Saubere Elektroautos?

Gold mining, Kongo

Bild: © Image Journeys Sasha Lezhnev [CC BY-ND 2.0] - flickr

Autos mit Elektromotoren werden von verschiedenen Seiten angepriesen, kritisiert und sie werden in verschiedene Zukunftsvisionen eingesponnen. All diese Beurteilungen gehen meist nicht über umweltpolitische Überlegungen hinaus.

Wenn die Produktion an Autos mit Elektromotoren steigt, wächst der Bedarf an Akkus. Bereits jetzt beanspruchen diese Kraftfahrzeuge die Hälfte aller Lithium-Ionen-Akkus, die im Umlauf sind. Dafür herrscht zwischen verschiedenen Automobilherstellern ein Wettbewerb um Rohstoffe wie Kobalt.1)2)

Amnesty International kritisierte bereits die schwerwiegenden Menschenrechtsverletzungen, die beim Abbau von Rohstoffen für Lithium-Ionen-Akkus vorfallen. Der Amnesty-International-Generalsekretär Kumi Naidoo sprach den Elektroautos eine wichtige Rolle bei der Lösung der Klimakrise zu, sagt aber: “Ohne eine grundlegende Veränderung werden die für den Betrieb von grünen Fahrzeugen genutzten Batterien weiter durch Menschenrechtsverletzungen beschmutzt.”

Kobalt und Lithium, die Rohstoffe, die durch den Bedarf wohl immer knapper werden, spielen eine große Rolle bei diesen Menschenrechtsverletzungen. Laut Amnesty International sollen die Bedingungen in Minen aus Argentinien, aus welchen Lithium bezogen wird, bedenklich sein.

Kobalt ist ein zentraler Rohstoff und steckt nicht nur in Smartphones oder Laptops, sondern auch in diesen Akkus. Dieser Rohstoff wird vor allem im Kongo abgebaut  – unter Gesundheitsrisiken und häufig auch durch Kinderarbeit. Tausende Kinder werden aus ihrer Armut heraus zur Arbeit in den Kobaltminen gezwungen. Sogar Siebenjährige werden im Transport und in Waschvorgängen eingesetzt. Junge Kinder sammeln Steine und unterliegen der starken Hitze und dem einschüchternden Umgangston der Minenarbeiter. Frauen und Kinder müssen für umgerechnet ein bis drei Euro am Tag arbeiten – häufig ohne nötige Schutzkleidung.1)3)4)2)5)

Unter Atemproblemen, Husten und Infektionen leiden viele von ihnen. Der giftige Kobaltstaub lässt eine oft tödliche Lungenkrankheit entstehen.

Die Lieferkette zurückzuverfolgen, wird immer weiter erleichtert und darf nicht mehr als Ausrede für Firmen dienen. Von Seiten der Automobilindustrie wird beteuert, dass viele sich um Nachhaltigkeit bemühen. BMW, Daimler und Renault lobten die Veröffentlichungen von Amnesty International sogar. Viele Autohersteller wie BMW und VW haben sich außerdem verpflichtet, nur Batteriezellen zu kaufen, die unter einwandfreien Bedingungen hergestellt wurden.3)6)7)

Einige Unternehmen haben sich zu Initiativen zusammengeschlossen, wie der Responsible Cobalt Initiative. In den nächsten Jahren, in welchen die Rohstoffe noch relevanter werden, muss jedoch darauf geachtet werden, dass sich die Firmen nicht nur hinter Initiativen verstecken, sondern auch reale Schritte unternommen werden. Eine transparente Überprüfung der Lieferkette ist notwendig, damit die Elektroautos auch ethisch richtig, ohne Kinderarbeit gefahren werden können.2)

Die Forschung, die sich mit Elektromobilität auseinandersetzt, geht dahin, dass in Zukunft für Akkus zwar weniger Kobalt verwendet werden muss, trotzdem wird man mittelfristig nicht ohne auskommen.5)

Es muss also mehr dafür getan werden, dass sich die Arbeitsbedingungen verbessern und Kinderarbeit in Kobaltminen verschwindet.8)

