Das Eis im Sommer – Ein bitter-süßer Genuss

Palmöl im Speiseeis

Das Eis im Sommer - eine beliebte und willkommende Abkühlung. In vielem Eis ist jedoch Palm- oder Kokosöl und damit oftmals auch Kinderarbeit enthalten. | Bild: © Ivan Radic [CC BY 2.0] - flickr

Endlich sommerliche Temperaturen – da gehört das Eis für viele als fester Bestandteil einfach dazu. Die süße Abkühlung erfreut sich in Deutschland äußerster Beliebtheit: Jährlich werden pro Person etwa acht Liter Eis, also ungefähr 120 Kugeln, konsumiert. Doch wie in vielen anderen Produkten auch, steckt im Eis oft eine sehr problematische Zutat: Palmöl. Billiger als Vollmilch und Sahne macht es das Eis cremiger und lässt es langsamer schmelzen. Doch nicht nur im Eis findet es Verwendung: In zahlreichen Lebensmitteln, darunter vielen Süßwaren, ebenso wie in Kosmetikprodukten steckt Palmöl. Weltweit ist es das am häufigsten verwendete pflanzliche Öl, es befindet sich in jedem zweiten Supermarktprodukt. Problematisch ist der Handel mit Palmöl neben dem ökologischen Gesichtspunkt auch aufgrund sozialer Aspekte: In der Produktion kommt oftmals Kinderarbeit vor. So bezieht beispielsweise der Schweizer Konzern Nestle Palmöl aus Malaysia. Auf den untersuchten Plantagen, von denen Nestle´s Palmöl unter anderem stammt, arbeiten zum Großteil indonesische Arbeitsmigranten, von denen sich die meisten ohne gültige Papiere im Land aufhalten. Ausbeuterische Zwangsarbeit und Repressalien sind dort an der Tagesordnung. Zwischen 50.000 und 200.000 Kinder leben und arbeiten mit ihren Eltern auf den Plantagen. Kinder, die auf diesen geboren wurden, haben oft keine Papiere und somit auch keinen Zugang zu schulischer Bildung oder medizinischer Versorgung – ein Leben außerhalb der Plantagen ist damit sehr unwahrscheinlich.1) 2) 3)4) 5) 6) 7)

Kokosöl: Keine viel bessere Alternative

Bereits 2016 hatte Amnesty International aufgedeckt, dass auf Palmölplantagen in Indonesien Kinder zwischen acht und 14 Jahren gefährlich arbeiten. Einige von ihnen besuchen die Schule nicht mehr, um ihren Eltern dabei zu helfen, die übertriebenen Vorgaben durch den Arbeitsgeber zu erfüllen. Auch Paraquat, ein extrem giftiges Pflanzenschutzmittel, das in der EU verboten ist, stellt eine Gefahr dar. Das entsprechende Palmöl nutzen Lebensmittel- und Kosmetikkonzerne, darunter Nestle, Kellogg´s, Procter & Gamble und Unilever. Auch die ILO schreibt von Kinderarbeit auf Ölpalmen-Plantagen in Indonesien. Die beiden weltweit größten Palmölproduzenten, Malaysia und Indonesien, gewinnen den Stoff also auch aus Kinderarbeit. Im Laden finden wir es in den Lebensmitteln und Kosmetikprodukten auch von internationalen Unternehmen. Um beim Eis zu bleiben: Zu Nestle gehören beispielsweise auch Schöller und Mövenpick.5) 8) 9) 10) 11)

