liegt, muss Baumwolle angebaut und geerntet werden, zu Fäden gesponnen, zu Stoff gewebt, gefärbt, zugeschnitten und genäht werden. Dabei legt es einen 27.000 Kilometer langen Transportweg zurück, nur um dann vier Euro zu kosten. Bei diesem Preis sollte eigentlich jeder ins Nachdenken kommen. Vier Euro für ein T-Shirt ist nicht möglich, ohne viele Leute auszubeuten.1)

Für viele Familien, die in die Produktionskette der Textilindustrie eingebunden sind, reicht der Lebensunterhalt nicht aus. Die Folge: Auch die Kinder müssen arbeiten. Asien ist der Hauptexporteur für Textilien, dort arbeiten sieben Prozent aller Kinder, insgesamt 62 Millionen. Viele von ihnen in einer Umgebung, die ihre körperliche und seelische Entwicklung schädigt und sie ihrer Grundrechte beraubt. Barbara Küppers von der Hilfsorganisation für Kinder, Terre des Hommes, erklärt: “Kinder, die auf Baumwollplantagen arbeiten, erkennt man leicht an ihren hellen oder rötlichen Strähnen im Haar”. Beides kommt von Pestiziden, denen die Kinder beim Anbau von Baumwolle ausgesetzt sind. Viele junge Mädchen, die in indischen Textilspinnereinen arbeiten, haben Schnittwunden an den Händen, manchen fehlt auch ein ganzer Finger. Generell sind oft Haltungsschäden und Atemwegserkrankungen bei Kinderarbeitern in der Textilindustrie zu beobachten. Vielen von ihnen wird nicht nur ihre Kindheit, sondern auch ihre Zukunft genommen. Ein Großteil fängt bereits vor dem zwölften Lebensjahr an zu arbeiten und hat nicht mehr genug Zeit, um in die Schule zu gehen. In Bangladesch brechen 17 Prozent der arbeitenden Kinder unter 15 Jahren die Schule ab, in Myanmar sind es 20. Ein Drittel aller Kinderarbeiter ist noch nie zur Schule gegangen. Diese Kinder werden wahrscheinlich ihr ganzes Leben lang ausgebeutet.2)

Wenn man als Verbraucher sichergehen will, durch seinen Kauf keine Kinderarbeit zu unterstützen, sollte man auf das Siegel der Fair Wear Foundation achten. Dieses garantiert, dass die Klamotten zu fairen und menschenwürdigen Arbeitsbedingungen sowie ohne Kinderarbeit gefertigt wurden. Der Grüne Knopf ist ein weiteres Siegel für nachhaltige Textilien, das verbindliche Anforderungen stellt, um Mensch und Umwelt zu schützen.3)

  1.   trigema: der Weg eines T-Shirts; Stand 21.06.2016 []
  2. Quarks: Darum ist uns Kinderarbeit beim Kleiderkauf egal; Stand 13.12.2019 []
  3. Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung: Grüner Knopf; Stand 02.06.2020 []

Über Fabian / earthlink

Ich bin Fabian, 22 Jahre alt und mache für die nächsten 3 Monate mein Praktikum bei Earthlink. Sonst studiere ich Politikwissenschaft an der TU München mit Fokus auf internationalen Beziehungen und Data Science.
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