  1. zdf: Der wahre Preis der Elektroautos; 9.9.2018 [] []
  2. dw: Der Kobaltbergbau im Kongo wirft Schatten auf die Träume von Elektromobilität; 14.11.2017 [] [] []
  3. ecomento: Amnesty International fordert “ethische” Elektroauto-Batterie; 27.3.2019 [] []
  4. dw: Kongos Minen: Keine Hoffnung in Kipushi; 26.11.2018 []
  5. domradio: “Ein großes Problem ist auch die Kinderarbeit”; 14.3.2019 [] []
  6. Der Tagesspiegel: Ökobilanz von alternativen Antrieben ist überraschend eindeutig; 8.4.2019 []
  7. dw: Kinderarbeit für Elektro-Autos?; 20.8.2017 []
  8. Amnesty International: TIME TO RECHARGE; 2017 []

Über Jacqueline / earthlink

Hi, ich bin Jacqueline und studiere Politikwissenschaft an der LMU München. Ich interessiere mich für internationale Politik und besonders die Auswirkungen unseres Handelns auf den Rest der Welt sind für mich spannend.
Dieser Beitrag wurde unter Internationales abgelegt und mit , , , , , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

4 Antworten zu Saubere Elektroautos?

  1. Wolfgang sagt:

    Ja das habt Ihr jetzt davon. Reklamiert scheinbare Kinderarbeit in Kobalt Minen im Kongo und nun schliesst wegen Rentabilität die grösste Kobaltmine im Land. 7500 Leute (keine Kinder übrigens) werden arbeitslos.
    Aber verhungern ist wohl besser als arbeiten, richtig?

    https://taz.de/Bergbaukrise-im-Kongo/!5614127/

  2. Harald R sagt:

    Sinan hat völlig recht, die Elektromobilität wird von Ihnen als Sündenbock hingestellt. Warum lautet sonst Ihr marktschreierischer Titel “Saubere Elektroautos?” und schreiben dann fast nur über Elektromobilität? Dabei wurde der Kobalt-Anteil in Akkus für E-Autos bereits deutlich reduziert, während das Material nach wie vor ganz selbstverständlich in zahlreichen anderen Anwendungen Platz findet. Dort stellt dies aber offenbar kein Problem dar. Warum schreiben Sie nicht zum Beispiel: “Diesel- und Benzinfahrer fördern Kinderarbeit beim Rohstoff-Abbau” oder “Saubere Smartphones?” und erwähnen dann nebenbei, dass Kobalt neben vielen Anwendungen nicht nur in Verbrenner-Autos, sondern auch in E-Autos steckt.
    Natürlich ist es wichtig, die Ausbeutung von Kindern weltweit einzudämmen, keine Frage. Dabei sollte man aber seriös und objektiv bleiben.

  3. Sinan B sagt:

    Ich verstehe nicht warum der direkte Zusammenhang von Kobald und E-Autos gebracht wird. Was ist mit den unmengen an Kobald die zur Entschwefelung von Diesel, Benzin und Erdgas verwendet wird? Was ist mit dem Kobald in jedem gehärteten Metall?
    Demnach steckt es auch in jedem Verbrennungsmotor, Bremsscheiben, Federn usw.

    Im Akku ist der Rohstoff zumindest gebunden und kann recycelt werden, während er für die Entschwefelung in die Atmosphäre geblasen wird.

    • christian / earthlink sagt:

      Natürlich steckt Kobalt auch in vielen anderen Produkten, nicht nur in Elektroautos. Dies wird im Artikel auch explizit gesagt. Es geht aber nicht um den Ressourcenverbrauch an sich oder um die Frage, ob dieses Kobalt letztendlich recycelt und wiederverwendet werden kann. Schwerpunkt des Artikels und auch unserer Webseite sind immer die Arbeitsbedingungen, unter denen der wertvolle Rohstoff abgebaut wird – insbesondere im Hinblick auf Kinderarbeit.

      https://www.aktiv-gegen-kinderarbeit.de/produkte/bodenschatze/kobalt/

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.