Bei einer Befragung von 16 Unternehmen der Eisbranche durch das WWF zeigte sich, dass bei Unternehmen, die Palm- und Kokosnussöl nutzen, letzteres um ein Vielfaches mehr Verwendung findet. Da Palmöl bereits öfter öffentlich diskutiert worden ist, haben einige Unternehmen auf Kokosöl umgestellt. Ist das nun eine Verbesserung? Laut eigener Angabe in der Befragung achten die Unternehmen hierbei nicht auf soziale oder ökologische Standards in der Lieferkette. Und mit sozialen Standards sieht es beim Kokosöl leider auch schlecht aus: Das Problem ist, dass es, anders als für andere Produkte, bei Kokosnussprodukten noch keine groß angelegten Zertifizierungssysteme und damit Rückverfolgungsmöglichkeiten von Lieferketten gibt, weshalb die Wahrscheinlichkeit für unfaire Arbeitsbedingungen wie Kinderarbeit hoch ist. Und laut US-Arbeitsministerium liegen viele Vorwürfe über Kinderarbeit auf Kokosnussplantagen vor. Gemäß WWF sind die Philippinen das Hauptproduktionsland im Kokosanbau. Schätzungsweise 60 Prozent der Kokos-Kleinbauern in dem Land leben unterhalb der Armutsgrenze. In einer Veröffentlichung des US-Arbeitsministeriums von 2018 tauchen auch Kokosnüsse als Produkt von Kinderarbeit in den Philippinen auf. Auch in der Alternative Kokosöl steckt also Kinderarbeit.12) 13) 14) 15)

Was also tun?

Beide pflanzlichen Öle, Palmöl und Kokosöl, sind also ungeachtet ihrer ökologischen Schwierigkeiten auch aufgrund von darin enthaltener Kinderarbeit sehr bedenklich. Durch den Runden Tisch für Nachhaltiges Palmöl (Roundtable on Sustainable Palm Oil, RSPO), an dem Unternehmen aus der Palmölbranche und NGOs wie dem WWF sitzen, soll nachhaltiges Palmöl gefördert und zertifiziert werden. Doch auch diese Zertifizierung steht aufgrund diverser Schwächen immer wieder unter Kritik: Unter anderem sorgen nicht ausreichend strenge Richtlinien und mangelhafte Durchsetzung dafür, dass ausreichende ökologische und soziale Standards in der Palmölproduktion bis heute nicht effektiv durchgesetzt wurden.8) 7) 16) 17)

Was ist als Verbraucher also zu tun? Darüber gibt es unterschiedliche Auffassungen und Ansätze. Zunächst einmal ist zu sagen, dass unser Palmölverbrauch drastisch reduziert werden muss. Jede Konsumentin und jeder Konsument kann bei ihrem oder seinem Einkauf darauf achten, deutlich weniger oder sogar gar keine Produkte mit Palmöl zu kaufen. Denn Palmöl muss als Inhaltsstoff auf der Verpackung von Produkten angegeben werden. Hier ist allerdings Vorsicht geboten: Nicht immer wird Palmöl als solches genannt, es gibt unzählige Bezeichnungen, hinter denen sich Palmöl verbergen kann. Listen findet man dazu viele, auch praktische mobile Hilfen beim Einkaufen übers Smartphone gibt es im Internet. Zu den allermeisten Produkten gibt es auch Alternativen ohne Palmöl. Manche fordern eine Umstellung ganz auf heimische Öle. Eine komplette Umstellung auf andere pflanzliche Öle wie Kokosöl oder heimische Öle kann allerdings auch Problematiken mit sich bringen. Eine teilweise Umstellung auf heimische Öle könnte zielführend sein, und der Kauf von ausschließlich nach biologischen und Fair-Trade Standards zertifizierten Palmöl. Neben dem RSPO gibt es die Palm Oil Innovation Group (POIG), die schon höhere soziale und ökologische Standards als der RSPO setzt. Zu nennen ist hier ebenfalls das Forum Nachhaltiges Palmöl (FONAP). Auch Bio-Palmöl ist schonender für Mensch und Umwelt. Allerdings werden die Produzenten von Bio-Palmöl unter dem ökologischen Aspekt der Waldabholzung ebenso zum Teil kritisch betrachtet. Was soziale Standards betrifft, garantiert Bio grundsätzlich zwar keine Fair-Trade-Bedingungen, in der Praxis geht dies bei der Palmölproduktion aktuell allerdings meist miteinander einher. Insgesamt sollte man also bewusster konsumieren: Deutlich weniger, dafür zertifiziertes Palmöl, und eine Umstellung auf heimische Öle. Auch beim Eis gibt es Varianten ohne Palm- und Kokosöl. Einfach mal genauer nachschauen oder fragen – dann schmeckt auch das Eis im Sommer bedenkenlos gut.18) 19) 20) 21) 16) 22) 5) 23) 24) 3) 25) 16) 2)

