Myanmar: Neue Wahlen – neue Chance für Kinderarbeiter?

Bild: © Moine Sāsana - Wikimedia Commons

Die Parlamentswahlen am 8. November 2015 in Myanmar werden als wichtiger Meilenstein im Öffnungsprozess des Landes betrachtet, da sie der autoritären Herrschaft und der internationalen Isolation endgültig ein Ende setzen sollen. Seit langer Zeit herrscht nun ein echter Wettbewerb zwischen mehreren Parteien: erstmals seit einem Vierteljahrhundert soll auch wieder die Opposition unter Führung von Aung San Suu Kyi mitwirken. Die Wahlen sind weiterhin richtungsentscheidend, da sie „den Reformprozess der letzten vier Jahre weiter vorantreiben können“.1)

Wenige Wochen vor den Wahlen nutzt eine Koalition von Kampagnengruppen die Chance zu einer offenen Diskussion und drängt den Gesetzgeber dazu, eine allgemeine und kostenlose Pflichtschulbildung innerhalb von fünf Jahren zu schaffen. Laut den letzten Daten besuchen etwa 4,4 Millionen Jugendliche unter 18 Jahren in Myanmar keine Schule.2) Aung San Suu Kyis Nationale Liga für Demokratie, die bei den Wahlen gute Chancen hat, hat die Bildung als Eckpfeiler für die Armutsbekämpfung identifiziert. Wie in vielen anderen Ländern ist die Armut in der Bevölkerung als die Hauptursache für Kinderarbeit in Myanmar zu sehen.

Laut dem Maplecroft Ranking ist Myanmar neben Eritrea und Somalia eines der 10 Länder der Welt, in denen das Problem der Kinderarbeit am gravierendsten ist.3) Ob es um Teestuben oder Fabriken geht, sind Kinderarbeiter im ehemaligen Burma weit verbreitet: Im Jahr 2006 haben hier fast 33 Prozent der Kinder im Alter vom 7 bis 16 Jahren gearbeitet.4) Kinderarbeit war schon lange einer der wichtigen Bestandteile der myanmarischen Wirtschaft. Seit dem Anfang der ökonomischen und politischen Reformen im Jahr 2011 hat sich die Situation kaum geändert. Da dank der Reformen in großen Städten viele neue Hotels, Cafés, Restaurants und Geschäfte eröffnet werden, sind billige und zuverlässige Arbeitskräfte dringend nötig. Das Alter spielt hierbei absolut keine Rolle.

Wichtig zu erwähnen ist, dass die Regierung Myanmars im Dezember 2013 die ILO-Konvention über das Verbot und unverzügliche Maßnahmen zur Beseitigung der schlimmsten Formen der Kinderarbeit einschließlich Sklaverei oder das Nutzen von Kindern in bewaffneten Auseinandersetzungen ratifizierte.5) Allerdings bleibt die ILO-Konvention Nr. 138 über das Mindestalter für Arbeit bis heute nicht ratifiziert. Außerdem entwickelte die myanmarische Regierung keine spezifische Richtlinien oder Programme, um das Problem der Kinderarbeit tiefgreifend zu lösen.

Ob die Wahlen die Situation der Kinderarbeit wirklich beeinflussen können, lässt sich erst im Laufe der Zeit beantworten. Es gibt jedoch schon jetzt einige Organisationen in Myanmar, die versuchen, den arbeitenden Kindern zu helfen, indem sie ihnen eine kostenlose Schulausbildung auf dem Arbeitsplatz bieten. So veranstaltet das Myanmar Mobile Education Project zurzeit für etwa 120 Kinder in Yangon und Mandalay Schulunterricht innerhalb der Teestuben nach Ende der Öffnungszeiten.6)

  1. DW: Große Erwartungen an Wahl in Myanmar – zuletzt aufgerufen am 28.10.2015 []
  2. Taipei Times: All work, no play: Myanmar child labor widespread – zuletzt aufgerufen am 28.10.2015 []
  3. Maplecroft: Child Labour Index map 2014 – nicht mehr verfügbar []
  4. Aljazeera America: Long hours, meager wages: Child labor continues in Myanmar – zuletzt aufgerufen am 28.10.2015 []
  5. Aljazeera America: Long hours, meager wages: Child labor continues in Myanmar – zuletzt aufgerufen am 28.10.2015 []
  6. MyME: Myanmar Mobile Education Project: Reforming the country one teashop child at a time – zuletzt aufgerufen am 28.10.2015 []
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