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Corona-Krise verstärkt sexuelle Ausbeutung von Kindern auf den Philippinen

aktiv gegen kinderarbeit |  Bild:  © earthlink e.v.

aktiv gegen kinderarbeit | Bild: © earthlink e.v.

1,90 Dollar – so viel kostet umgerechnet etwa das morgendliche Croissant in Deutschland. Wer täglich weniger als das zu Verfügung hat, lebt in extremer Armut. Mehr als 380 Millionen Kinder sind weltweit davon betroffen. Die UN schätzt, dass durch die Auswirkungen der Covid-19-Krise nochmal etwa 70 Millionen Kinder in die Armut abrutschen werden.1)2)

In vielen Ländern des globalen Südens verdienen sich die Menschen täglich ihr Geld. Durch die coronabedingten Einschränkungen ist ihnen nun plötzlich ihre Einkommensquelle weggebrochen. Während der Hochphase des Lockdowns im Mai besuchten laut UNESCO 1,5 Milliarden Jungen und Mädchen nicht die Schule. Die Menschenrechtsorganisation Terre des Hommes befürchtet, dass viele Kinder langfristig nicht mehr in die Schule zurückkehren werden, weil sie mit ihrer Arbeit die Familie unterstützen müssen oder der Schulbesuch zu teuer wird. Bereits jetzt müssen schon etwa 150 Millionen Kinder arbeiten, fast die Hälfte unter ausbeuterischen Bedingungen.3)1)

Partnerorganisationen von Terre des Hommes berichten von einem Anstieg der Kinderarbeit. Es sei deutlich sichtbar, dass mehr Kinder in großen Städten betteln oder Obst und Gemüse verkaufen würden. In den Philippinen sei ein Anstieg der Kinderprostitution zu bemerken. Ausländische Nutzer bezahlen Kinder für sexuelle Gefälligkeiten vor der Webcam. Auch Europol verzeichnet einen Anstieg der Nachfrage nach Kinderpornographie im Zuge des Lockdowns. 1)

Die Philippinen entwickeln sich zum neuen Hotspot für die sexuelle Ausbeutung von Kindern im Internet (Online Sexual Exploitation of Children, OSEC). Eine Studie der International Justice Mission (IJM) zeigte, dass sich seit 2017 dort die Vorfälle innerhalb von drei Jahren verdreifacht haben. Von 10.000 IP-Adressen werden knapp 150 für die Online-Prostitution von Kindern verwendet. Die Betroffenen sind im Durchschnitt elf Jahre alt. Der Missbrauch findet oft mehrere Jahre lang statt. Die von der Studie ermittelten OSEC-Kunden sind alle männlich und stammen aus den USA, Schweden und Australien.4)5)

Doch nicht nur sexuell werden Jungen und Mädchen in den Philippinen ausgebeutet. Kinder zwischen 9 und 16 Jahren arbeiten dort in Goldminen, das Edelmetall landet auch in Europa. Viele der Minen werden illegal betrieben. Die jungen Menschen sind von einstürzenden Schächten und giftigen Quecksilberdämpfen bedroht.6)7)

Ebenso müssen Heranwachsende auf philippinischen Zuckerrohrplantagen arbeiten. Bei der Ernte der Pflanzen verrichten sie sieben Stunden lang gefährliche Aufgaben – für nur etwa 3, 50 Dollar. Coca-Cola ist einer der Hauptkunden dieser Plantagen, setzt sich aber mittlerweile für den Kampf gegen Kinderarbeit in den Philippinen ein.8)

Nach aktuellem Stand der International Labor Organization (ILO) arbeiten noch immer 2,1 Millionen Kinder in den Philippinen, 95 Prozent davon in gefährlichen Bedingungen. Die Schule können sie nicht besuchen. Laut den Prognosen von Terre des Hommes werden diese Zahlen wohl in der kommenden Zeit steigen.9)10)

 

 

 

  1. Terre des Hommes: Millionen Kinder werden arbeiten müssen: Pressemitteilung vom 11.6.2020 [] [] []
  2. Bundeszentrale für politische Bildung: Armut: Artikel vom 1.7.2017 []
  3. Zeit: 152 Millionen Kinder müssen weltweit arbeiten: Artikel vom 11.6.2020 []
  4. IJM: Sexuelle Ausbeutung von Kindern im Internet auf den Philippinen: Studie von 2020 []
  5. IJM: Philippinen – Neue Studie deckt Anstieg von sexueller Online-Ausbeutung auf: Artikel vom 26.05.2020 []
  6. DW: Philippinen – Kinderarbeit in Goldminen: Artikel vom 10.10.2015 []
  7. Tagesspiegel: Der schmutzige Weg des Goldes: Artikel vom 30.9.2015 []
  8. CNN: Life not sweet for Philippines‘ sugar cane child workers: Artikel vom 2.5.2012 []
  9. ILO: Child labour in the Philippines: Stand heute, 19.6.2020 []
  10. U.S. Department of Labor: Child Labor and Forced Labor Reports – Philippines: Stand heute, 19.6.2020 []

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