Die Arbeit in Nigerias Goldminen tötet die Kinder des Landes

Kinder beim Goldwaschen (Symbolbild) | Bild: © Djembe - dreamstime

Osama Muhammad ist elf Jahre alt- trotz seines jungen Alters arbeitet er seit vielen Jahren in einer Goldmine im westafrikanischen Land Nigeria. Weil seine Familie kaum Geld hat, geht er statt zur Schule täglich in die Miene, um Gold zu suchen- ohne Schutzkleidung1).

Ein Leben wie Osama Muhammad führen viele Kinder in Nigeria. In den nördlichen Bundesstaaten Niger und Zamfara wurde vor einigen Jahren Gold gefunden- seither leben viele Menschen in der Region vom Goldabbau in den Mienen. Jedoch sind unter den Arbeitern auch viele Kinder- die jüngsten unter ihnen sind gerade einmal sechs Jahre alt. Die Kinder steigen in die Minen und schlagen die Gesteinsbrocken aus der Wand. Allein diese Arbeit ist schon sehr gefährlich. Kommt es jedoch zur Gewinnung des Edelmetalls, erhöht sich das Gesundheitsrisiko für die Minderjährigen nochmals enorm. Um das Gold aus dem abgebauten Gestein zu lösen, werden billige und sehr giftige Chemikalien wie Blei eingesetzt2).Die Kinder kommen damit in Kontakt, wenn sie Gestein und Blei teils mit bloßen Händen vermischen, oder- was noch schlimmer ist- wenn sie beim Verbrennen, um das Gold zu lösen, giftige Dämpfe einatmen. Zwar gelangen die Kinder so an das Gold, jedoch greift das hochgiftige Schwermetall das Zentralnervensystem an. Das ist besonders für Kinder schädlich- für Kleinkinder sogar tödlich3). Minenarbeit gehört folglich zu den gefährlichsten Berufen weltweit. Um die Familien finanziell zu unterstützen, suchen rund 12 Millionen nigerianische Kinder vom frühen Morgen bis zum späten Abend unter diesen gefährlichen Bedingungen in den meist illegalen Minen nach Gold, statt zur Schule zu gehen.

Angefangen von fehlender Schulbildung bis hin zu schweren psychischen und körperlichen Schäden: Die Folgen für die Kinder sind unvorstellbar. Medizinern zufolge können hohe Bleibelastungen die Entwicklung des Gehirns und des Verdauungssystems beeinträchtigen sowie Entwicklungsstörungen hervorrufen. Dabei reicht bei Kleinkindern schon der Kontakt mit vergifteter Kleidung oder die Arbeit der Mutter in der Mine während der Schwangerschaft, um die schweren Folgen auszulösen. Rund 80 Prozent der Kinder in der Minenregion haben erhöhte Bleiwerte2). Das führte dazu, dass innerhalb von zwei Jahren mehr als 400 Kinder in Zamfara an den Folgen der Minenarbeit starben, rund 2000 medizinisch behandelt werden mussten und Tausende vergiftet wurden- und jeden Tag aufs neue werden4). Es mangelt jedoch an ausgebildeten Ärzten, die die Kinder behandeln können. Auch für die Natur hat die Benutzung von Blei schwere Folgen. So sind Boden, Luft und Wasser mit der giftigen Chemikalie verschmutzt. An dieser Stelle schließt sich der Kreislauf wieder, da die Menschen das Blei über Nahrung oder bei Baden im Wasser aufnehmen und sich so vergiften.

Wie kann man die Kinder vor den fatalen Folgen besser schützen? Auf nationaler Ebene kann viel getan werden: An erster Stelle stehen Aufklärungsmaßnahmen, um den Menschen das Ausmaß der gesundheitlichen Folgen bewusst zu machen. Viele Kinder wissen zwar, dass die Minenarbeit gefährlich ist, aber welche Auswirkungen die Goldsuche genau hat, ist vielen nicht bewusst. Auch sollte den Kindern ordnungsgemäße Kleidung zur Verfügung gestellt werden. Der effizienteste Schutz wäre jedoch, Kinderarbeit generell zu verbieten.

Auch auf internationaler Ebene muss gehandelt werden. Bereits 2016 haben sich das Europäische Parlament, die Europäische Kommission und die Mitgliedsstaaten der EU auf ein Gesetz geeinigt, dass den Import von unter menschenunwürdigen Bedingungen gewonnenem Gold regulieren soll. Zwar sind die Regelungen verpflichtend, jedoch ist eine Kennzeichnung der Endprodukte, die der Verbraucher im Laden kaufen kann, nicht vorgesehen. Dementsprechend kann dieser nicht nachvollziehen, ob es sich wirklich um „sauberes“ Gold handelt. Zudem sollte die importierte Menge drastisch reduziert werden. Die weltweit größte Nachfrage besteht in China, Indien, USA und Deutschland.

Produkte, in denen das importierte Gold verarbeitet wird, sind vor allem Elektronik, Schmuck sowie im Bereich der Medizin. So wird das Gold in großen Mengen in der Handyproduktion eingesetzt. Beispielsweise enthält ein Smartphone im Schnitt 25 Milligramm Gold. Zum Vergleich: Aus einer Tonne Gestein werden etwa drei bis fünf Gramm Gold gewonnen. Im Bereich der Zahnmedizin wird Gold wegen seiner Korrosionsbeständigkeit besonders in Form von Zahnfüllungen verwendet. Anwendung findet Gold auch in Ketten, Ohrringen und Ringen5).

Zu hoffen bleibt, dass die Auswirkungen besser kontrolliert werden können und so in Zukunft mehr nigerianische Kinder vor dem Tod durch Bleivergiftungen in Goldminen bewahrt werden können.

  1. Al Jazeera: Child Labour Rampant in Nigerian Mines; Aufgerufen am 19.09.2018 []
  2. DW: Goldminen in Nigeria: Tödliche Kinderarbeit; Artikel vom 25.08.2015 [] []
  3. Human Rights Watch: Weltweites Abkommen zur Reduzierung von Quecksilber: Gesundheit von Arbeitern in Goldminen soll verbessert werden; Artikel vom 27.10.2011 []
  4. Yale Environment 360: How a Goldmining Boom is Killing the Children of Nigeria; Artikel vom 01.03.2012 []
  5. Chemie.de: Gold; Aufgerufen am 19.09.2018 []

Über Sonjara / earthlink

Ich studiere in München Ethnologie und Rechtswissenschaften. Dank meines Studiums habe ich gelernt die Welt nicht nur mit den eigenen Augen zu betrachten, sondern die Realität aus verschiedenen Blickwinkeln wahrzunehmen. Ich mache hier ein Praktikum, um dieses Wissen sowie meine Erfahrungen durch Auslandsaufenthalte im Rahmen der Projekte anzuwenden und so auch mich selbst weiter zu entwickeln.
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