Der “Grüne Knopf” – Ende der Kinderarbeit oder Label ohne Wert?

Rana Plaza, Dhaka

Unglücke wie der Einsturz des Rana Plaza in Dhaka sollen zukünftigt mit der Einführung einer neuen Maßnahme verhindert werden. | Bild: © rijans [CC BY-SA 2.0] - flickr

Viele von uns gehen gerne Einkaufen und oftmals wird dabei auf niedrige Preise geachtet. Fairer Handel und Kinderarbeit spielen bei der Kaufentscheidung meist eine nebensächliche Rolle. Viele Menschen wissen über die Missstände in der Textilindustrie Bescheid. Meist ist jedoch unklar, welche Marken auf Kinderarbeit setzen und welche nicht. Es ist schwer zu differenzieren, welche Konditionen bei den verschiedenen Marken vorherrschen, wer auf Nachhaltigkeit setzt und wer nicht. Mit der Einführung eines neuen Produktlabels soll nun Klarheit geschaffen werden.

Die Zahlen und Fakten, welche die Kinderarbeit betreffen sind nach wie vor erschreckend: Weltweit gibt es 152 Millionen Kinderarbeiter. Jedes zehnte Kind auf der Welt muss arbeiten, in Afrika ist es jedes fünfte Kind. Neben diesen eher düsteren Zahlen gibt es allerdings auch positive Meldungen: Die Zahl der Kinderarbeiter hat in den Regionen Asien, Pazifik und Lateinamerika abgenommen. Im Gegensatz dazu hat die Kinderarbeit in der Region Subsahara-Afrika in den letzten Jahren wieder zugenommen. Ein erneuter Anstieg kann durch verschiedene Faktoren, wie zum Beispiel durch die dortige stagnierende wirtschaftliche Entwicklung, Konflikte und durch Naturkatastrophen verursacht werden. Wenn sich diesbezüglich bald nichts ändert, müssen in fünf Jahren immer noch 121 Millionen Kinder Arbeit leisten. Vor allem sollten Gegenmaßnahmen schneller und konsequenter ergriffen werden.1)2)3)

Aber wie kann der Verbraucher in Deutschland diesen Missständen entgegenwirken? Ein möglicher Lösungsansatz ist der kürzlich vorgestellte „Grüne Knopf“. Dieses Label wurde vom „Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung“ (BMZ) ins Leben gerufen. Ende 2019 wurde das Siegel als staatlich anerkanntes Label von Entwicklungsminister Gerd Müller vorgestellt. Mit der Einführung des „Grünen Knopfs“ hat der Verbraucher nun ein Werkzeug, mit dem er sich gegen Kinderarbeit und für eine nachhaltigere Produktion entscheiden kann. Hinter dem „Grünen Knopf“ befindet sich aber nicht nur ein Label, er steht für die Vereinigung von mehreren Labels. Ein grundlegendes Ziel des „Grünen Knopfs“ ist unter anderem das Verbot von Zwangs- und Kinderarbeit. Firmen müssen aber noch viele weitere Standards für den Erhalt des neuen Labels erfüllen – zum Beispiel die Zahlung von Mindestlöhnen. Insgesamt sind 46 Kriterien einzuhalten. In diesem Zusammenhang konnte bereits in einer Fabrik in Bangladesch, welche die Kriterien des „Grünen Knopfs“ erfüllt, der Mindestlohn angehoben werden. Weitere Maßnahmen sollen gefördert werden. Durch das neue Siegel soll vor allem Vertrauen aufgebaut und eine Orientierungshilfe für den Verbraucher geschaffen werden. Somit können die Menschen in Deutschland beim Kleiderkauf nun ökologisch und nachhaltig hergestellte Produkte wählen – und somit bei der Kaufentscheidung etwas Gutes tun. Das ist die Theorie, doch in der Praxis regt sich Widerstand gegen das neue Siegel. Es gibt hinsichtlich der Einführung des „Grünen Knopfs“ mehrere Kritikpunkte: es fehle an Kontrollinstanzen, der angestrebte Mindestlohn sei in manche Ländern noch zu niedrig und das nationale Siegel könnte im internationalen Kontext nicht gebrauchbar sein. In weiterer Kritikpunkt ist die Tatsache, dass nur ein Teil der Produktion der Textilien als „grün“ gekennzeichnet wird, der andere Teil der Produktion kann weiterhin auf der Basis von Missständen, wie zum Beispiel Kinderarbeit, entstehen. Die Teilnahme an dem neuen Label ist zudem freiwillig. Somit hat der Grüne Knopf noch eine Menge an Baustellen, welche man beheben sollte, wenn man wirklich eine nachhaltige und ökologische Herstellung von Textilien schaffen möchte. Deshalb kann und muss der „Grüne Knopf“ ein Startschuss für weitere Maßnahmen sein.4)1)5)6)7)8)9)

  1. Quarks: Darum ist uns Kinderarbeit beim Kleiderkauf egal; Artikel vom 13.12.2019 [] []
  2. Unicef: Kinderarbeit weltweit; Artikel vom 07.07.2019 []
  3. Bundesministerium für wirtschaftliche Entwicklung und Zusammenarbeit: Gemeinsam gegen Kinderarbeit; Stand 04.03.2020 []
  4. Tagessschau.de: Neues Siegel soll Kleidung fairer machen; Artikel vom 09.09.2019 []
  5. Grüner Knopf: Gut für den Menschen, Gut für die Umwelt; Stand 04.03.2020 []
  6. Entwicklungspolitik Online: Müller reist nach Bangladesch und Indien; Artikel vom 24.02.2020 []
  7. Grüner Knopf: Der Grüne Knopf – unser Zeichen für Verantwortung; Stand 04.03.2020 []
  8. Medico International: Fairwashing statt Politik; Artikel vom 09.09.2019 []
  9. NDR: “Grüner Knopf”: Wie gut ist das Textilsiegel?, Artikel vom 09.09.2019 []

Über Simon / earthlink

Hi, mein Name ist Simon, ich bin 22 Jahre und studiere Soziologie in Eichstätt. Aktuell absolviere ich ein sechswöchiges Praktikum bei EarthLink. Ich freue mich auf eine interessante Arbeit im Umgang mit spannenden Themen.
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