 

  1. welt: SommerhitzeEiskonsum in Deutschland erreicht fast Allzeithoch; Stand 25.07.2018 []
  2. codecheck: In welchem Eis ist Palmöl versteckt? Genuss ohne Bedenken; Stand 10.07.2019 [] []
  3. Abenteuer Regenwald: Eiscreme ohne Palm- und Kokosöl; Stand 16.06.2020 [] []
  4. Utopia: 11 beliebte Produkte mit Palmöl und gute Alternativen; Stand 29.06.2020 []
  5. Utopia: Kinderarbeit – Was kann ich dafür?; Stand 10.06.2020 [] [] []
  6. Utopia: Palmöl-Report: Nestlé bezieht Palmöl aus Kinderarbeit; Stand 19.09.2019 []
  7. Solidar Suisse: Palmölbericht 2019: Kinder- und Zwangsarbeit in Malaysia: Die Spur des billigen Palmöls führt in die Schweiz; Stand August 2019 [] []
  8. Utopia: Amnesty International: Kinderarbeit auf Palmöl-Plantagen; Stand 30.11.2016 [] []
  9. ILO: Child labour in plantation; Stand 29.06.2020 []
  10. Forum Nachhaltiges Palmöl: Was ist Palmöl?; Stand 29.06.2020 []
  11. Utopia: Nestlé-Marken: Diese Produkte gehören zum Unternehmen; Stand 24.12.2019 []
  12. WWF: Like ice in the sunshine: Pflanzenöle und Fette in Speiseeis. Das Beispiel Kokosöl; Stand 2018 []
  13. Pulitzer Center: Story: As Coconut Products Gain Popularity, Certification is Essential for Sustainability; Stand 20.04.2020 []
  14. U.S. Department of Labor: 2018 List of goods produced by child labor or forced labor. Required by the Trafficking Victims Protection Reauthorization Act of 2005; Stand 2018 []
  15. Spektrum.de: Wundermittel Kokosöl: Kokos-Hype: Steigende Nachfrage ist kritisch; Stand 14.12.2018 []
  16. Rettet den Regenwald e.V.: Fragen und Antworten zu Palmöl: Fakten über Palmöl; Stand 12.06.2018 [] [] []
  17. Utopia: RSPO: Das steckt hinter der Zertifizierung für Palmöl; Stand 08.08.2019 []
  18. Affenstarker Regenwaldbotschafter: Bezeichnungen für Palmöl; Stand 29.06.2020 []
  19. Utopia: Palmöl vermeiden: 25 heimtückische Bezeichnungen für Palmöl in Kosmetik und Lebensmitteln; Stand 29.08.2018 []
  20. Umweltblick: 1. Deklarationen von Palmöl; Stand 29.06.2020 []
  21. NDR: Markt: Produkte mit Palmöl vermeiden: Wie geht das?; Stand 01.10.2019 []
  22. Oro Verde: Was ist Palmöl? So zerstören Ölpalmen den Regenwald; Stand 29.06.2020 []
  23. Utopia: Bio-Palmöl: zertifizierte Zerstörung oder echte Alternative?; Stand 12.10.2019 []
  24. Ökolandbau.de: Palmöl; Stand 28.11.2016 []
  25. BZFE: Verbraucher und Ernährung: Kokosöl – am besten nativ und fair gehandelt: Umweltwirkungen untersucht; Stand 15.02.2017 []

Über Clemens / earthlink

Hi, mein Name ist Clemens, ich bin 19 Jahre alt und mache für mehrere Monate ein Praktikum bei earthlink. Ich interessiere mich sehr für globale und entwicklungspolitische Themen allgemein, und insbesondere für den Kontinent Afrika, den Nahen Osten und den Arabischen Raum. Ich bin gespannt, mehr über diese Themen zu erfahren und darüber zu berichten.
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