BMW, Daimler und VW an Kinderarbeit im Kongo beteiligt

Minenarbeit im Kongo.

Kinder bauen in einer Mine im Kongo Rohstoffe ab. Davon profitieren auch deutsche Autobauer. | Bild: © Julien Harneis [Attribution-ShareAlike 2.0 Generic (CC BY-SA 2.0) ] - Flickr

Das Smartphone und das Elektroauto mit Strom aus erneuerbaren Energien laden – Umweltschutz erreicht auch immer mehr unsere Technologie. Neben all den guten Seiten unserer digitalen und immer grüner werdenden Welt existieren weiterhin Schattenseiten in der Produktion von Elektronik. Dazu zählt die Kobaltproduktion. Kobalt wird als Energiespeicher für viele Technologien eingesetzt. Amnesty International identifizierte mehrere Weltkonzerne, in deren Produktionsketten für Kobalt auch Kinderarbeit enthalten ist. In jedem unserer Autos, Tablets oder Handys könnte Kinderarbeit stecken, denn betroffen sind unter anderem die Konzerne Daimler, Microsoft oder Samsung.1)

In der Demokratischen Republik Kongo wird die Hälfte des weltweiten Bedarfs an Kobalt gefördert. An der Kobaltproduktion sind allerdings 40.000 Kinder beteiligt, die täglich 12 Stunden für ein bis zwei Dollar arbeiten. Die Arbeit ist hochgefährlich, denn der lange Kontakt mit Kobalt führt zu tödlichen Lungenkrankheiten. Zudem sind die Minen einsturzgefährdet und schlecht belüftet. Problematisch ist an der Kobaltproduktion im Kongo auch, dass damit bewaffnete Splittergruppierungen und Mitglieder der kongolesischen Armee ihr Geld verdienen. Die Menschenrechtslage in der Demokratischen Republik Kongo ist schwierig. Seit 2016 ist der Präsident Joseph Kabila unrechtmäßig im Amt. Proteste werden von der Armee gewaltsam unterdrückt.1)

Besonders groß soll das Ausmaß der Kinderarbeit bei den Autokonzernen sein, das geht aus einem Bericht von Amnesty International hervor. BMW zeige zwar Verbesserungen in seinen Lieferstandards, bleibt aber hinsichtlich der unternehmerischen Sorgfaltspflicht immer noch hinter internationalen Anforderungen zurück. Die UN hat Leitprinzipien für Wirtschaft und Menschenrechte veröffentlicht. Darin ist festgehalten, dass Unternehmen sich dafür einsetzen sollen, Menschenrechtsverletzung in ihren Lieferketten zu identifizieren und zu verhindern. Für verantwortungsvolles unternehmerisches Handeln hat die OECD konkrete Umsetzungspläne für diese Richtlinien veröffentlicht. Bei der Förderung von Mineralien schlägt die Organisation fünf Schritte vor. Die Unternehmen sollten ein starkes Managementsystem aufbauen, damit sollen dann mögliche Menschenrechtsgefährdungen identifiziert werden. Anschließend soll eine Strategie zur Verhinderung dieser Risiken entwickelt werden. Dabei sollen immer wieder externe Prüfer die Produktionskette überwachen. Schließlich sollen die Unternehmen transparent über ihre Maßnahmen berichten.2)3)4)

Am schlimmsten sollen die Zustände bei VW und Daimler sein. Volkswagen erhebe keinerlei Informationen über die Kobalt-Verhüttungswerke, zudem sei die Kobaltproduktion auch nicht in den internen Sorgfaltspflicht-Richtlinien aufgeführt. Auch eine kritische Auseinandersetzung mit Menschenrechtsrisiken und Strategien zu deren Bekämpfung finde bei den Autobauern aus Wolfsburg nicht statt. Daimler erreicht ebenso wie Volkswagen nicht den internationalen Minimalstandard. Das Unternehmen liefere keine transparenten Informationen über seine Kobalt-Lieferkette und die Kobalt-Verhüttungswerke.1)

Bei aller Euphorie um grünere Alternativen zu Strom und Autos sollten die kindergefährdenden Produktionsmethoden nicht vergessen. Auch bei der Diskussion um staatliche Hilfszahlungen an VW während der Covid-19-Krise sollten die Menschenrechtsverletzungen des Konzerns nicht vergessen werden. Dennoch: Der Bedarf an Elektroautos steigt und damit auch der Bedarf an Rohstoffen wie Kobalt. Auch andere Alternativen wie etwa Wasserstoff-Autos, die bisher nur mit Hybrid-Antrieb praktikabel sind, sind auf seltene Rohstoffe angewiesen. Prinzipiell sollte die Frage gestellt werden, ob ein eigenes Auto überhaupt noch sinnvoll ist. Laut Martin Stuchtey, Forscher an der Universität Innsbruck für Geo- und Atmosphärenwissenschaften, würden Autos 92 Prozent nur auf dem Parkplatz stehen. Wirklich effizient wäre das Auto nur fünf Prozent der Zeit, der Rest würde im Stau oder auf der Parkplatzsuche verbracht werden. Zudem entstehen immer neuere Formen von Mobilität, beispielsweise Car-Sharing. Aufs Auto zu verzichten würde nicht nur den Geldbeutel schonen, sondern wäre auch ein konkreter Beitrag zur Verringerung von Kinderarbeit in Minen.5)6)7)

  1. Amnesty International: Großkonzerne tun zu wenig gegen Kinderarbeit: Artikel vom 15.11.2017 [] [] []
  2. Amnesty International: Time to Recharge – Corporate Action and Incation to tackle abuses in the Cobalt Supply Chain: Bericht vom November 2017 []
  3. UN: Guiding Principles on Business and Human Rights: Publikation aus dem Jahr 2011 []
  4. OECD: OECD-Leitsätze für multinationale Unternehmen: Publikation aus dem Jahr 2011 []
  5. Börse ARD: Elektroautos – Batterien vs. Wasserstoff – oder beides?: Artikel vom 3.7.2019 []
  6. TZ: Nachfrage nach E-Autos steigt trotz Corona deutlich: Artikel vom 13.5.2020 []
  7. ZDF: Mobilitätsforschung – Gründe, auf das Auto zu verzichten: Artikel vom 13.9.2019 []

Über Tobias / earthlink

Ich bin Tobi, 23 Jahre alt und für zwei Monate Praktikant bei Earthlink. Ich studiere in Freiburg Politikwissenschaft und interessiere mich besonders für entwicklungspolitische Themen in Sub-Sahara-Afrika.
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