Unfairer Handel: Westafrikanische Kakaobauern erhalten nur sechs Prozent

| Bild: © Bread for the World [CC BY-NC-ND 2.0] - Flickr

Schokolade gibt es in Supermärkten hierzulande in allen erdenklichen Formen, ob quadratisch, dreieckig oder in Gestalt eines Osterhasen. Die großen Süßwarenhersteller wie Nestle, Mondelez und Ferrero bieten uns passend zu allen Festen, die wir feiern, süße Versuchungen aus Schokolade an. Die wichtigste Zutat, die Kakaobohne, wächst aber vor allem in Westafrika. Viele der Kakaobauern leben hier unterhalb der Armutsgrenze. Um auf ein existenzsicherndes Einkommen zu kommen, lassen sie Kinder auf ihren Plantagen arbeiten.1)2)

In Deutschland wird so viel Schokolade konsumiert wie nirgend woanders auf der Welt. Jährlich werden mehr als zehn Kilogramm Schokolade pro Kopf verzehrt. Ein Großteil des dafür benötigten Kakaos wird aus der Elfenbeinküste oder Ghana importiert. Aus Westafrika kommen rund zwei Drittel des weltweit produzierten Kakaos. Die ständig steigende Nachfrage nach dem Milliarden-schweren Rohstoff und der harte Preiswettbewerb auf dem Schokoladenmarkt haben zur Folge, dass in Ghana und der Elfenbeinküste rund zwei Millionen Kinder unter gefährlichen Bedingungen im Kakaoanbau arbeiten müssen. Zwar ist Kinderarbeit in beiden Ländern verboten, doch die darauf stehenden Gefängnisstrafen haben kaum abschreckende Wirkung. Vielmehr zwingt die Armut der Kakaobauern sie dazu, ihre eigenen Kinder oder Kindersklaven aus Mali und anderen Nachbarstaaten auf ihren Plantagen arbeiten zu lassen. Erwachsene Erntehelfer können sie sich nicht leisten. Schuld ist vor allem die ungerechte Verteilung in der Wertschöpfungskette der Schokoladenproduktion. Johannes Schorling von der Unterstützer-Organisation INKOTA geht davon, aus das von dem Preis einer Tafel Schokolade nur ca. sechs Prozent bei den westafrikanischen Kakaobauern ankommt. Der Rest der Wertschöpfung findet im globalen Norden statt und wandert auf direktem Wege in die Taschen der Schokoladenunternehmen und des Einzelhandels. Solange die Bauern in Armut leben, ändert sich auch an der Situation der Kinder nichts, da die Kinderarbeit eng mit der Armut der Bauern zusammenhängt, so Schorling.3)4)5)

Der Markt für Kakao zeigt perfekt auf, was falsch laufen kann, wenn westliche Großkonzerne mit nicht organisierten Kleinbauern zusammenarbeiten. Während die Großkonzerne ihre Umsatzzahlen nach oben treiben wollen und die Preise für den Kakao drücken, kämpfen die Bauern ums Überleben. Die US-Konzerne Cargill und ADM sowie Barry Callebaut aus der Schweiz sind es, die den Handel mit Kakao beherrschen. Sie verkaufen den Kakao der Bauern weiter an Schokoladenhersteller wie Mondelez, Mars oder Nestle. Deren Produkte sind dann in den Regalen von Aldi, Lidl, Rewe und Edeka zu finden. Da die Supermarktketten die Verkaufsregale immer mehr mit günstiger Schokolade ihrer Eigenmarken befüllen, wird der Preisdruck nochmals erhöht. Der jüngst angekündigte Boykott von Nestle-Produkten, darunter auch Produkte, die Kakao enthalten, durch den größten deutschen Lebensmittelhändler Edeka zeigt wie hart um Marktmacht und höhere Gewinnmargen gekämpft wird. Folgen hat das vor allem für die 5,5 Millionen Kleinbauern in Westafrika und die Kinder, die dafür leiden müssen.2)6)7)

In Deutschland wird nicht nur am meisten Schokolade konsumiert, sondern auch bei Schokoladenexporten ist Deutschland die Nummer 1 der Welt.  Von Januar bis November 2017 exportierten deutsche Schokoladenhersteller 782.000 Tonnen Schokolade und andere kakaohaltige Lebensmittel ins Ausland. Das entspricht einem Exportwert von ca. 1.9 Milliarden Euro. Wenn Konzerne aus Deutschland jährlich Produkte im Wert von Milliarden von Euro exportieren, basierend auf einem Rohstoff, importiert aus Westafrika, dann nennt sich das internationaler Handel. Wenn aber die westafrikanischen Bauern an dem Handel mit ihrem Kakao kaum verdienen und Millionen von Kindern unter katastrophalen Bedingungen dafür arbeiten müssen, dann ist das Ausbeutung.8)9)

  1. Frankfurter Allgemeine: Schokoladenhersteller kämpfen gegen Kinderabeit; Artikel vom 29.01.2018 []
  2. Südkurier: Kinderarbeit auf Kakaoplantagen die bittere Seite der Schokolade; Artikel vom 27.01.2018 [] []
  3. SRJ News: How Child Labour is Used to Make Chocolate Bars; Artikel vom 17.02.2018 []
  4. the Charlatan: From Bean to Bar: The Darkside of Chocolate; Artikel vom 14.02.2018 []
  5. Deutschlandfunk Kultur: Kinderarbeit bei der Kakaoernte; Artikel vom 13.12.3017 []
  6. Süddeutsche Zeitung: Der bittere Beigeschmack der Schokolade; Artikel vom 2.01.2018 []
  7. manager magazin: Nestlé-Chef riskiert Preiskrieg mit Edeka und Verbündeten; Artikel vom 20.02.2018 []
  8. Zdf.de: Schokoladenexport ist gestiegen; Artikel vom 26.01.2018 []
  9. Focus: Export-Weltmeister: Mit welchen Produkten Deutschland den Weltmarkt dominiert; Artikel vom 23.03.2017 []

Über Janik / earthlink

24 Jahre, Student der Politikwissenschaften mit Interesse für gesellschafts- und umweltpolitische Themen.
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