Die Kaffee-Lüge: Kinderarbeit auf Nespresso Plantagen?

Nespresso hat einen Jahresumsatz von ca. 4 Milliarden Euro und das, obwohl Nestlé Anfangs nicht an die Tochterfirma glaubte | Bild: © Isriya Paireepairit [CC BY-NC 2.0] - flickr

George Clooney kennt man aus Ocean’s Eleven, Gravity oder From Dusk Till Dawn. Und natürlich aus der Nespresso Werbung. Im schicken Anzug schlürft der Schauspieler noch schickeren Kaffee und verkörpert luxuriöses Lebensgefühl aus der Tasse. Nespresso gibt sich stets elitär und hat es nicht verpasst, auf den Zug der vermeidlichen Nachhaltigkeit aufzuspringen. Auf der Website heißt es: Nachhaltige Kaffeequalität: Weil eine Tasse Nespresso Kaffee ein außergewöhnliches Geschmackserlebnis bietet und gleichzeitig einen Mehrwert für die Gesellschaft und Umwelt schafft. Eine neue Dokumentation des britischen Fernsehsenders Channel 4 lässt sehr an diesem Mehrwert zweifeln. Zu sehen sind Kinder auf guatemaltekischen Farmen, die Kaffeebohnen ernten und Säcke schleppen. Sie müssen arbeiten, weil der Verdienst der Eltern nicht ausreicht, um die Familie zu ernähren. Diese Farmen sollen auch Nespresso beliefern.1)

Einen Skandal ähnlicher Natur löste 2012 die schweizer Hilfsorganisation Solidar Suisse aus und parodierte dazu einen der bekannten Webespots. Das Video erlangte binnen kürzester Zeit 500.000 Klicks und sollte vor allem auf 12.000 Kinderarbeiter auf der Elfenbeinküste aufmerksam machen, die in sengender Hitze täglich reife Früchte von den Bäumen pflücken mussten. Die Nestlé-Tochter wies die Vorwürfe zurück. Dass der Megakonzern Nestlé, selbst wenn er Kinder nicht persönlich zur Arbeit zwingt, Kinderarbeit zumindest toleriert und auch sonst zu äußerst fragwürdigen Praktiken und Geschäftsmodellen greift, ist lange kein Geheimnis mehr. Nespresso wies die Vorwürfe damals zurück.2)

Auch den aktuellen Anschuldigungen widerspricht der Kaffeegigant. Guillaume Le Cunff, Nespresso CEO, teilt in einem Statement mit: “Nespresso has zero tolerance of child labour. It is unacceptable. Where there are claims that our high standards are not met, we act immediately. We will continue to do all we can to stamp child labour out. It has no place in our supply chain.“ Nespresso bezieht seinen Kaffee unter anderem von Farmen in Costa Rica, Äthiopien und Uganda. In den letzten fünf Jahren wurden nach Firmenangaben 15 Fälle von Kinderarbeit gemeldet, alle 15 wurden „effectively resolved“. Le Cunff gab jedoch auch zu, dass die Kaffeelieferanten Kontrollen „ein oder zwei Tage“ im Voraus angesagt bekommen und somit Vorkehrungen treffen können. Die Lieferanten in Guatemala will sich Nespresso nun genauer anschauen, der Handel mit den betroffenen Plantagen wurde ausgesetzt.3)

In Deutschland trinkt jeder Erwachsene durchschnittlich 162 Liter Kaffee im Jahr. Für die Konsumenten wird das Produkt immer wieder neu erfunden, die Lüge immer wieder neu verpackt. Die Geschichte hinter der morgendlichen Tasse Kaffee hat nichts mit Luxus oder extravagantem Lebensgefühl zu tun. Nur zehn Prozent des deutschen Kaffees ist fair produziert.4)5)

  1. nespresso.com: Nachhaltige Kaffeequalität; zuletzt aufgerufen am 31.03.2020 []
  2. Aktiv gegen Kinderarbeit: Nespresso bald ohne George Clooney?; Artikel vom 01.20.2012 []
  3. The Guardian: George Clooney ‘saddened’ by alleged child labour on Nespresso coffee farms; Artikel vom 26.02.2020 []
  4. Spiegel: Die bittere Wahrheit über unseren Kaffee; Artikel vom 21.09.2017 []
  5. Main Post: Wie Kinderarbeit Kaffee und Kakao bitter macht; Artikel vom 26.01.2020 []

Über Lina / earthlink

Hi, ich bin Lina, 19 Jahre alt und für ein Jahr bei EarthLink. Ich freue mich auf den Umgang mit aktuellen Themen und möchte über entwicklungspolitische Zusammenhänge informieren.
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