Kinder in der Türkei arbeiten für das Nutella auf unserem Frühstücksbrot

Nutella

Die Haselnüsse in der Schoko-Creme werden mit der Hilfe von Kinderarbeit angebaut | Bild: © Silvia Orozco [CC BY-NC-ND 2.0] - flickr

Die Türkei ist der führende Exporteur von Haselnüssen weltweit. Viele Firmen wie Lindt oder Nestlé kaufen dort Nüsse, um sie in der Schokolade zu verarbeiten. Der mit Abstand größte Käufer der türkischen Haselnüsse ist Ferrero, die Muttergesellschaft von Nutella. Ferrero kauft ein Viertel der gesamten Haselnüsse aus der Türkei für seine Produkte. Die Auswirkungen dieser Monopolstellung sind erkennbar. Vor fünf Jahren gab es eine Missernte und es waren viel weniger Haselnüsse als sonst verfügbar. Sofort stiegen die Preise für Nutella in die Höhe.1) In der beliebten Schoko-Creme ist Palmöl enthalten, dessen Produktion schon vor Jahren kritisiert wurde. Dabei ist es nicht der einzige Inhaltsstoff, der unter fragwürdigen Methoden gewonnen wird. Beim Anbau von Haselnüssen sind viele Kinder, die unter miserablen Bedingungen arbeiten müssen, beteiligt.

Dr. M. Murat Erdogan, Direktor des Forschungszentrums für Migration und Integration an der Türkisch-Deutschen Universität hat bestätigt, dass die Türkei stark von der Arbeit der Kinder abhängig ist. Bei den meisten Kindern handelt es sich um syrische Flüchtlinge. Die Mütter und Väter arbeiten häufig den ganzen Tag an sieben Tagen die Woche. Trotzdem verdienen sie nicht genug Geld, um die Familie zu ernähren. In solchen Situationen müssen die Kinder ran. Die türkische Regierung ist machtlos und verfügt nicht über die Mittel, um den Geflüchteten zu helfen. Die Haselnuss-Farmen liegen oft in entlegenen Gebieten, die außerhalb der Zuständigkeit der türkischen Zentralbehörde liegen.

Der Einsatz von Kinderarbeit in der saisonalen Landwirtschaft ist eine der schlimmsten Formen von Kinderarbeit. Problematisch daran ist, dass die Kinder durch die Arbeit körperliche Schäden davon tragen. Sie müssen in der brütenden Hitze schuften und die Haselnüsse ernten. Chemische Gifte umgeben sie und setzen ihnen zusätzlich zu. Die Kinder haben somit auch nicht die Möglichkeit die Schule zu besuchen, um einen gewissen Grad an Bildung zu erlangen und sich aus der Armut zu befreien. Ferrero hat schon oft versucht, der Kinderarbeit auf den Haselnuss-Plantagen entgegenzuwirken. Auf der Webseite findet man die Information, dass Sozialarbeiter auf den Farmen eingesetzt werden, um die Landwirte über ethische und sozialverträgliche Arbeitspraktiken aufzuklären. Das ist ein guter Anfang, aber in vielerlei Hinsicht wirkungslos.  Durch die Aufklärung soll die Arbeitssituation für die Kinder verbessert werden. Dr. M. Murat Erdogan behauptet, dass diese Maßnahmen an den Kindern vorbeigehen. Das Entscheidende ist, dass die Kinder in die Schule gehen. Die Verbesserung der Bedingungen macht dann keinen großen Unterschied mehr, da es an dem eigentlichen Problem, der Arbeit der Kinder, nichts ändert.2)

Die Türkei hat sich vor der Internationalen Arbeitsorganisation (ILO) dazu verpflichtet, die Kinderarbeit bis 2015 zu beenden. Nach stand 2018 arbeiten aber immer noch bis zu zwei Millionen Kinder auf Plantagen. Ausschlaggebend dafür sind unter anderem die steigenden Nahrungsmittelpreise. Alleine von Januar 2017 bis Januar 2018 stiegen die Lebensmittelpreise um 31 Prozent an. Würde die Türkei die Arbeitsbedingungen verbessern, würden die Lebensmittelpreise nur weiterhin ansteigen. Ein Grund für den Staat, es nicht zu tun und lieber die Arbeit von hunderttausend von Kindern in Kauf zu nehmen.

Ferrero kann seinerseits nicht garantieren, dass die Haselnüsse ohne die Arbeit von Kindern angebaut werden. Das Unternehmen ist schlichtweg nicht in der Lage, den gesamten Prozess der Produktion zu überwachen. Mit dem Kauf von Ferrero-Produkten wird die Ausbeutung von Kindern auf türkischen Haselnuss-Plantagen weiterhin unterstützt.2)3)

  1. Neue Züricher Zeitung: Was der Preis türkischer Haselnüsse mit dem Preis von Nutella zu tun hat; 26.11.2017 []
  2. The medialine: World Nutella Day brings bittersweet taste amid child; 04.02.2019 [] []
  3. Thomson Reuters Foundation News: Never ending harvest: child labor in turkey; 14.03.2019 []

Über Franziska / earthlink

Ich bin Franziska, studiere in München Ethnologie und wenn ich nicht gerade in Südamerika bin und Fotos von Alpakas mache, lese ich viel über internationale Politik und interessiere mich für die Geschehnisse weltweit. Ich will versuchen andere Leute aber vorallem auch mich selbst durch meine Arbeit bei earthlink, mit ein bisschen Wissen zu füttern.
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